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KYLIE MINOGUE: Kleine Pop-Prinzessin ganz groß

Kylie Minogue startet durch. Mit ihrem neuen Album »Fever« feiert sie Erfolge in ganz Europa - nicht der erste Meilenstein in einer langen und wechselhaften Karriere.

Kylie Minogue hat es allen gezeigt. Oft als Eintagsfliege und als musikalisch unbegabtes Püppchen verunglimpflicht stürmt die kleine Australierin im Augenblick mit ihrem Album »Fever« und der Single »Can't Get You Out Of My Head« die europäischen Charts. In Deutschland steht das Album auf Platz 1 und die Single hat es sich auf dem zweiten Platz bequem gemacht. Auch den in Großbritannien vielbeschworenen Kampf der Popprinzessinnen hat die inzwischen 33-jährige Minogue klar für sich entschieden. Victoria »Posh Spice« Beckham blieben mit ihrer Soloveröffentlichung nur die hinteren Plätze.

Kylie, Madonna und die Männer

So viel Erfolg macht selbstbewußt: »Madonna ist die Königin des Pop, ich bin die Prinzessin«, ließ die Diva aus »Down Under« kürzlich verlauten. Dabei wäre sie sich nicht zu schade - wie kürzlich erst Geri Halliwall - englische Soldaten im fernen Oman aufzuheitern: »Ich will unbedingt vor den Soldaten auftreten.« Sie weiß, dass sie trotz ihrer vergleichsweise kleinen Körpergröße von 1,52 Metern gut ankommt: »Männer mögen lieber kleine Frauen, dann wirken sie selbst nämlich größer.« Klein muss sich Kylie angesichts ihrer langen und erfolgreichen Karriere nun wirklich nicht vorkommen.

Zwischen Neighbours, Jason Donovan und Loco-Motion

Bereits 1988 startete Kylie voll durch: Mit »I Should Be So Lucky« sang und tanzte sich die damals 20-Jährige durch die Hitparaden. Weitere Hits wie »Got The Loco-Motion« folgten und mehrten ihren Ruhm. Den hatte sie ursprünglich mit der Schauspielerei begründet. Die australische Sitcom »Neighbours« begeisterte in Australien und Großbritannien Millionen. Kylie sammelte Logies - die australische Version des Emmys - wie Briefmarken. Mit ihrem damaligen Freund und »Neighbours-Partner« Jason Donovan bildete sie das Traum-Paar der Boulevard-Blätter. Dennoch verblaßte ihr Ruhm allmählich.

Zu gleichförmig klang ihre Musik. Vernantwortlich zeichnete sich das Produktionsteam Stock, Aitken und Waterman, die verschiedene prinzipiell austauschbare Musiker mit ihrem Pop-Einheitsbrei versorgten. Doch Kylie schaffte den Absprung. 1994 nach fünf Alben trennte sie sich von den Hitproduzenten und richtete ihre Musik künftig mehr nach aktuellen Dance-Trends aus. Von Kritikern bereits hochgeschätzt kehrte der Erfolg nur langsam wieder ein. Vor allem zahlreiche Remixe von bekannten DJs und Koproduktionen mit Nic Cave - »Where The Wild Roses Grow« - oder den Manic Street Preachers brachten sie wieder in die Musik-Schlagzeilen. Spätestens mit ihrem Megaseller-Album »Light Years« (2000) hat sich die kleine große Künstlerin als eigenständige Musik-Größe etabliert.

Kylie sang für Milliarden

Mitlerweile erfreut Kylie auch wieder das Kino-Publikum. Als schreiend grüne Absinth-Fee belustigte sie im Kassenschlager »Moulin Rouge« zwar nur kurz, dafür aber erfrischend offen für Abstruses die Zuschauer. In ihrer Heimat wird sie inzwischen verehrt wie eine Nationalheilige. Als Kylie im letzten Jahr bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney vor einer Rekordkulisse von vier Milliarden Fernsehzuschauern auftrat, war dies ein krönender Moment ihrer Laufbahn.

Philip Stirm