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Mordfall Moshammer: Ermittler hoffen auf Daisy

Im Mordfall Rudolph Moshammer sucht die Polizei nach einem "Mann mit Wollmütze", der den Modeschöpfer kurz vor dessen Tod begleitet haben soll. Die Ermittler hoffen zudem auf DNA-Spuren des Täters am Fell von Hündin Daisy.

Im Mordfall Rudolph Moshammer gibt es möglicherweise eine konkrete Spur. Der extravagante Modeschöpfer sei Stunden vor seinem Tod in seinem schwarzem Rolls Royce in Begleitung eines jungen Mannes gesehen worden, bestätigte die Polizei einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). Der schlanke Unbekannte habe eine randlose Wollmütze getragen, die er tief ins Gesicht gezogen habe. Der Zeuge habe den 64-Jährigen in dem auffälligen Wagen mit dem Kennzeichen M-RM 111 an einer roten Ampel in München beobachtet.

"Wir haben einen Hinweis, der beschreibt, dass ein junger Mann im Fahrzeug gesehen wurde", bestätigte Polizeisprecher Peter Reichl. Es sei aber eine Spur von vielen, unterstrich er. "Den Wahrheitsgehalt können wir noch nicht festlegen." Die 20-köpfige Sonderkommission ermittle auch im Homosexuellenmilieu und in der Stricherszene. Der Modeschöpfer war zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden des Freitag in seinem Haus im Nobelvorort Grünwald erdrosselt worden. Er wurde am Morgen mit einem Kabel um den Hals im Flur im ersten Stock seines Hauses gefunden. Zuvor hatte er weder Alkohol noch Drogen konsumiert.

Rund 160 Hinweise bei der Polizei

Bislang gingen rund 160 Hinweise zu dem Mordfall bei der Münchner Polizei ein. "Und es werden ständig mehr", sagte Reichl. Das Telefon stehe nicht still. Den Hinweisen zufolge sei Moshammer in seinem Rolls Royce am Abend vor der Tat zwischen 21.30 Uhr und 23.30 Uhr mehreren Zeugen in der Bahnhofsgegend aufgefallen. Allerdings widersprächen sich die Hinweise teilweise und bedürften der Abklärung. "Demnach soll Herr Moshammer des öfteren zur Nachtzeit alleine mit seinem Fahrzeug durch die Stadt gefahren sein und vorwiegend junge Männer angesprochen haben", berichtet die Polizei. Ob dies auch in der Mordnacht der Fall gewesen sei, sei aber noch nicht bekannt.

Unklar sei auch, wann Moshammer nach Hause zurückgekehrte und ob er sich dabei in Begleitung befunden habe, erläuterte die Polizei. Als äußerst ungewöhnlich bezeichneten die Ermittler den Umstand, dass Moshammers Rolls Royce direkt vor der Haustür und nicht in der Garage abgestellt war.

Allem Anschein nach hat der für seine extravaganten Auftritte bekannte Designer aber seinen Mörder selbst in die Wohnung gelassen. Die Polizei stellte keine Einbruchspuren fest, auch für einen Raubmord gebe es keine Hinweise. Es lägen keine Erkenntnisse vor, ob aus der Wohnung etwas entwendet worden sei. Auch Spuren eines Kampfes gibt es nicht. "Wir gehen davon aus, dass der Täter jemand aus seinem Umfeld ist, jemand, den er kannte", sagte Reichl. Dabei sei offen, ob er den Mörder erst vor kurzem kennen gelernt habe oder bereits länger kannte.

Medien lüften Geheimnis

Nach dem Mord lüften viele Medien in Deutschland das lang gehütete Geheimnis des Modemachers um seine Homosexualität. Die "Abendzeitung" aus München schreibt von geheimer Sexualität, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt: "In München war es kein Geheimnis, dass Moshammer junge attraktive Männer aus dem Auto heraus ansprach". Ein Verhalten, das ihn möglicherweise mit seinem Mörder zusammengebracht hat.

Der Leibwächter des 64-Jährigen, Werner Wittek, sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: "Es wurde gemunkelt und es wurde spekuliert, aber es wusste keiner ganz genau." Moshammer habe sich sein Privatleben nicht nehmen lassen wollen. Wittek selbst habe den Modeschöpfer mehrfach gebeten, ihn auf dem Laufenden zu halten, auch wenn er keine Begleitung durch einen Leibwächter wünsche. Das habe er aber nicht getan. "Wenn er allein unterwegs war, dann war das in der Regel abends. Das war uns immer ein Dorn im Auge."

Die "Süddeutsche Zeitung" befürchtet, dass "sich die Medien auf den Umstand stürzen, dass Rudolph Moshammer als homosexuell galt, sich jedoch, ähnlich wie Walter Sedlmayr, dazu nie dezidiert öffentlich bekannte". Wegen seines exaltierten Lebensstils sei Moshammer eine öffentliche Person gewesen, doch wisse man kaum etwas über sein Privatleben. Er habe versucht, den Menschen hinter der "Moshammer-Fassade" zu verbergen. Die Zeitung beschreibt den 64-Jährigen und seinen Yorkshire-Terrier als "zwei einsame und irgendwie in sich versunkene Lebewesen mitten im Society-Trubel".

Auch Moshammers geliebter Yorkshire-Terrier Daisy wurde von der Polizei auf Spuren untersucht. Die Ermittler hoffen, am Fell des Tieres möglicherweise DNA-Spuren des Täters zu finden. Zudem "könnte es sein, dass sie bei einer Begegnung mit dem Täter verstört reagiert, anfängt zu bellen", zitierte "Bild" (Samstagausgabe) Polizei-Diensthundeführer Wolfgang Juntermanns. Die Hundedame wird wahrscheinlich bei Moshammers langjährigem Chauffeur bleiben, der Daisy schon lange kennt. Er habe bereits angeboten, sich weiter um den Vierbeiner zu kümmern.

"Der Hund wird ihn sehr vermissen"

Von der 63-jährigen Hundezüchterin Christel Nicklis aus Jockgrim (Rheinland-Pfalz) hatte Moshammer seine Hündin bezogen. "Der Hund wird ihn sehr vermissen", sagte Nicklis. Die beiden hätten sich gut verstanden, und Moshammer habe dem Hund viele Wünsche erfüllt. "Wir gehörten zu den wenigen, die seinen Umgang mit dem Hund verstanden haben", sagt Nicklis. "Er war für Außenstehende etwas exzentrisch, aber für 'Hundler' normal."

Moshammer zählte zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Münchner Schickeria und war regelmäßig Gast bei Prominenten-Partys und in Talkshows. Zu seinen Modekunden zählten Prominente aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness wie Arnold Schwarzenegger, Startenor José Carreras, die Magier Siegfried & Roy, Schauspieler Richard Chamberlain und Thomas Gottschalk.

Michael Pohl/AP / AP