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Vorbereitungen für Oktoberfest: Warten auf die Wiesn

Die Menschen in Deutschland warten noch auf einen richtigen Sommer, da fiebern die Münchner schon dem Herbst entgegen: Die Vorbereitungen für das Oktoberfest laufen auf vollen Touren.

Die Damen nehmen sich beim Schweinebraten zusammen, und sicher zieht Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) längst seine Bahnen im Schwimmbad. Zum Oktoberfest muss die Figur stimmen, damit Mieder und Lederhose passen. Der Sommer ist noch nicht so recht da, das Wetter erinnert eher an April - München aber bereitet sich schon auf die Wiesn im Herbst vor. Die Geschäfte haben ihre Kollektion auf Tracht umgestellt, überall gibt es Dirndl und Lederhosen.

Seit Beginn dieser Woche ist die Theresienwiese abgesperrt. Wo sich in drei Monaten Wagemutige in schnellen Fahrgeschäften in schwindelerregende Höhen katapultieren lassen und hunderttausende Durstige in die Bierzelte drängen, ist erst einmal eine Großbaustelle. Lastwagen bringen Container mit den Teilen der eingemotteten Bierzelte, deren Fundamente jedes Jahr neu betoniert und nach dem Fest wieder abgerissen werden.

Am 17. September wird Ude das Volksfest mit dem Anzapfritual eröffnen - und wahrscheinlich kann er wie jedes Jahr nebenbei froh verkünden, dass er in seine Lederhose noch hineinpasst. Das traditionelle Gewand ist ein Muss, Brauchtum boomt. Die eigentlich nur als Jubiläums-Gag zum 200-jährigen Bestehen konzipierte "Historische Wiesn" mit nostalgischen Fahrgeschäften, Trachtengruppen und Volkstänzen wurde im vorigen Jahr der Renner. Die Münchner feierten die Rückkehr der Tradition und verlangten vehement eine Fortsetzung; die Stadtväter stimmten zu.

"Ich beobachte seit einiger Zeit, dass sich die jungen Leute wieder mehr um Brauchtum kümmern", sagt Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD). Noch herrscht in vielen Zelten abends Partystimmung Marke Ballermann. Aber: "Wenn die Oide Wiesn wieder so viel Erfolg hat, bin ich sogar überzeugt, dass sich manches der Bierzelte noch umstellen und zu einer Musik zurückkehren wird, die im Sinne von Tradition ist."

Die Wiesn ist nicht nur Brauchtum, sondern auch ein großes Geschäft. Längst werden Tisch-Reservierungen zu teils astronomischen Summen im Internet gehandelt, Ticketagenturen bieten einen Platz in einem der Promi-Zelte am ersten Wiesn-Abend für 600 bis 700 Euro an. In den gemeinen Bierburgen geht es billiger für rund 400 Euro inklusive zwei Maß Bier. Die Wirte kritisieren die Zweitverkäufe seit langem und werben für eine direkte Reservierung bei ihnen per Verzehrgutschein für knapp 30 und 80 Euro. Das reicht für einige Maß Bier, die in diesem Jahr zwischen 8,70 Euro und 9,20 Euro kosten.

Die Hotels sind zur Wiesn-Zeit praktisch ausgebucht, deutliche Preisaufschläge keine Seltenheit. Auch mancher Münchner hat die Chance erkannt und bietet privat Zimmer oder Wohnung an. "Es ist ein Trend, dass immer mehr Leute sich damit ein bisschen Geld dazuverdienen. Gleichzeitig kann man interessante Menschen aus aller Welt kennenlernen" sagt Nikola Günther, die Sprecherin der Online-Plattform für Privatunterkünfte Wimdu.de.

Findige Geschäftsleute bringen jedes Jahr neue Accessoires auf den Markt. Filzhüte in wenig kleidsamen Formen, schnarchende Stoffbären, bunt leuchtende Plastik-Gamsbärte - ist genug Bier durch die durstige Kehle geflossen, wird fast jedes Souvenir genommen. Wurden in den Vorjahren Bändchen zum Kennzeichnen des eigenen Maßkrugs propagiert, sind es nun Maßkrugdeckel mit eigenem Namen oder Logo.

Das Volksfest endet am 3. Oktober - vielleicht aber können Wiesn-Fans in Zukunft das ganze Jahr über bayerische Gemütlichkeit erleben. Im Münchner Norden bei Freising gibt es Pläne für einen Vergnügungspark. Dieser "Bavaria-Park" soll laut Medien - wie eine Art Dauerwiesn - unter anderem bayerische Spezialitäten und Fahrgeschäfte bieten. "Sollte da wirklich ein Freizeitpark entstehen, dann hat das mit der Wiesn überhaupt nicht zu tun", stellt Wiesn-Stadtrat Schmid klar. "Das Besondere an der Wiesn ist doch, dass sie für zwei Wochen aufgebaut wird." Gäbe es sie immer, würde es langweilig.

Sabine Dobel, DPA / DPA

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