Leute Wolfgang Dipper, Weihnachtspostler


Briefe, die Kinder an den Weihnachtsmann schicken, landen oft auf dem Tisch eines Postbeamten in Himmelpforten: bei Wolfgang Dipper, der die großen und kleinen Wünsche aus aller Welt beantwortet.

Der Weg zum Weihnachtsmann führt über die B 73 von Hamburg Richtung Cuxhaven. Plattes Land säumt die Landstraße, irgendwann kommt man in das Dorf, in dem er wohnt: Himmelpforten. Hier landen nach einer bundesweiten Vereinbarung der Post fast alle Briefe, die nur die Adresszeile "An den Weihnachtsmann" tragen. Am Ortsausgang muss es sein, hinter der Tannenschonung - da steht es, ein Blockhaus, sein Haus.

Der Weihnachtsmann trägt Jeans

und Vollbart und steht vom Sofa auf, um sich vorzustellen: Wolfgang Dipper, 45, Beamter bei der Deutschen Post. Von Januar bis Ende November kümmert er sich dort um Reklamationen, danach verlegt er seinen Arbeitsplatz an einen alten Holztisch, von dem aus er und seine Helfer jedem Kind zurückschreiben, das seine Wünsche "an den Weihnachtsmann" verfasst hat. 35 600 Briefe erreichten sein Team vergangenes Jahr. Lisa aus Flensburg etwa bat bereits im März um einen Puppenwagen. "Ich weiß", schrieb sie, "der Weihnachtsmann hat im Winter viel zu tun, da wollte ich schon mal rechtzeitig fragen." Doch solche Wünsche, mitunter als Katalogausrisse mit Preisangabe eingesandt, kann Dipper nicht erfüllen. "Darum geht es auch nicht", sagt er. Sondern? "Um den kindlichen Glauben an den Weihnachtsmann. Wenn er antwortet, muss es ihn geben."

Antworten aus Himmelpforten erhalten Kinder schon länger: 1961 schickte ein Mädchen aus diesem Ort einen Brief an den Weihnachtsmann, den ein lokaler Postler beantwortete. Das Kind war überglücklich, der Fall sprach sich bei der Post herum, und so wurden von Jahr zu Jahr mehr Briefe nach Himmelpforten umgeleitet.

Wolfgang Dipper spielt in diesem Jahr

zum dritten Mal den Weihnachtsmann. Stolz wie ein Sammler präsentiert er auch Briefe aus dem Ausland: "To Santa Claus - Norway" steht auf einem, und gestern kam ein Brief aus Shanghai, der ihn auf verschlungenen Wegen erreichte. Den kann Dipper leider nicht lesen, antworten wird er trotzdem - mit einem vorgedruckten Standardschreiben auf Deutsch. "Liebes Erdenkind", beginnt der Brief, in dem sich der Weihnachtsmann für die Post bedankt und von Rentieren und Kerzenschein erzählt. Auf traurige Briefe, in denen Kinder sich zum Beispiel den Besuch des verstorbenen Vaters wünschen, antwortet Dipper handschriftlich. Sogar Erwachsene, erzählt er, wenden sich an ihn: Voriges Jahr wünschte sich ein Mann, weiterhin Arbeitslosengeld zu bekommen anstelle von Hartz IV. Beigelegt fand Dipper die Einkommensbelege des Absenders "Irgendwie rührend", sagt er, "aber was soll ich da tun?"

Er macht ja schon viel, beantwortet all die Briefe, die zwischen Januar und November eintreffen, in seiner Freizeit. "Der Weihnachtsmann ist immer erreichbar", so Dipper. Damit der nicht irgendwann überfordert ist, hat die Deutsche Post mittlerweile Kollegen in 51766 Engelskirchen engagiert, sowie in 97267 Himmelstadt und 16798 Himmelpfort. Aber Dipper wirkt nicht, als brauche er Unterstützung: "Von mir aus könnte immer Weihnachten sein!" Die Frau vom Weihnachtsmann rollt mit den Augen, lächelt und sagt: "Aber der Bart wird nicht länger, das hast du versprochen."

Oda Albers print

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