Mädchen aus Malawi Madonna beantragt Adoption vor Gericht


Sie kann noch so viel Engagement für Afrika beteuern, ein fader Beigeschmack bleibt. Madonnas geplante Adoption eines malawischen Mädchens sorgt für Unmut. Madonna lässt sich jedoch nicht beirren und reiste nach Malawi, um vor Gericht die Formalitäten zu klären.

Madonnas lang gehegter Traum einer "Regenbogenfamilie" könnte demnächst in Erfüllung gehen. In Afrika will sie nach Medienberichten ein weiteres Kind adoptieren. Die vierjährige Mercy James soll es diesmal sein, die ihr vor zwei Jahren in einem von ihrer Stiftung "Raising Malawi" betriebenen Waisenheim aufgefallen war. Die 18-jährige Mutter von Mercy James war einige Monate nach der Geburt gestorben; der Vater ist am Leben. Das Mädchen wurde nach dem Tod der Mutter zeitweise von seiner Großmutter und seinem Onkel versorgt, lebte aber zuletzt in dem Kinderheim.

Mercy James soll die Stiefschwester für den ebenfalls aus Malawi stammenden David werden, hatten britische Medien schon im August 2007 berichtet. Madonna habe damals von einem "lächelnden Engel" geschwärmt und von den Behörden des Landes schon grünes Licht erhalten, schrieb die Zeitung "The Sun" etwas voreilig.

Nun pfeifen es in Malawi die Spatzen vom Dach: Madonnas Anwalt Alan Chinula soll die Adoption beantragen. In Begleitung mehrerer Leibwächter erschien Madonna vor einem Gericht in Lilongwe, um die Formalitäten der geplanten Adoption zu klären. Der etwa einstündige Termin erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Popdiva betrat das Gericht durch einen Hintereingang und äußerte sich nicht. Richter Esimy Chombo will nach der Anhörung am Oberlandesgericht der Hauptstadt Lilongwe an diesem Freitag über den Antrag entscheiden, hieß es aus Gerichtskreisen.

"Viele Menschen - vor allem unsere malawischen Freunde - meinen, dass David einen Bruder oder eine Schwester haben sollte. Es ist etwas, das ich erwäge", sagte Madonna der malawischen Lokalzeitung "The Nation". Allerdings, so schränkte sie ein, nur mit Zustimmung der Malawier und der Regierung. Der Zeitung verriet sie, dass ihre Trennung von Guy Ritchie das herzliche Familienverhältnis nicht beeinträchtigte. "Wir sind beide der Meinung, dass unsere Kinder stets eine tiefe Verbundenheit mit beiden Elternteilen haben sollten." Guy komme regelmäßig nach New York zu Besuch, sie habe die Kinder vergangenes Jahr nach London gebracht, damit sie Weihnachten mit ihrem Vater verbringen konnten.

Madonna traf in Begleitung ihrer Kinder David und Lourdes in Malawi ein. David verbrachte anschließend zweieinhalb Stunden mit seinem biologischen Vater. Das Treffen fand in der exklusiven Hotelanlage statt, in der Madonna wohnt. "Ich war sehr froh, ihn zu sehen", sagte Davids Vater Yohane Banda der Nachrichtenagentur AP. Erkannt habe David ihn aber nicht. "Er fragte mich, wer ich sei."

In Großbritannien sind Madonnas erneute Adoptionspläne auf harsche Kritik gestoßen. Die Wohltätigkeitsorganisation "Save the Children" forderte die Sängerin auf, den Schritt zu überdenken. Am besten sei es für Waisenkinder, in ihrem eigenen Land oder in der Nähe ihrer weiteren Familie aufzuwachsen, sagte der Sprecher der Organisation, Dominic Nutt. Nach Angaben von "Save the Children" sollten internationale Adoptionen nur in Erwägung gezogen werden, wenn Kinder Vollwaisen seien und alle Alternativen im eigenen Land geprüft wurden. Madonnas Sprecherin Liz Rosenberg erklärte, die Popdiva werde sich nicht zu dem Appell Nutts äußern. Die britische Zeitung "The Sun" hatte berichtet, Mercys Großmutter wolle sich der Adoption widersetzen.

Vor weniger als einem Jahr erst ist Madonna von einem Gericht in Malawi nach einer 18-monatigen Probezeit formell zur Adoptivmutter des kleinen David Banda erklärt worden. Das Sorgerecht war ihr gemeinsam mit Ex-Partner Guy Ritchie übertragen worden. Das malawische Recht schreibt eigentlich vor, dass die Adoptiveltern sich mit dem Kind zunächst für 18 bis 24 Monate in Malawi aufhalten müssen. Madonna und Guy Ritchie durften David 2006 aber sofort mit nach London nehmen; rechtskräftig wurde die Adoption knapp zwei Jahre später. Davids Vater - ein armer Bauer - hatte den Jungen nach dem Tod von dessen Mutter zur Adoption freigegeben. Doch die Adoption war nicht unumstritten und hatte Schlagzeilen rund um den Globus ausgelöst.

Menschenrechtler in Malawi - einem der ärmsten Länder der Welt im Südosten Afrikas - warnten vor einer Aushebelung der nationalen Gesetze durch die Pop-Ikone, westliche Kollegen gar vor einem "Madonna-Effekt". Denn die Adoption von Kindern aus armen Ländern durch Prominente und andere Reiche im Westen richte mehr Schaden als Nutzen an, klagten britische Wissenschaftler. Von den Medien stark beachtete Adoptionen führten sogar dazu, dass mehr Eltern in ärmeren europäischen Staaten ihre Kinder in Waisenhäuser schicken, meinten Psychologen der Universität Liverpool in einer Studie.

Madonna verteidigte sich öffentlich mit dem Hinweis auf die Not in Afrika. Im Gespräch mit US-Moderatorin Oprah Winfrey meinte sie: "Ich flehe alle Welt an, nach Afrika zu gehen und zu erleben, was ich gesehen habe." Der Kontinent sei ein einziger Notstand und brauche Menschen, die sich der jüngsten Generation annehmen. Sie gründete in dem lang gestreckten Land am Malawi-See eine Waisen-Hilfsorganisation und versprach sogar, für David die Landessprache Chichewa zu lernen.

Beim Filmfestival in Cannes, wo sie einen Dokumentarfilm über Aids-Waise in Malawi präsentierte, hatte sie sogar eine Änderung ihres Lebensstils in Aussicht gestellt. "Ich bin nach Malawi gegangen und habe gedacht, ich kann ein paar Leben retten; aber dann hab ich gemerkt, dass man auch sein eigenes Leben ändern muss, um etwas zu verändern", meinte sie. Der von Madonna produzierte Dokumentarfilm "I Am Because We Are" behandelt das Schicksal von einer Million Kindern in Malawi, die durch Aids zu Waisen wurden.

JUM/DPA/Raphael Tenthani/AP AP DPA

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