Mel Gibson Wutausbruch zerstört Karriere


Im Rausch hat er einen Polizisten als "Drecksjuden"beschimpft - und fürchtet jetzt um seine Karriere. Selbst für einen Superstar hat Mel Gibson diesmal den Bogen überspannt.

Hollywood verzeiht fast alles. Schlammschlachten vor dem Scheidungsrichter, Drogensucht oder Bekenntnisse zu obskuren Sekten - alles kein Problem. Auch Mel Gibson hätte wohl nicht viel zu befürchten, wenn er nur betrunken Auto gefahren wäre und einen Polizisten angepöbelt hätte. Doch was er sich zusätzlich leistete, dürfte nach Einschätzung vieler US-Medien das Ende seiner Karriere bedeuten: Er beleidigte den Polizisten als "Drecksjuden" und schimpfte: "Die Juden sind verantwortlich für alle Kriege dieser Welt." So zumindest steht es im Polizeibericht, der im Internet kursiert.

Nach seiner Entlassung aus der Ausnüchterungszelle entschuldigte Gibson sich zwar dafür, Dinge gesagt zu haben, "die ich nicht für wahr halte und die verabscheuungswürdig sind". Zudem will er eine Entziehungskur machen. Doch der Ruf ist ruiniert.

"Tirade zeigt sein wahres Gesicht"

"Sorry", schreibt eine Kommentatorin der "Washington Post", "aber ich nehme ihm einfach nicht ab, dass ein kleiner Tequila - oder auch eine Menge Tequila - einen unvoreingenommenen Menschen in einen rasenden Antisemiten oder Rassisten oder Homohasser oder sonst einen Eiferer verwandelt. Alkohol nimmt Hemmungen weg, so dass alle möglichen Meinungen unzensiert durchkommen." Die jüdische Liga gegen Diskriminierung ADL stellte fest: "Seine Tirade zeigt sein wahres Gesicht und beweist, dass seine Beteuerungen während der Debatte über seinen Film "Die Passion Christi" nur Heuchelei waren."

Kritiker hatten Gibson vorgeworfen, mit seinem Epos das uralte Vorurteil von den Juden als "Christusmördern" wiederzubeleben. Aus dem Film spreche ein "pathologischer Judenhass", sagte etwa der Oxford-Professor und Jesus-Experte Geza Vermes. Gibson, Mitglied einer ultrakonservativen katholischen Splittergruppe, erwiderte: "Weder bin ich antisemitisch, noch ist es mein Film. Dieser Film handelt von Toleranz." Es half seiner Sache nicht, dass sein Vater Hutton Gibson zur gleichen Zeit ein Radiointerview gab und darin Holocaust-Museen als "Trick zum Geldeintreiben" bezeichnete.

"Mein Leben ist kaputt"

Der Jesus-Streifen erwies sich als eine der größten kommerziellen Sensationen der Hollywood-Geschichte: Mitsamt DVDs spielte er eine Milliarde Dollar ein - geradezu unglaublich für einen Film, der untertitelt ist, nur für Erwachsene zugelassen war und mehr Verrisse eingesammelt hatte als alle Ben-Affleck- und Jennifer-Lopez-Filme zusammen. Das Magazin "Forbes" stufte Gibson daraufhin 2004 als mächtigsten Künstler der Welt ein. Seine Verwandlung vom Filmstar und Sexsymbol zur Ikone der religiösen Rechten war zu diesem Zeitpunkt auch äußerlich vollzogen: Er trug nun einen grau gefleckten Prophetenbart.

Nach dem antisemitischen Ausfall hat der Fernsehsender ABC eine mit Gibson vereinbarte Serie über den Holocaust abgesagt. Die Zeitungen spekulieren darüber, ob Disney Gibsons nächsten Film zurückziehen wird, einen erneut Blut triefenden Film über die Mayas. "Mad Mel" mag selbst als erster erkannt haben, was er da angerichtet hatte, denn dem Polizeibericht zufolge seufzte er in einem Moment plötzlicher Hellsicht: "Mein Leben ist kaputt."

Christoph Driessen/DPA DPA

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