HOME

Marian Robinson: Oma Obama gibt Vollgas

Nur widerwillig zog Marian Robinson, die Mutter von Michelle Obama, mit der Familie des amerikanischen Präsidenten ins Weiße Haus. Sie war in Chicago zuhause, sie wollte nicht nach Washington D.C.. Doch heute genießt sie das Leben dort in vollen Zügen. Was ist geschehen?

Von Ulrike von Bülow, New York

Es ist noch nicht lange her, dass Marian Robinson, die Schwiegermutter von Barack Obama, "sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat", ins Weiße Haus zu ziehen, wie Craig Robinson sagte, ihr Sohn. Mrs. Robinson, 71, hatte ja niemals woanders gelebt als in Chicago - und nun sollte sie plötzlich ihren heimischen Bungalow, ihre altbekannten Freunde, ihren allwöchentlichen Yogakurs verlassen und nach Washington D.C. übersiedeln? Nur unter Protest! Und nur für ein paar Wochen, wie Marian Robinson sagte: Sie werde für Malia und Sasha Obama da sein, ihre beiden Enkelinnen, bis diese sich an ihre neue Umgebung gewöhnt hätten - und dann möge man sie bitte wieder nach Hause entlassen.

Heute aber, gut drei Monate später, sieht es so aus, als wolle Mrs. Robinson nie wieder weg aus Washington D.C.: Sie genießt ihr Dasein in der amerikanischen Hauptstadt in vollen Zügen. Nimmt an Abendessen und Konzerten teil, die ihre Tochter veranstaltet, die First Lady Michelle Obama. Marian Robinson unterhält Besuch, der aus Chicago kommt. Geht nett essen und vergnügt sich im "Kennedy Zentrum für Darstellende Künste", wo sie häufig in der Loge des Präsidenten Platz nimmt. Sie ist dermaßen beschäftigt, dass die Obamas kürzlich einen Babysitter bestellen mussten, der auf Malia und Sasha aufpassen sollte, da die Großmutter bereits anderweitig verplant war. "Ihr Leben ist so ausgefüllt, dass wir unsere Pläne manchmal nach ihren Plänen richten müssen", wie Michelle Obama in der vergangenen Woche sagte, sehr amüsiert.

Das heißt natürlich nicht, dass Mrs. Robinson gar keine Zeit mehr hat für ihre Enkelinnen: Sie bringt Malia, 10, und Sasha, 7, fast jeden Tag zur Schule und holt sie wieder ab. Hilft ihnen bei den Hausaufgaben, begleitet sie zu Verabredungen mit Freundinnen, schaut ihnen beim Fußball spielen zu - und wenn nichts dazwischen kommt, dann passt sie abends auch auf die Mädchen auf. Oder organisiert eine Schlafanzugparty für sie. Die alte Dame sei ein sehr bodenständiger Mensch, heißt es im Weißen Haus, sie passe auf, dass Malia und Sasha in ihrer neuen Heimat nicht auf abgehobene Gedanken kämen.

Zum ersten Mal muss sie nicht putzen und kochen

Gleichzeitig habe Marian Robinson sich ihr eigenes, kleines Reich geschaffen, im dritten Stock, eine Etage über den Wohnräumen der Familie Obama. Wenn sie sich nach oben verabschiede, erzählte Michelle Obama kürzlich, dann sage ihre Mutter: "Ich gehe jetzt nach Hause." Und da Mrs. Robinson als private Person dort lebt, ihr Gesicht nicht überall bekannt ist, kann sie sich relativ entspannt bewegen in Washington D.C. - ohne Fotografen, ohne TV-Kameras, die sie verfolgen, denn anders als ihre Tochter hat Mrs. Robinson keine Pressesprecher, die bekannt geben, wann sie wo auftritt. Dennoch genießt sie die Annehmlichkeiten des Weißen Hauses: Zum ersten Mal in ihrem erwachsenen Leben muss Marian Robinson nicht kochen oder putzen (es sei denn, sie besteht darauf).

Niemand zwingt sie, an offiziellen Veranstaltungen teilzunehmen, die in der präsidialen Residenz stattfinden. Zur traditionellen Osterfeier erschien sie mit Barack und Michelle Obama und deren beiden Töchtern auf dem Balkon des Weißen Hauses, anschließend war sie dabei, als die First Lady Kindern Geschichten vorlas. Aber sonst? Ob sie Spaß habe in ihrer neuen Heimat, wurde Mrs. Robinson, ehemals Sekretärin bei einer Bank in Chicago, kürzlich gefragt. "Ja, sehr!", antwortete sie vergnügt. Und Craig Robinson, ihr Sohn, wunderte sich: "Ich weiß noch, wie meine Schwester sagte: Du musst mit Mom reden, sie will einfach nicht mit uns umziehen!" Die Mutter habe sich nicht beeindrucken lassen von Michelle Obama, die ihr eine aufregendes Leben in Washington D.C. versprach: "Sie brauchte aber keine Aufregung, sie wäre lieber daheim geblieben", so Craig Robinson.

Doch die Obamas wollten gern mit ihr umziehen, da sie sich während des Präsidentschaftswahlkampfes um Malia und Sasha gekümmert hatte: Als deren Eltern ständig unterwegs waren. Nun ist die Familie in Washington D.C. zuhause, und Michelle Obama sagt, dass ihre Mutter ihr geholfen hätte, etwas "sehr wertvolles" ins Weiße Haus zu bringen - einen Sinn für Normalität in unnormalen Zeiten: "Für mich fühlt es sich an, als hätte ich Chicago nie verlassen."

Themen in diesem Artikel