Schulmassaker in Kanada
18-jährige Verdächtige wegen psychischer Probleme polizeibekannt

Polizeibeamte sind in der Umgebung der Tumbler Ridge Secondary School in Kanada unterwegs
Polizeibeamte sind in der Umgebung der Tumbler Ridge Secondary School in Kanada unterwegs
© esse Boily/The Canadian Press via AP / DPA
Nach dem Amoklauf an einer Schule in Westkanada mit neun Toten hat die Polizei eine 18-jährige Frau als mutmaßliche Täterin ausgemacht. Das Motiv der Verdächtigen ist noch unklar.

Die Polizei in British Columbia hat die mutmaßliche Täterin des Schulangriffs von Tumbler Ridge identifiziert: eine 18-Jährige. Sie nannte auch erste Details zum Tatablauf. „Die Verdächtige wurde als 18 Jahre alte Frau identifiziert“, teilte ein Polizeibeamter der Provinz British Columbia mit.

Die junge Frau sei wegen psychischer Probleme bereits polizeibekannt gewesen, ihr Motiv sei aber noch unklar, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Sie lebte in der Gemeinde Tumbler Ridge.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von zehn auf neun. Ermittler erklärten, die 18-Jährige habe am Dienstag (Ortszeit) zuerst ihre 39-jährige Mutter und ihren elfjährigen Stiefbruder im gemeinsamen Haus getötet. Anschließend sei sie zur örtlichen Schule gefahren. Dort habe sie eine 39-jährige Lehrerin sowie fünf Schüler erschossen – drei Mädchen im Alter von zwölf Jahren sowie zwei Jungen im Alter von zwölf und 13 Jahren. Die Schützin habe sich anschließend selbst getötet. Die Polizei geht von einer Einzeltat aus.

Der Zustand von mindestens zwei der Verletzten sei „ernst“. Über die Motive wurde zunächst keine Auskunft gegeben. Die Beziehung zwischen der Täterin und den Opfern werde weiter untersucht, so die Polizei.

Der Beamte berichtete, dass Einsatzkräfte in den vergangenen Jahren mehrfach an der Wohnadresse der Verdächtigen im Einsatz gewesen sei. Dabei seien etwa auch Waffen sichergestellt worden. Er sprach auch von „psychischen Gesundheitsproblemen“ der mutmaßlichen Täterin, ohne nähere Details zu nennen.

Zur Identität der Verdächtigen sagte der Beamte: „Wir identifizieren die tatverdächtige Person so, wie sie sich selbst öffentlich und in den sozialen Medien identifiziert hat.“ Die mutmaßliche Täterin sei als Junge geboren worden, habe sich aber seit sechs Jahren als weiblich identifiziert.

Die Polizei habe derzeit keine Informationen darüber, ob die Verdächtige Mobbing oder Diskriminierung an der Schule erlebte. Sie habe vor vier Jahren die Schule abgebrochen.

Die Tat in der abgelegenen Ortschaft Tumbler Ridge in British Columbia zählt zu den schwersten Gewalttaten in der jüngeren Geschichte Kanadas.

Trauerbeflaggung in Kanada angeordnet

Premierminister Mark Carney ordnete Trauerbeflaggung an allen Regierungsgebäuden für sieben Tage an. „Wir werden das durchstehen. Wir werden daraus lernen“, sagte der sichtlich bewegte Regierungschef vor Journalisten. Carney hatte eine geplante Europareise abgesagt. König Charles, das Staatsoberhaupt Kanadas, zeigte sich in einer Botschaft „zutiefst schockiert und traurig“.

Der Vorfall erinnert an ähnliche Taten, wie sie eher aus den USA bekannt sind. Im April 2020 tötete ein als Polizist verkleideter Mann in Nova Scotia 22 Menschen. Bei einem Amoklauf an einer Hochschule in Montreal erschoss ein Täter im Dezember 1989 insgesamt 14 Studentinnen. Kanada hat strengere Waffengesetze als die USA, doch legaler Waffenbesitz ist mit Lizenz möglich. 

DPA · Reuters
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