Olympia-Teilnehmer Party-Verbot? Von wegen!


US-Skirennläufer Bode Miller fährt zwar ohne Medaille nach Hause, doch gefeiert hat er trotzdem: In einer Turiner Disco vergnügte er sich mit Playboy-Model Tina Jordan. Auch andere Athleten lassen es in Turin ordentlich krachen.

Siege machen müde. Die Helden der Winterspiele sind meist zu geschafft von Wettkampf und Interview-Marathon und erschlagen von den Emotionen, um bis in den Morgengrauen auf den Tischen zu tanzen. "Das war ganz schön stressig", sagte Rodlerin Sylke Otto nach ihrem Olympiasieg und sprach für viele Sportler. Zu den wenigen Partylöwen auf den Pisten um Sestriere gehört US-Skirennläufer Bode Miller, der nach der Abfahrts-Pleite und Kombinations-Disqualifikation in einer Nobel-Disco abtanzte und dabei mit dem wasserstoffblonden Playboy-Model Tina Jordan geblitzt wurde.

Pech für Langläufer Tobias Angerer: Sein Bronze durfte er am Freitagabend nicht groß begießen. Bundestrainer Jochen Behle verhängte spontan ein Party-Verbot, weil am Sonntag die Staffel auf dem Programm steht. Eisschnellläuferin Anni Friesinger hat sich das selbst auferlegt. Die Gratulationscour nach einer Medaille ist vor allem im deutschen Team gut durchorganisiert: Viele, viele Interviews nach dem Triumph, Siegerehrung noch am Wettkampfort oder auf der Piazza Castello in Turin, Fahrt ins Deutsche Haus, wo Funktionäre, Fans und Betreuer warten, TV-Auftritt bei Harald Schmidt oder Johannes B. Kerner.

Partymeile Sestriere

Die Korken knallen auch im Kufenstüberl in Sestriere sowie im Casa Thüringen, Champions Club der Berliner, wo Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ihr fünftes olympisches Gold feierte, und im Sächsischen Haus in Turin. Und überall werden die Stars in Beschlag genommen. Sylke Otto blieb bei zwei Glas Rotwein die halbe Nacht. "Ich hab' mich erst um 01.30 Uhr mal zu meinem Freund setzen können", sagte die Rodlerin. Eine halbe Stunde später zog sich die 36-Jährige bereits zurück. Pech haben jene Sportler, die sich noch für weitere Wettkämpfe fit halten müssen - zum Beispiel die Biathlon- Olympiasieger: Michael Greis trank nur ein Gläschen Sekt, Sven Fischer überhaupt keinen Alkohol.

So zurückhaltend sind aber nicht alle. Die Austria-Kombinierer um Felix Gottwald stimmten im Österreich-Haus Karaoke-Gesänge an, dass die Wände wackelten. Auch Ski-As Michaela Dorfmeister genoss eine Champagnerdusche. "Sicher habe ich gefeiert, das habe ich mir auch verdient", sagte die Abfahrts-Siegerin. "Aber erstens hab' ich danach nicht Ski fahren müssen. Und zweitens gibt es auch Kopfwehpulver, die nicht auf der Dopingliste stehen. Homöopathische zum Beispiel." Ihr Teamkollege Rainer Schönfelder braucht das nicht: Der Abfahrts-Dritte leidet unter einer Histamin-Allergie und darf keinen Rotwein trinken.

Erst um 7 Uhr zurück im Olympischen Dorf

Stéphane Lambiel, Silbermedaillen-Gewinner im Eiskunstlaufen, wurde im "House of Switzerland" von 150 Mitgliedern seines Fanclubs sowie ohrenbetäubendem Kuhglocken-Gebimmel empfangen. Bis nachts um zwei gab er Interview, posierte für Erinnerungsfotos und schnitt eine Torte an. Mit drei Freunden machte er sich um Viertel vor Vier auf die Suche nach einer Disco. Der Rest der Nacht ist nicht überliefert - aber um sieben lief Lambiel im Olympischen Dorf ein.

Entgegen der landläufigen Meinung, die Sportler müssten sich nun ausleben nach den jahrelangen Entbehrungen, hat nicht jeder etwas nachzuholen. Skisprung-Olympiasieger Lars Bystöl aus Norwegen war vor zwei Jahren betrunken ins Hafenbecken von Oslo gefallen und deshalb aus dem norwegischen Team verbannt worden. Der amerikanische Eisflitzer "Crazy" Chad Hedrick, der sich gelegentlich an der Theke auf seinen Wettkampf vorbereitet und "mindestens ein Bierchen" am Tag braucht, kündigte nach seinem Coup über 5000 Meter an: "Ich werde viel Spaß haben. Schließlich bin ich nicht der Typ, der um 22 Uhr ins Bett geht."

Ulrike John, DPA DPA

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