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KÖNIGSKINDER: Circus Maxima

Am 2. Februar heiratet der niederländische Thronfolger Prinz Willem Alexander die bürgerliche Maxima Zorreguieta. Warum es im Königshaus deswegen jetzt Ärger gibt.

Am 2.2.2002 wird weltweit die Zahl der Hochzeiten wegen der Schnapszahl in die Höhe schnellen. Die Niederlande bereiten sich allerdings auf eine ganz besondere Eheschließung vor: Mit Kronprinz Willem Alexander wird nach langer Zeit endlich wieder ein männlicher Thronfolger im Haus Oranien vor den Traualtar treten. Wie auch bei der norwegischen Prinzenhochzeit im vergangenen Sommer sorgt die bürgerliche Braut Maxima Zorreguieta für Wirbel - allerdings nicht wegen eines wilden Vorlebens, sondern wegen der Verstrickung ihres Vaters in ein verbrecherisches Regime.

Parlament musste Hochzeit zustimmen

Eigentlich schienen die Gemüter inzwischen beruhigt, doch zwei Wochen vor der Hochzeit kam der Ärger über den Anhang der zukünftigen Königin wieder hoch. Anlass war ein Interview des Brautpaares, in dem es sich auch zur Vergangenheit von Jorge Zorreguieta äußerte. Maximas Vater war Agrarminister der von 1976 bis 1983 dauernden Militärdiktatur in Argentinien, während der nach Schätzungen bis zu 30.000 Regimekritiker verschwanden. Dieser Umstand sorgte für erheblichen Aufruhr in den liberalen Niederlanden, wo das Parlament einer königlichen Hochzeit zustimmen muss, wenn der Eheanwärter nicht die Zugehörigkeit zum Königshaus verlieren will.

Einigung im Sommer

Nach heftigem Streit, in dessen Verlauf der frühere Unesco-Botschafter Maarten Mourik Strafanzeige gegen den Ex-Minister einreichte, einigte man sich schließlich diplomatisch: Am 3. Juli 2001 stimmte das Parlament mit 15 Gegenstimmen der Heirat zu, nachdem zugesichert worden war, dass Jorge Zorreguieta nicht zur Hochzeit erscheinen werde. Im März war eine offizielle Untersuchung veröffentlicht worden, in der es geheißen hatte, es könne »weitgehend ausgeschlossen werden«, dass Zorreguieta persönlich in Menschenrechtsverletzungen verwickelt gewesen sei.

»Andererseits ist es undenkbar, dass er von der Praxis der Unterdrückung und der Lage der Menschenrechte nichts mitbekam«, heißt es im gleichen Report. In einem Fernseh-Interview am 18. Januar erklärten nun Maxima und Willem Alexander, dies sei »nur eine Meinung«. Maxima betonte, ihr Vater habe zur damaligen Zeit nichts von Verschwinden und Gräueltaten gewusst. Darüber empörte sich wiederum die kleinste der drei Regierungsparteien, denn damit widersprach das zukünftige Königspaar der offiziellen Regierungs-Position.

Maxima beim Volk beliebt

Doch die Aufregung um die Auserwählte des Thronfolger könnte sich bald gelegt haben. Schon jetzt ist die 30-jährige Bankkauffrau, die mit ihren blonden Haaren auch als gebürtige Holländerin durchgehen würde und bereits fließend niederländisch spricht, der Liebling vieler Landeskinder. Auch der 34-jährige Willem Alexander, der immer wieder offen seine Vorliebe für bürgerliche Frauen demonstriert hatte, weckte mit seiner unkonventionellen, mitunter respektlosen Art Sympathien beim Volk.

Millionen verfolgen die Zeremonie

Rund 500.000 Menschen werden am 2. Februar in Amsterdam erwartet. Um 10.15 Uhr traut zunächst Bürgermeister Job Cohen Willem Alexander und Maxima in der alten Börse. Um 11.30 Uhr beginnt dann die kirchliche Trauung in der Nieuwe Kerk, zu der zahlreiche Ehrengäste geladen sind. Danach fährt das frisch gebackene Ehepaar in einer goldenen Kutsche durch die Stadt, um schließlich vom Balkon des Königspalastes als Thronfolgerpaar das Volk zu grüßen. Die Hochzeit wird weltweit im Fernsehen übertragen, die Sender rechnen mit Zuschauern im zweistelligen Millionen-Bereich.