NIEDERLÄNDISCHES KÖNIGSHAUS Majestät mischt mit


Genetisch gesehen ein ziemlich deutsches Wesen, funkt Königin Beatrix ihrer gewählten Regierung gern mal dazwischen.

Wenn es ganz feierlich wird an den Pol dern und Grachten, wenn Niederländer und Niederländerinnen die Hände aufs Herz legen und ihre Stimmen zur Hymne erheben, ist Deutschland nicht weit. »Wilhelmus von Nassouwe, Ben ick, van Duytschem bloed«.

Das mit dem »deutschen Blut«

ist zwar übertragen gemeint, aber wörtlich zu nehmen. Das niederländische Königshaus, die »Oranjer«, und der deutsche Hochadel sind derart miteinander verschwistert, verschwägert und versippt, dass selbst hartnäckigste Leserinnen der Regenbogenpresse kaum durchblicken. Noch vor Tulpen und Käse haben die Holländer Prinzessinnen en gros et en detail nach Deutschland exportiert, allein vier im 17. Jahrhundert.

Im Gegenzug versicherten sich niederländische Hoheiten gern der Gene deutscher Adliger. Zuletzt fiel die Damenwahl auf Prinzgemahl Bernhard, ehemaliger SS-Sturmführer h.c. aus dem Hause Lippe-Biesterfeld, und den Diplomaten Claus von Amsberg. Den hat sich die regierende Königin Beatrix genommen. Heute nennen ihn seine Untertanen den »traurigen Prinzen« und mögen ihn sehr, obwohl er an Parkinson erkrankt ist und bei öffentlichen Zeremonien schon mal versehentlich die eigene Krawatte durchtrennt statt eines blau-weiß-roten Bandes, wie die »Weltwoche« ermittelte.

Ende des 16. Jahrhunderts übernahm die Familie Oranien-Nassau

, mehr Furchenadel als Durchlaucht, ein Himmelfahrtskommando. Unter ihrer Führung wurden die spanischen Besatzer aus den Niederlanden vertrieben. Danach hatte man bei Hofe viel Zeit, sich ab und zu von Rembrandt und Kollegen porträtieren zu lassen, zu mehren und zu erben, was dazu führte, dass das amerikanische Magazin »Forbes« das Familienvermögen auf rund drei Milliarden Euro schätzt.

Die Melange aus deutscher und niederländischer DNA, ergänzt um französische, englische und italienische Gene, ergab einen Menschenschlag, der, so weiblich, auf Beinen wie dorische Säulen steht. Mental gesehen sind die Oranjes sehr in sich ruhend, also von sich überzeugt. Nichts konnte Königin Juliana, die Mutter von Beatrix, davon abhalten, der Wunderheilerin Greet Hofmans zu vertrauen, die sich ausersehen wähnte, das fast blinde Königskind Marijeke gesundzubeten.

Als Majestät dann dazu überging

, Politik zu machen, die ihr via Greet von Gott übermittelt worden war, sah sich der sozialistische Regierungschef Willem Drees dazu veranlasst, in der psychiatrischen Klinik Wassenaar vorsichtshalber schon mal nach einer ausbruchssicheren königlichen Suite zu fragen. Das Problem erledigte sich mit der offiziellen Trennung von Juliana und Greet.

Auch Königin Beatrix kennt keinen Bahnhof

, wenn es darum geht, ihre Interessen zu wahren. Zwar ist sie bei jeder Katastrophe in vorderster Front, streichelt Kinderköpfe, drückt Unfallopfern die Hand, trocknet Tränen, aber im Gegensatz zur englischen Queen, die brav verliest, was ihr von der Regierung vorgeschrieben wird, mischt Beatrix kräftig mit. Sie bestimmt Bürgermeister, lässt angeblich Botschafter, die sich von ihrer Frau getrennt haben, zur Strafe in die Wüste versetzen, nimmt Einfluss auf die Ermittlungen gegen ihren Vater Bernhard, der unter Korruptionsverdacht stand, und fährt bei Haider Ski.

Beatrix sei eine »schleichende Krise«,

schrieb das Magazin »Elsevier« und rief kühn dazu auf, »auf die Barrikaden zu steigen«. Das hat der Landadvokat Johan van Oldenbarnevelt auch schon vergebens versucht. Er wurde anno 1619 geköpft, seine Eingeweide zur freien Verfügung an Oranje-Fans verteilt.

Rupp Doinet


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