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Neues Buch von Barack Obama: Wie viel Öffentlichkeit vertragen Malia und Sasha Obama?

Malia und Sasha Obama sollen behütet aufwachsen. Doch jetzt stellt der US-Präsident seine Töchter selbst zur Schau - auf dem Titel seines neuen Buches. Ein gefundenes Fressen für Obamas Kritiker.

Von Ulrike von Bülow, New York

Es ist noch nicht lange her, einen Monat erst, da machte die Familie Obama Urlaub auf der Insel Martha's Vineyard. Der Präsident ging mit seinen Töchtern einkaufen, Strandlektüre, er führte Malia und Sasha zu "Bunch of Grapes", einen Buchladen in Vineyard Haven, wo Mr. Obama zwei Werke für die Mädchen erwarb: "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee und "Der rote Pony" von John Steinbeck. Für sich nahm er "Freiheit" mit, den neuen Roman von Jonathan Franzen, den der Präsident als Vorabexemplar erhielt. Das Buch stand kurz vor seiner Erscheinung, doch noch wurde es gehütet wie ein Staatsschatz - und darum war die Aufregung in Amerika plötzlich groß: Obama hat es schon! Welch' berühmter erster Käufer!! Aber darf man das, seinetwegen ein Embargo brechen?!

Damals sprach das Land von einem Buch, das Barack Obama gelesen hat, anders als heute - heute kreist es um ein Werk, das der Präsident geschrieben hat: "Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters", ein Kinderbuch, das am 16. November erscheint. Es ist das zweite Buch aus einem Vertrag über drei Bücher, der Mr. Obama 1,9 Millionen Dollar garantiert und den er lange vor seiner Präsidentschaft unterschrieben hat. "Of Thee I Sing" enthält Erzählungen über berühmte Amerikaner: George Washington kommt darin vor, der erste Präsident, oder Jackie Robinson, ein legendärer Baseballspieler. Dazu gibt es Illustrationen von Loren Long, der schon Madonnas Kinderbuch "Mr. Peabodys Äpfel" bebildert hat. Das Cover des Buches zeigt Obamas Töchter Malia und Sasha auf einer Wiese, bei einem kleinen Spaziergang mit ihrem Hund Bo - und nun ist die Frage: Darf der Präsident "die Mädchen benutzen, um sein Buch zu vermarkten", wie etwa die "Washington Post" schrieb?

Eine Kindheit ohne Blitzlicht und Paparazzi

Denn Malia, zwölf, und Sasha, neun, dermaßen in den Vordergrund zu rücken - das geht nicht unbedingt mit der Politik überein, die Barack Obama und seine Gattin Michelle betreiben, wenn es um ihre Töchter geht: Die beiden sollen möglichst fern der Öffentlichkeit aufwachsen, ohne Blitzlichtgewitter und Paparazzi. Die Obamas wünschen sich eine "normale Kindheit" für Malia und Sasha, so sagen sie es gern, und tatsächlich werden die beiden auch höchst selten abgelichtet - es sei denn, sie sind mit ihren Eltern unterwegs. Wie neulich, als die kleine Sasha mit Mutter Michelle ein paar Ferientage in Spanien verbrachte, sehr zur Freude der versammelten Weltklatschpresse. Oder als Malia kürzlich den präsidialen Hubschrauber verließ, an Papas Seite, und alle schrieben, dass das Mädchen schon fast so groß sei wie ihr Daddy, der 1,85 Meter misst. "Zum Glück trägt sie jetzt eine Zahnspange", kommentierte das der Vater - Malia habe "gerade angefangen, erwachsen auszusehen", doch damit erinnere sie wieder an sein "kleines Mädchen".

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Obamas sich bewegen: Natürlich lässt es sich nicht vermeiden, dass die Töchter gemeinsam mit der Mutter und dem Vater auftreten - als "First Family". So etwas wie 2007 aber, als die Obamas mit ihren Mädchen bei "Access Hollywood" saßen, einem TV-Magazin, das sich über die Schönen und Berühmten auslässt, wird es nicht mehr geben: Das sei ein Fehler gewesen, sagte Barack Obama später, er werde Malia und Sasha nie wieder einer solchen Interview-Situation aussetzen. Er hat sich daran gehalten. Streut stattdessen hier und da ein Anekdötchen aus dem Leben der Töchter ein. Was aber nicht immer gut ankommt.

Im Mai, als der Präsident sich mit dem ausströmenden Öl im Golf von Mexiko auseinander setzen musste und in der Kritik stand, wollte er bei einer Pressekonferenz gut Wetter machen: "Als ich heute früh im Bad stand und mich rasierte", erzählte Mr. Obama, "klopfte Malia an die Tür und fragte: Hast du das Loch jetzt dicht gemacht, Daddy?" Thomas Friedman, Kolumnist der "New York Times", unkte daraufhin: "Malia for President". Und der konservative TV-Kommentator Glenn Beck machte sich über deren Intelligenz lustig. Wofür er sich später entschuldigte: Über Kinder spotte man nicht. Je mehr er seine Töchter ins Rampenlicht rücke, desto schwieriger werde es für Barack Obama, dagegen zu argumentieren, dass beide in den Medien erscheinen, so der Historiker Doug Ward, der ein Buch über die Kinder von Präsidenten geschrieben hat: "Du kannst nicht sagen: Haltet meine Kinder heraus - und dann in Häppchen Geschichten über sie verbreiten, wie es dir passt."

Auch Michelle Obama spricht gern von Malia und Sasha

Auch die First Lady spricht ja gern von Malia und Sasha, als Mutter natürlich, aber auch als oberste Kämpferin gegen die Fettleibigkeit amerikanischer Kinder, die bedrohliche Ausmaße annimmt. Dagegen anzugehen sei ihre "Mission" als First Lady, sagte Michelle Obama - und rief im März die Kampagne "Let's Move" ins Leben. Seither erzählt sie gern, dass es eine Zeit gab, da habe ihr Kinderarzt sie darauf aufmerksam gemacht: Passen Sie auf, Ihre Jüngste nimmt gerade ungesunde Formen an. Und da habe sie gemerkt, dass sie ihre Familie nicht unbedingt vorbildlich ernährte: "Auch ich war eine berufstätige Mutter, gefangen zwischen Terminen und Telefonaten, Ballett und Fußball", so Mrs. Obama. "Ich war nicht in der Lage, meinen Töchtern gute Mahlzeiten zu kochen. Wir tendierten immer mehr zum Fast Food, bestellten Pizza, aßen im Vorübergehen Sandwiches." Damals, als ihr Mann noch Senator war und im fernen Washington D.C. weilte, während sie in Chicago wusch und bügelte und zum Medical Center eilte, wo sie in der Verwaltung arbeitete.

Natürlich wirkt Michelle Obama authentisch, wenn sie von Sorgen und Nöten spricht, die viele Frauen kennen, die es in vielen Familien gibt. So etwas kommt an beim Volk. Seht her, wir sind auch nur ganz normale Menschen. Und wir schützen unsere Kinder! Vor einem Jahr, als eine Spielzeugfirma Püppchen von Malia und Sasha verkaufte, gingen die Obamas dagegen vor: Das sei "völlig unangemessen, die jungen Menschen zu Vermarktungszwecken zu benutzen", ließ die First Lady damals ausrichten. Nun aber erscheinen ihre Mädchen auf einem Kinderbuch, und natürlich gibt das unangenehme Fragen. Der Präsident ließ vergangene Woche seinen Pressesprecher vortreten, der sprach, dass das oberste Gebot sei, das Leben der Mädchen privat zu halten, "sie werden keine Buch-PR machen", so Robert Gibbs. Die kommt ja auch von ganz allein.