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Neues Buch "Power Play" "Ich könnte Mai Tais mit nackten Models trinken, statt hier zu sein": Elon Musk und seine Wutausbrüche

Elon Musk
Tesla-CEO Elon Musk möchte trotz der Coronavirus-Pandemie die Produktion wieder aufnehmen
© Kiichiro Sato/AP / DPA
Selbstbewusst, visionär und oft etwas egozentrisch – so wird Tesla-Gründer Elon Musk immer wieder beschrieben. Ein neues Buch zeigt nun eine dunklere Seite: Musk soll regelmäßig komplett ausrasten und seine Wut ungefiltert an den Angestellten auslassen.

Er gilt als hochintelligenter Visionär, wenn auch als etwas verschroben: Mit teils skurrilen Auftritten, jeder Menge absurder und spöttischer Tweets und einem gigantischen Erfolg hat sich Tesla-Gründer Elon Musk sein Image hart erarbeitet. Im Umgang mit seinen Angestellten soll Musk aber regelmäßig noch eine andere Seiten zeigen – und sie bei Wutausbrüchen gnadenlos fertig machen und sogar spontan rauswerfen.

Das berichtet das Buch "Power Play: Tesla, Elon Musk and the Bet of the Century" des beim etablierten "Wall Street Journal" arbeitenden Journalisten Tim Higgins. Musks Erfolg beruhe auch auf einer "Atmosphäre der Angst", die er bei Tesla aufgebaut hätte. Der Gründer sei besessen gewesen, das Elektroauto zum Erfolg zu führen, hätte auf dem Fabrikboden geschlafen und Interviews in seit drei Tagen nicht gewechselten T-Shirts gegeben. "Doch während seine Vision, sein Enthusiasmus und seine Entschlossenheit Tesla zum Erfolg tragen, drohen sein Ego, seine Paranoia und sein Nachtragendsein, es alles wieder zu zerstören", glaubt Higgins.

Wüterich Musk

Als Grund dafür sieht er vor allem Musks Wutausbrüche. In unzähligen Beispielen beschreibt er, wie der Tesla-Gründer bei Meetings, Fabrikbesuchen oder in Gesprächen mit Angestellten komplett ausgerastet sei – und vom kleinen Mechaniker bis zu seiner Führungsriege alle in wüsten Beschimpfungstiraden öffentlich rund gemacht hätte. Vor jedem Führungstreffen sei gewitzelt worden "wen er wohl heute verschlingen würde", so Higgins.

Dabei sei es Musk oft um die Sache gegangen. So habe es 2016 in einer Fabrik in Fremont, Kalifornien, einen "Aufstand" unter den Arbeitern gegeben. Um die Produktionsraten zu schaffen, hätten die dortigen Angestellten immer öfter kurzfristig auch die Wochenenden arbeiten müssen, selbst die Führung riet Musk, seinen Angestellten Zeit zur Erholung zu geben. Der soll darauf hin ausgetickt sein. "Ich könnte auch auf meiner eigenen Insel Mai Tais mit nackten Supermodels trinken, aber das tue ich nicht", soll er gebrüllt haben. "Stattdessen bin ich hier bei euch und arbeite mir den Arsch ab. Ich will nichts darüber hören, wie hart es jeder in dieser Fabrik hat." Dann sei er herausgestürmt.

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Schreien und feuern

Die Anekdote ist eine unter vielen. Immer wieder soll Musk in kleiner oder großer Runde Angestellte angebrüllt haben, wenn ihm deren Aussagen nicht gefielen oder die Arbeitsergebnisse nicht seinen Wünschen entsprachen. "Das ist alles Sch***", soll er eine Gruppe von Ingenieuren zusammengebrüllt haben. Jeder von ihnen solle ihm sagen "wer zum F*** sie sind und was zum F*** sie tun, um meine gottverdammte Produktionslinie zum Laufen zu bringen." Einer der Ingenieure soll noch während des Meetings fristlos gekündigt haben – und dadurch erst recht Musks Wut auf sich gezogen haben. Als er den Raum verließ, habe ihm Musk hinterhergebrüllt. Einem anderen, der gekündigt hatte, lief er bis auf den Parkplatz hinterher, um ihn weiter beschimpfen zu können.

Auch Musk selbst soll angefangen haben, quasi wahllos Angestellte rauszuwerfen. "Er war schon immer jemand, der schnell Leute entlassen hatte. Aber zunächst geschah das durch Manager. Heute wirft er jeden raus, der ihm in der Fabrik über den Weg läuft", schreibt Higgins. Einen Angestellten, der ihm vorher negativ aufgefallen war, begrüßte er am nächsten Tag mit: "Ich dachte, ich hätte dich gestern gefeuert." Als er von einem Fließband-Arbeiter auf eine Problemlösung hingewiesen wurde, reagierte er nicht wie man das erwarten würde. Sondern brüllte "Wie kann es sein, dass jemand hier die Lösung kennt und du davon nichts weißt" in Richtung des Fabrikleiters. Und setzte ihn sofort auf die Straße. 

"Klares und offenes Feedback"

Zahlreiche Versuche verschiedener Medien, einen Kommentar Teslas zu den Anschuldigungen zu bekommen, blieben unbeantwortet. Musk selbst äußerte sich bei Twitter bislang nur zu einem angeblichen Versuch, durch eine Übernahme Chef von Apple zu werden. "Er hat es geschafft, das Buch falsch und gleichzeitig langweilig zu machen", sagte er in Richtung von Higgins. Der stellte klar, dass auch er mehrfach versucht habe, den Tesla-Chef für ein Gespräch zu gewinnen.

Zu den Vorwürfen der Wutausbrüche hatte sich Musk erst vor zwei Wochen geäußert: Er gebe "klares und offenes Feedback, das manchmal als Spott missverstanden" wäre, sagte er bei einem Gerichtstermin in Delaware. Der Vorwurf: Musk habe Angestellte bei Wutanfällen gekündigt. Selbst im Gerichtssaal konnte er sich trotz drohender Milliardenstrafen nicht zurückhalten. Und nannte den Anwalt der Kläger einen "Kriminellen" und einen "schlechten Menschen".

Quellen:The TimesBusiness Insider, Wired, Twitter


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