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Los Angeles: Viererkette

Nun sind sie dort gelandet, wo sie längst hingehören: Die Beckhams sind ins glamouröse Los Angeles gezogen - zu ihren Lieblingsfreunden Tom Cruise und Katie Holmes. Werfen wir einen Blick auf dieses schillernde Quartett.

Von Christine Kruttschnitt

Worüber sie wohl so reden? Eigentlich sind sie ja zwei ganz normale befreundete Ehepaare. David und Victoria, neu in der Stadt. Und Tom und Katie, jungverheiratet. Vielleicht quatschen sie über Sport? "David, warum macht ihr so wenig Tore?" - "Katie ..." - "Nein, Tom, lass mich doch fragen: Als wir neulich in Madrid zugeschaut haben, da gab es während der gesamten anderthalb Stunden nur vier - vier! - Tore. Wird dir da selbst nicht ein bisschen langwei ..." - "Katie!" - "Ach, ist doch wahr." Nein, Sport scheidet wohl aus.

Also, um ehrlich zu sein: Wir wissen natürlich nicht, worüber David und Victoria Beckham und Tom Cruise und seine junge Gattin Katie Holmes sich so unterhalten. Wir wüssten es gern. Die ganze Welt wüsste es gern. Denn seit Helmut Kohl und François Mitterrand ihre Buddie- Beziehung via Händchenhalten dokumentierten, hat es in den Augen der Öffentlichkeit keine merkwürdigere Freundschaft gegeben als die des tätowierten Power-Pärchens aus London zu jenem royalen Hollywood-Gespann, dessen Verbindung an sich allen Zeitgenossen schon ein großes, ungelöstes Rätsel ist. Zwei Ehen im Rampenlicht, die vor allem durch die Hitze dieses Lichts zusammengeschweißt werden: ein Pop-Sternchen und ein Fußballheld, ein globaler Mega-Star mit Scientology- Mission und ein Starlet, das bis zu seiner Hoppla-Hopp-Verlobung relativ unbekannt war und seitdem, als Mrs Cruise, zum bedauerten Darling der Fachpresse von "Hola" bis "Gala" mutierte.

Entspannter Rhythmus der Kontobewegungen

Fest steht, dass Mrs Beckham Mrs Cruise beim Einkaufen und Abnehmen berät und Mr Cruise Mr Beckham in Karrierefragen: So tragen die beiden Freundinnen, die sich seit 2004 kennen und die man vorwiegend auf Modenschauen und in von Paparazzi belagerten Szene-Restaurants trifft, neuerdings die gleiche Frisur - "Pob" genannt, von "Posh-Bob", weil Mrs Beckham doch als "Spice Girl" namens "Posh" bekannt geworden ist (und woran sie jetzt gerade mit der Wiedervereinigung der scharfen Mädchen anknüpft). "Posh" heißt piekfein. "Bob", liebe Glatzenträger, heißt die Frisur. Und fest steht auch, dass "Becks", ihr Gatte, bei Tom Cruise Rat eingeholt hatte, ob er nach Los Angeles umziehen sollte: zum Fußballverein "Galaxy", der bis zu 193 Millionen Euro für einen Fünf-Jahres-Vertrag bot - sieben Millionen reines Salär pro Jahr für den Rekordkicker, der Rest anteilige Einnahmen aus dem Marketing. Was, bei den rund 40 Spielen, die Galaxy alljährlich so vor halb leeren Stadien absolviert, fast eine Million pro Anpfiff bringen könnte. Dies nur am Rande - denn was die Cruises und die Beckhams neben ihrer Liebe zum Shoppen und zum Sport natürlich auch verbindet, ist der entspannte Rhythmus ihrer Kontobewegungen.

Was zieht die Beckhams nach drüben, abgesehen von den paar Millionen? "Das Schicksal", orakelt der Hollywood- Produzent Peter Guber. "An einem bestimmten Punkt einer Karriere ist Hollywood unausweichlich." Oder wie die "Los Angeles Times" witzelte: "Jeder Tag, den Posh und Becks in London verbracht haben, war eine Beleidigung für unsere Stadt, weil es ja so aussah, als könnte man eine internationale Berühmtheit sein und sich total L. A. benehmen - und dabei ganz woanders leben."

Tätowierung mit Schreibfehler

Total L. A.: Das waren die beiden in der Tat schon immer. Hatte David zum Beispiel nicht die grandiose Idee, sich à la Johnny Depp - "Winona forever!" - den Namen der Angebeteten auf den Leib nadeln zu lassen, nur um mit einem Schreibfehler heimzukommen? Was jedoch kein Schwein bemerkte, weil der Name kurioserweise in Hindi notiert wurde?!

Und Posh wiederum mit ihrem tadellos ausgemergelten Körper und den später gekauften Brüsten: Erklärte sich die 33- Jährige nicht selbst zur "Mode-Designerin", wie typischerweise gelangweilte Hollywood-Millionärsgattinnen es tun, stürmt weltweit Boutiquen wie Hitler einst Polen und prahlt, nie ein Buch zu Ende gelesen zu haben? Entzückt vernahm die Fashion- Szene ihren Streit mit einem Supermodel ("Warum nennt man dich eigentlich posh, Victoria?" - "Warum nennt man dich eigentlich schön, Naomi?"). Die Söhne des Paares tragen Namen, wie sie außer Hollywood-Ikonen nur Ossis kurz nach der Maueröffnung ersannen - Brooklyn, Romeo und Cruz -, und ihre Outfits sind so sexy und unpraktisch, dass man damit ausschließlich rote Teppiche betreten kann (jawohl, das schließt Davids Vorliebe für Sarongs mit ein).

Auswärtsspiele mit diversen Assistentinnen

Kurz: Wechselte Bernd Schneider zu Galaxy, würde dies allenfalls im Sportteil vermeldet. Die Beckhams aber sind Schlagzeilenfutter, pures Vermischtes. Und das nicht nur, weil Davids Auswärtsspiele mit diversen Assistentinnen spannender waren als manch seiner Einsätze für Real Madrid. Total L. A. sind natürlich auch die Cruises: Er der zugkräftigste Schauspieler seiner Generation und jetzt Boss eines Filmstudios, sie das Mädchen vom Lande, das ein Hollywood- Dasein geschossen hat. Seine vor zwei Jahren penetrant öffentlich bekundete Liebe zu Katie führte zum Image-GAU, der Strahlemann und Scientology-Prophet galt fürderhin als durchgeknalltes Alien, das die nunmehr 15 Monate alte Tochter angeblich für die Reinkarnation von Sektengründer L. Ron Hubbard hält.

Über die Ehe kursieren die fiesesten Gerüchte; die 28-Jährige sei ein unterdrücktes Frauchen, das, von Scientologen umzingelt, per Jawort in der Hölle gelandet ist ("US Weekly": "Jetzt will er ihr die Kreditkarten sperren!"). Wie gut es da tut, die beiden ab und zu sich auf Sportplätzen langweilen zu sehen, wenn seine Kinder aus der Ehe mit Nicole Kidman kicken. Wahrscheinlich sind die Cruises das einzige Paar auf Erden, dem die fröhlich-protzigen Beckhams so etwas wie Bodenhaftung verleihen: gaga zwar im Vergleich zu, sagen wir: den Schneiders, doch gegen Tom und seine Sippe erfrischend handfeste Multimillionäre.

Fußball interessiert so brennend wie Schattenboxen

Im Gegenzug geben die Cruises Starthilfe in Los Angeles. Zeigen sich mit den beiden Ausländern vor Fotografen, sodass Amerika meint, bei den Beckhams handele es sich um A-Prominenz. Was natürlich Unsinn ist. Fußball interessiert dort drüben so brennend wie Schattenboxen, und Posh musste am eigenen dürren Leib erfahren, dass ihr vom TV-Sender NBC beworbenes "wahres Leben als eine der glamourösesten Frauen der Welt" den US-Fernsehzuschauer kalt lässt. Unverdrossen will die Britin in den Staaten selbst entworfene Jeans und Schuhe verkaufen. Und mit den wiedervereinigten Spice Girls noch mal an Ruhm und Kohle rausholen, was die ausgediente Marke hergibt. Die Welt wartet darauf.

Natürlich haben Posh und Becks bei einer Hollywood-Agentur unterzeichnet. Natürlich ist es dieselbe wie die von Cruise. Es heißt, der Schauspieler wolle Beckham als Aushängeschild für seine "Kirche" gewinnen. Schon der Gattin hat er Hubbards Weisheiten aufgeschwatzt. Beckham, Klempnersohn aus dem Nordosten Londons, erzählt in seiner Biografie, er sei sehr religiös erzogen. Bislang gilt sein Interesse an den E-Metern der Scientologen als gering. Und Posh schnappte, sie gäbe "niemals Geld aus für so einen Unsinn". Vor Wochen wurde gemeldet, Cruise wolle in Galaxy investieren. So wäre er einerseits Beckhams Boss und könnte Victoria andererseits in einem Film seines Studios unterbringen. Auf einer bestimmten Ebene ist eben jede Freundschaft ein Zweckbündnis.

Wer Hubbard liebt, kann Hitler nicht erfassen

Genau wie jede Ehe. Wahrscheinlich lieben sich die Beckhams und die Cruises ganz doll. Aber eben nur Posh war in der Lage, Becks zum Sexsymbol umzustylen, und nur Becks hob Posh auf die internationale Jet-Set-Ebene. Nur Cruise konnte das Provinzblümchen Katie zur Hollywood-Königin adeln, wofür sie im Gegenzug den Helden mit dem angeschlagenen Ruf saniert. Allein, in Berlin ist man da nicht so sicher. "Operation Walküre", Cruises geplantes Drama über den Hitler-Attentäter Stauffenberg, wird ausgebremst. Ein Stauffenberg- Nachfahre befürchtet "Mist" und "Kitsch", die CDU-Sektenexpertin erinnert mahnend an Cruises Mission für Xenu und Thetanen. Wer Hubbard liebt, kann Hitler nicht erfassen, so die Befürchtungen. Vielleicht hat Tom ja darüber mit seinen Freunden geredet. Katie wird ihm die Hand getätschelt haben. Posh heimlich ihre Augen verdreht. Und David musste dem Erfolgsverwöhnten erklären, wie man so eine Niederlage nimmt. Nämlich sportlich.

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