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Nach Fehler bei Miss-Universe-Wahl in Kanada: Die wahre Gewinnerin war nicht zu erreichen

Die Falsche feiert in Ottawa, die Richtige trauert in Las Vegas: Denise Garrido und Riza Santos schildern im "People"-Magazin wie sie den Patzer bei der Wahl zur kanadischen Miss Universe erlebten.

Von Julia Kepenek

Ihre Freude währte nur 24 Stunden. 24 Stunden, in denen die Kanadierin Denise Garrido glaubte, sie sei die amtierende Miss-Universe-Kandidatin ihres Landes. Ein weiterer Erfolg, nachdem sie 2008 schon zur kanadischen Miss Earth und 2010 zur kanadischen Miss World gekürt worden war. Nach der Krönung am vergangenen Samstag wurde Garrido beglückwünscht, es flossen Tränen, es gab Umarmungen und eine riesige Party, organisiert von den Juroren des Wettbewerbs. Sie alle gratulierten Garrido - obwohl sie sie in Wahrheit gar nicht gewählt hatten. Die 26-Jährige wurde nur Viertplatzierte. Die eigentliche Miss-Universe-Kandidatin aus Kanada heißt Riza Santos. Ein peinlicher Patzer, der den Veranstaltern erst einen Tag später auffiel.

Garrido selbst erfuhr auch erst 24 Stunden nach ihrer Krönung von dem Fehler. Nachdem sie den ganzen Tag als neue Miss-Universe-Kandidatin Interviews gegeben hatte und fotografiert worden war, erhielt sie einen Anruf von einem Mitarbeiter des Komitees. "Sie mussten etwas mit mir besprechen", sagte die 26-Jährige jetzt dem "People"-Magazin. "Als wir zusammensaßen ahnte ich schon am Tonfall, dass etwas nicht stimmte. Mein Herz rutschte in die Hose und ich dachte nur: 'Oh, oh'."

"Das darf nicht wahr sein"

Die Veranstalter erklärten Garrido, dass ein Tippfehler schuld an dem Debakel sei. Die Juroren hatten ihre Punkte handschriftlich auf Zetteln notiert. Beim Übertragen in den Computer unterlief einem Mitarbeiter der entscheidene Fehler: Garrido wurden die meisten Punkte zugerechnet und sie so zur Siegerin gekrönt. Erst eine unabhängige Prüfung nach dem Wettbewerb brachte den Irrtum ans Licht. Nicht etwa Denise Garrido, sondern die 26-jährige Riza Santos aus Calgary war die eigentliche Siegerin. Für Garrido ein Schock: "Ich hatte meinen großen Traum erreicht - und nach einem Tag wurde er jäh zerstört", sagte die 26-Jährige. "Ich war immer noch in diesem Adrenalinrausch, völlig erschöpft und übermüdet. Ich hatte keine Ahnung, was da gerade passierte. Ich dachte nur: 'Das darf nicht wahr sein.' Und im gleichen Moment: 'Wie soll ich das zuhause erklären, wo mir doch alle schon gratuliert haben?'"

Deutlich schwerer als Garrido die Fehlentscheidung mitzuteilen war es jedoch, die eigentliche Gewinnerin Riza Santos zu informieren. Die 26-Jährige war direkt nach der Misswahl nach Las Vegas gereist. Enttäuscht und traurig über den Ausgang des Wettbewerbs, bei dem sie ihr Bestes gegeben hatte. Santos wollte nur ausspannen, den Abend vergessen. Also schaltete sie Handy und Computer aus und verbrachte das Wochenende fernab ihrer kanadischen Heimat. Niemand konnte sie erreichen. Denis Davila, der Direktor der Misswahl, hinterließ mehrere Nachrichten auf Santos' Mailbox und ihrer Facebookseite. Ohne Erfolg.

Eine gute und eine schlechte Nachricht

Erst ihre Mutter bekam die 26-Jährige zwei Tage nach der Wahl ans Telefon und sagte ihr, dass sie sich dringend bei Davila melden solle. "Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich mich eigentlich schon mit meiner Niederlage abgefunden", sagte Santos dem "People"-Magazin. Sie rief den Direktor trotzdem an. Davila teilte ihr mit, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht habe. Die schlechte: Santos müsse sich auf ein anstregendes Jahr gefasst machen, denn - und das war die gute Nachricht - sie sei die eigentliche kanadische Miss-Universe-Kandidatin.

Santos konnte ihr Glück zunächst nicht fassen. Ihre erste Reaktion: 'Mist, ich habe die Siegesfeier verpasst.' Denn statt die offizielle After-Show-Party zu besuchen, auf der alle noch Denise Garrido feierten, aß sie mit ihrer Familie und ihrem Freund in einem Chinarestaurant zu Abend und flog anschließend nach Las Vegas. "Jetzt bin ich aber sehr glücklich über alles, was passiert ist", so die 26-Jährige, die ihre Schönheitskrone nachträglich überreicht bekommen soll und Kanada beim Miss-Universe-Finale im Dezember vertreten wird. Leid tue es ihr nur für Garrido, die wohl die bekannteste Viertplatzierte in der Geschichte des Wettbewerbs ist. Dabei sieht die ihre Niederlage mittlerweile gelassen. "Ich habe den kurzen Moment und die Auftritte sehr genossen", sagte Garrido. "Du musst nicht Erstplatzierte werden, um eine Gewinnerin zu sein."