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Hollywood-Ikone Jane Fonda: "Ich habe gelernt, einfach mal die Schnauze zu halten"

In der Netflix-Serie "Grace and Frankie" spielt Jane Fonda erstmals die Hauptrolle in einer TV-Serie. Von Rente will die 77-Jährige nichts wissen, sie raucht lieber Joints und benutzt Schimpfwörter.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Jane Fonda bei der Präsentation ihrer neuen Serie "Grace and Frankie" in Los Angeles

Jane Fonda bei der Präsentation ihrer neuen Serie "Grace and Frankie" in Los Angeles

Zwei Oscars hat Jane Fonda zu Hause im Regal stehen. Vor allem während der 1970er-Jahre war die Tochter des legendären Henry Fonda ein vielgefragter Hollywood-Star. Dann widmete sie sich mehr und mehr dem politischen Engagement, machte in den 1980ern als Fitness-Queen "Aerobic" weltweit bekannt und verabschiedete sich Anfang der 1990er als Ehefrau des Milliardärs Ted Turner für 15 Jahre komplett aus dem Showgeschäft.

Seit nunmehr zehn Jahren erlebt die heute 77-Jährige ihren zweiten beruflichen Frühling: Sie kehrte 2009 nach 45 Jahren mit dem Stück "33 Variations" an den Broadway zurück, spielte Nancy Reagan im Kinofilm "The Butler" und übernimmt nun eine der Hauptrollen in der neuen Netflix-Serie "Grace and Frankie", die ab dem 8. Mai zu sehen ist. Fonda hat wieder große Lust auf die Arbeit, wie sie dem stern im Interview erklärt: "Rente ist nur was für faule Menschen, da gehöre ich nicht dazu. Ich brauche Action."

Als elegante Anwaltsgattin Grace gerät sie nach einer Liebesbeichte ihres Mannes über Nacht in eine völlig neue Lebenssituation. Ehemann Robert, gespielt von Martin Sheen, offenbart ihr nach 40 Jahren Ehe, dass er sie verlassen wird - für seinen Kanzleipartner Sol (Sam Waterston). Das späte Coming-out des Gatten zwingt Grace zu einer ungewollten Freundschaft mit der exzentrischen und freigeistigen Frankie (Lily Tomlin), der verlassenen Ehefrau von Sol. "Die Art und Weise, wie diese beiden Frauen in der Serie mit dem Betrug der Ehepartner umgehen, ist nur bei einem Format wie Netflix möglich. Im öffentlichen Fernsehen könnten wir niemals so offen Joints rauchen und mit schlimmsten Schimpfwörtern um uns schmeißen. Das finde ich sehr reizvoll", sagt Fonda mit einem fast hysterischen Lachen.

Erste Hauptrolle in einer TV-Serie

Die eingefleischte Film-Schauspielerin Jane Fonda wagt im gesetzten Alter noch mal den Neustart in einem ihr bislang wenig bekannten Medium: dem Fernsehen. Nachdem sie bis 2014 in der HBO-Serie "Newsroom" in einer Nebenrolle als Chefin eines fiktiven TV-Senders quasi den weiblichen Konterpart ihres Ex-Mannes Ted Turner verkörperte, geht sie nun in die Vollen und übernimmt in "Grace and Frankie" erstmals in ihrer Karriere die Hauptrolle in einer TV-Serie.

Jane Fonda und Lily Tomlin (r.) in der Serie "Grace and Frankie"

Jane Fonda und Lily Tomlin (r.) in der Serie "Grace and Frankie"

Die Schauspielerin und Aktivistin ist seit Langem bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Als "Hanoi Jane" kam sie 1970 in die Schlagzeilen, weil sie sich mit Viet-Cong-Soldaten fotografieren ließ - ihre Art des Protestes gegen den Vietnam-Krieg. Sie unterstützte die "Black Panther", kämpft für Frauenrechte und die Indianer und kritisierte auch schon mal offen die israelische Regierung als "Propagandamaschinerie". Fonda scheut keinen Konflikt: "Meine große Klappe hat mich oft in Schwierigkeiten gebracht. Aber ich gehöre nun mal nicht zu der Sorte Menschen, die still zugucken können, wenn irgendwo Unrecht geschieht."

Und so beschreibt Fonda die Tatsache, dass zwei über 75-jährige Frauen die Hauptrollen in einer Komödie wie "Grace and Frankie" übernehmen dann auch auf ihre ganz eigene Weise: "Hollywood hat immer noch nicht die Eier, Frauen in attraktiven Rollen zu besetzen, dabei stellen die Frauen einen Großteil der demografischen Zielgruppe. Bei Netflix hatte man den Mut. Lily Tomlin und ich werden der Welt zeigen, wie viel Spaß Frauen jenseits der 75 noch haben können."

Mit 77 Jahren hat Jane Fonda noch immer eine Figur wie zu besten Aerobic-Zeiten

Mit 77 Jahren hat Jane Fonda noch immer eine Figur wie zu besten Aerobic-Zeiten

Spitzname "Lady Big Mouth"

Jane Fonda kreierte sogar ihre eigene Bezeichnung für reifere Frauen, die sich nicht unterbuttern lassen: FU50. "Das heißt soviel wie: Fuck You, wir über 50 scheren uns um nichts mehr und machen was wir wollen." Kämpferisch ist Fonda wie eh und je - ihr Spitzname "Lady Big Mouth" hat noch immer eine gewisse Berechtigung. "Ich bin in dieser Hinsicht schon sehr viel ruhiger geworden und habe gelernt, ab und zu einfach mal die Schnauze zu halten. Aber was raus muss, muss raus", erklärt Fonda. Ruhiger und vor allem gelassener sei Fonda auch sonst im Leben geworden im Hinblick auf das Alter, wie sie beteuert. "Man hat einiges überlebt und weiß, dass man auch in Zukunft vieles überleben wird. Diese Erfahrung ist das größte Plus des Alters und macht das Leben definitiv etwas stressfreier. Ich akzeptiere heute leichter, was das Leben mir noch an Aufgaben stellen wird ohne daran zu zerbrechen."

Die Dreharbeiten zu "Grace and Frankie" vereinen die beiden Hauptdarstellerinnen erstmals seit 35 Jahren wieder gemeinsam vor der Kamera. 1980 drehten Fonda und Lily Tomlin die Komödie "Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?" mit Dolly Parton, seitdem sind die beiden Schauspielerinnen eng befreundet. "Wir haben immer Kontakt gehalten über die Jahre", sagt Fonda, die auch als Mitproduzentin der Serie agiert. Die wachsende Beliebtheit von modernen Internet-Streamingdiensten wie Netflix findet die Hollywood-Legende gut: "Ich bin ein Fan des Binge Watching, bei dem man alle Folgen auf einmal sehen kann. Ich gucke meine Lieblingsserien fast nur noch so."