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Oktoberfest: Drunter und drüber auf der Wiesn

Gerade mal zwei Schläge hat Münchens Oberbürgermeister Ude für den Fassanstich gebraucht - und schon verkündete er: "Ozapft is". Das Oktoberfest ist damit offiziell eröffnet, das Bier fließt in Strömen. Doch was trägt man auf der Wiesn? Es gibt einige grundlegende Benimm- und Dress-Codes zu beachten.

Von Claudia Pientka

"Ozapft is" - Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat das Oktoberfest eröffnet, mit nur zwei Schlägen hat er das Fass angestochen. Schon vor Beginn der Eröffnung waren mehrere Zelte wegen Überfüllung geschlossen, ingesamt mehr als sechs Millionen Besucher haben sich für 16 Tage Oktoberfest gerüstet. 14 Bierzelte warten auf der Theresienwiese auf durstige Buschen und nicht minder trinkfeste Madln. Bis zu 8,30 Euro müssen die Feierwütigen für die Maß Bier berappen, deutlich mehr als im Vorjahr. Dabei gebührt der erste Krug wie immer dem Ministerpräsidenten - in diesem Jahr zum ersten Mal Günther Beckstein. Klar gibt es zwischen Wirtsbuden- und Schaustellerstraße auch so manches Fahrgeschäft, dieses Jahr den nagelneuen "Höllenblitz", dessen Wägelchen mit bis zu 80 Stundenkilometern durch fantastische Laserwelten rasen. Doch die Klimasorgen haben auch das Oktoberfest erreicht, wie könnte man sich sonst einen solarbetriebenen Autoskooter erklären?

Viel wichtiger als die Frage nach dem umweltschonendsten Karussell ist aber die nach dem aufsehenerregendsten Outfit. Haben Männer lediglich die Wahl zwischen kurz- oder knielanger Krachlederner - Karohemd, Janker und Haferlschuhe sind obligatorisch - müssen die Damen Entscheidungen von größerer Tragweite treffen: geschnürt oder mit Charivari geschmückt, Baumwolle oder Seide, mit oder ohne Bluse. Das standesgemäße Dirndl gibt es in mindestens genauso vielen Varianten, wie sich Nationalitäten auf der Wiesn tummeln. Dabei trägt die Münchner Dame gern einfache Wäschedirndl aus Baumwolle oder Leinen, mit überbordender Puffärmelbluse und Schultertuch. Ganz anders die Spielerfrau: Während sich der Kickergatte im Hacker- oder Löwenbräu-Zelt vergnügt, verwandelt die Fußballergattin jeden Heuboden zum Catwalk. Der Seidenstoff ihres Dirndls glänzt mit der Swarovskikristall-besetzen Schürze um die Wette, das blondierte Haar windet sich im Flechtzopf ums Haupt.

Rechts vergeben, links vergnügt

Die Schnürtechnik der Schürze soll übrigens Auskunft geben über den ehelichen Status der Trägerin: Schleife auf der rechten Seite heißt verheiratet, verlobt oder zumindest vergeben. Linksträgerinnen hingegen sind noch zu haben. Wer sich nicht festlegen möchte, kann auch in ein völlig anderes Outfit schlüpfen: Ganz fesche Madeln - gern Möchtegern-Stars aus Casting-Show-Bands - schlüpfen in Lederhosen in der Länge einer Hotpants. Da kann man sich die Schürze sparen, würde eh nur unnötig Bein bedecken.

Doch fast genauso wichtig wie die Tracht ist das, was Frau drunter trägt. Immerhin gibt es kaum ein Kleidungsstück, das die weiblichen Vorzüge so gut zur Geltung bringt wie ein Dirndl. Damit alles an der richtigen Stelle sitzt, empfiehlt sich nicht nur ein gut geschnürtes Mieder, sondern auch ein spezieller Dirndl-BH: mit Push-up-Effekt und weit außen sitzenden Trägern. Wem der zufällige Blick unters schwingende Röckchen nicht reicht, kann sich Alois Gmeiners Buch "Sexy Wiesn' Girls - Das erste erotische Oktoberfestbüchlein" ansehen. Dort wird nicht nur der Trend zum Häkel-String propagiert, sondern auch die Wiesn'-Madeln kategorisiert: von der unterkühlten Hamburgerin bis zur schrillen Amerikanerin.

Während sich die Ladys also schon aufbrezeln für den großen Auftritt auf dem Oktoberfest, macht sich die Polizei derweil Gedanken um die Sicherheit derselben. Beißen, kratzen und schlagen sollen Frauen bei sexuellen Übergriffen, empfahl die Münchner Kriminalhauptkommissarin Stephanie Badewitz, und auch ein beherzter Tritt gegen's Schienbein sei geeignet, Angreifer zu vertreiben. Dabei sei die Wiesn jedoch ein relativ sicherer Vergnügungspark, gerade mal ein Dutzend Anzeigen wegen sexueller Nötigung oder Vergewaltigung nahm die Polizei im vergangenen Jahr entgegen - bei 6,2 Millionen Besuchern.

Wen es nach Zeltschluss - das letzte Bier wird gegen 22:30 Uhr gezapft - noch auf die Piste zieht, wird sich vermutlich vor einer der zahlreichen Schickeria-Diskos wiederfinden. Doch das Gute daran ist, dass zur Wiesn-Zeit auch Promi-Schuppen wie das "P1", das "8 Seasons" oder das "Baby" ihren rigiden Dresscode lockern und auch in Dirndl und Lederhose Einlass gewähren.