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Peter Fonda: "Auch coole Cowboys werden älter"

In seinem aktuellen Film "Todeszug nach Yuma", eine Neuauflage des Westernklassikers "Zähl bis drei und bete" aus dem Jahr 1957, spielt Peter Fonda einen skrupellosen Kopfgeldjäger. Im Interview mit stern.de plaudert er über seine Rolle als Ikone, sein Verhältnis zum überstrengen Vater und einen Neoprenanzug in der Wüste von New Mexico.

Herr Fonda, warum tragen Sie eigentlich immer eine Sonnenbrille. Gehört das zum coolen Image dazu?

Ja, am Anfang war das sicherlich so. Heute hat es einen eher praktischen Grund. Ich habe sehr sensible Augen und kann grelles Licht nicht gut vertragen. Außerdem sehe ich ohne Brille kaum noch etwas. Sie sehen, auch "coole Cowboys" werden älter.

In "Todeszug nach Yuma" spielen Sie einen solchen Cowboy. Und einen Fiesling noch dazu. Hat das Spaß gemacht?

Na klar hat das Spaß gemacht. Es war nur leider so kalt in New Mexico, dass ich unter meinem Western-Outfit einen Neoprenanzug tragen musste. Und ich konnte meine Lippen kaum bewegen.

Sie gelten als Ikone der 60er Jahre. Vor 40 Jahren wurden Sie mit "Easy Rider" weltberühmt. Ärgert es Sie eigentlich, wenn Leute noch immer auf Sie zukommen und Sie auf den legendären Motorrad-Film ansprechen?

Ach, wissen Sie, vor zehn, zwölf Jahren, da war ich ein bisschen gelangweilt, weil ich immer nur mit dem Film "Easy Rider" in Verbindung gebracht wurde. Ich habe immerhin 70 weitere Filme gedreht nach dem Streifen. Aber ich habe gelernt, damit zu leben. Heute ist es total cool, wenn mich Leute auf Rider ansprechen. Wenn ich ehrlich bin, dann macht es mich sogar verdammt stolz. Vielleicht werde ich einfach langsam senil und sentimental.

Sie wurden als Motorradfahrer berühmt. Setzen Sie sich noch heute auf einen Bock?

Aber klar. Mindestens einmal am Tag. Ich habe dieses italienische Motorrad, das viel zu schnell ist für mich. Aber ich liebe das Geräusch von Motorrädern.

Was begeistert Sie so am Motorradfahren?

Es ist wohl dieses Gefühl, dass es keine Zäune gibt auf der Straße. Dieser Sinn von Freiheit. Aber mir gefällt auch der Aspekt, dass du dich wirklich konzentrieren musst, wenn du fährst. Du kannst nicht einfach loslassen. Aber ich fahre noch immer so schnell wie der Wind, mein Freund.

Sie sind der Sohn von Henry Fonda, einem der größten Schauspieler, der jemals gelebt hat. Aber als Vater war er nicht so toll, oder?

Ja, das stimmt. Er war kein guter Vater. Er war ein großer Schweiger, hat niemals wirklich mit uns gesprochen. Wir hatten viele Abende, wo es sehr still war beim Abendbrot. Mein Vater war der Typ Mensch, der an strenge Liebe glaubte.

In Ihrem Buch "Don't tell Dad" schreiben Sie über Ihren Vater.

Ja, mein Dad war kein schlechter Mensch. Aber er war sehr religiös. Und wenn wir Kinder mal wieder was angestellt hatten, dann sagte er immer nur, dass das ein Problem zwischen uns und Gott sei. Sie können sich vorstellen, dass ich heute nicht allzu viel von organisierter Religion halte.

Wie hat Sie diese Erziehung geprägt im Umgang mit Ihren eigenen Kindern?

Ich habe immer versucht, mich nicht allzu sehr mit meinem Dad zu vergleichen. Ich war wohl der beste Vater, der ich sein konnte. Manchmal war ich erfolgreicher als Dad, manchmal nicht. Ich habe mir nur von Anfang an eines geschworen: Niemals wollte ich eine Abschlussfeier meiner Kinder verpassen. Mein Vater nämlich ist nie bei meinen Abschlussfeiern gewesen.

Haben Sie das Versprechen halten können?

Jawohl. Einmal war es allerdings knapp. Ich war in Deutschland. Von dort musste ich einen Flug nach Paris chartern, um die Concorde nach New York zu nehmen. 40 Minuten vor der Abschlussfeier meiner Tochter Bridget war ich in der Schule. Das war wirklich eng. Das war übrigens der Tag, an dem sie mir sagte, dass sie Schauspielerin werden wollte.

Und wie haben Sie reagiert?

Ich habe gesagt, wenn du es machen willst, dann mache es richtig. Gehe zu einer guten Uni. Eine, in der sie dir die Kunstform der Schauspielerei wirklich beibringen können. Bloß keine Schule in Kalifornien. Dort lehren sie nur "Grundkurs Braunwerden" und "Hauptkurs Pediküre". Sie ist meinem Ratschlag gefolgt.

Haben Sie Ihr zerrüttetes Verhältnis zu Ihrem Vater eigentlich vor seinem Tod noch retten können?

Er lag im Bett und hat mich und meine Schwester Jane angeschaut. Dann nahm er meine Hand und sagte "Ich liebe dich sehr, mein Sohn." Dann ist er gestorben. Ich habe keine Zweifel mehr in meinem Herzen. Es ist alles gut.

In "Todeszug nach Yuma" spielen Sie einen Kopfgeldjäger in einer gesetzlosen Zeit. Sind Sie glücklich, dass diese Zeiten heute vorbei sind?

Das ist eine Trickfrage. Glauben Sie wirklich, dass wir keine Gesetzlosigkeit mehr haben? Wir bringen noch heute Leute um, nur weil uns der Ausdruck auf den Gesichtern nicht gefällt. Ich glaube, dass Western-Themen, wie auch das Easy-Rider-Thema, noch heute sehr relevant sind. Die haben uns damals von den Motorrädern runtergeschossen, weil wir nicht ins Schema gepasst haben. Unsere Gesellschaft funktioniert auch heute zum Teil noch so.

Interview: Frank Siering, Los Angeles

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