HOME

MISS-WORLD-WAHL: Auch die Zweitschönste fällt aus

Deutschland wird bei der umstrittenen Miss-World-Wahl in Nigeria wahrscheinlich nicht vertreten sein. Die Vize-Miss-Germany Simone Wolf-Reinfurt musste ihre Reise wegen eines Magen-Darm-Infektes absagen.

Deutschland wird wahrscheinlich bei den Miss- World-Wahlen in Nigeria nicht vertreten sein. Die Vize-Miss-Germany Simone Wolf-Reinfurt aus Darmstadt habe ihre Reise wegen eines Magen- Darm-Infektes absagen müssen, teilte ihre Mutter am Mittwoch in Darmstadt mit. Die Miss Germany Corporation (MGC) in Oldenburg will nun prüfen, ob die 20-jährige Büroangestellte oder eine Vertreterin später anreisen könne. Im August hatte die gewählte Miss Germany Katrin Wrobel ihren Vertrag mit der MGC gekündigt.

Erschöpft und mitgenommen

Nach den Statuten des Wettbewerbs sollten die Schönheiten bis spätestens diesen Mittwoch in der Hauptstadt Abuja eintreffen, um an den Vorbereitungen für die Miss-Wahl Anfang Dezember teilzunehmen. Aber das sei nach dem ärztlichen Attest »einfach nicht machbar«, sagte MGC-Geschäftsführer Ralf Klemmer. Das Organisationskomitee in England sei benachrichtigt worden. Denkbar sei, eine Vertreterin nach Nigeria zu schicken. »Allerdings müsste sie vorher geimpft werden. Vor Montag kann sie auf keinen Fall fliegen«, sagte Klemmer.

Nach Auskunft von Monika Wolf-Reinfurt ist ihre Tochter sehr erschöpft, da sie neben ihrem Vollzeit-Beruf viele Termine wahrgenommen habe. Auch die Diskussion um den Boykott der Miss-Wahlen in dem afrikanischen Staat habe Simone zugesetzt. Ihre Tochter nehme die »entgangenen Chance« gelassen auf.

»Ich glaube nicht, dass sie mit einem der vorderen Plätze gerechnet hat. Sie ist sehr bodenständig«, sagte Monika Wolf-Reinfurt.

Die Miss-World-Wahl in Nigeria findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Islamische Gruppen haben Widerstand gegen die Körper verherrlichende Show angekündigt. 9 der über 90 Schönheitsköniginnen, unter anderem aus Frankreich, Dänemark und Norwegen, reisen erst gar nicht an. Sie protestieren damit gegen Urteile islamischer Gerichte, Ehebrecherinnen zu steinigen. Die Nigerianische Regierung hat jedoch angekündigt, die Vollstreckung solcher Todesurteile nicht zuzulassen.

Aufruf zur Teilnahme

Die deutsche Delegation wollte sich dem Boykott nicht anschließen. Sie folgte damit dem Rat einiger Menschenrechtsorganisationen, die Miss-World-Wahl als Forum zu nutzen, um Menschenrechtsverletzungen in Nigeria anzuprangern. Auch die zum Tod durch Steinigung verurteilte Nigerianerin Amina Lawal forderte die Anwärterinnen für die Miss-Wahl auf, am Wettbewerb teilzunehmen. »Ich denke, die Frauen sollen dorthin gehen, denn nichts wird ohne Gottes Erlaubnis geschehen«, sagte die verurteilte junge Mutter im staatlichen Rundfunk - nach eigenen Angaben tat sie dies freiwillig.