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Porno-Style-Auftritt bei MTV-Show Miley Cyrus meint das ganz anders


Bei den MTV-Video-Music-Awards hat Miley Cyrus mit einem pornomäßigen Auftritt verstört. Die Häme-Welle rollt. Aber eigentlich will Miley nur die Welt retten. Irgendwie so wie Femen.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Miley "Hannah Montana" Cyrus hat bei den diesjährigen MTV Video Music Awards alle anderen Skandalbrumseln in den Schatten gestellt - einschließlich Lady Gaga!

Noch während die gerade mal 20-Jährige sich im hautfarbenen Latex-Bikini an Robin Thickes Schritt reibt (was Twerking heißt, derzeit Mileys liebste Leibesübung ist und schon für politische Diskussionen sorgt), um sich kurz darauf mit einem Schaumgummi-Finger selbst zwischen den Beinen herumzurubbeln, drehen Promis, Fans und sogenannte Hater in den sozialen Netzwerken und auch draußen durch: "Vergewaltige mich, Miley", wünscht sich ein falscher Harry Styles, andere schreiben besorgt "Du brauchst Hilfe, Mädchen". Brooke Shields (Was macht eigentlich ..?) nutzt eine Nachrichtensendung, um loszuwerden, dass der Ex-Teeniestar "ein bisschen verzweifelt" gewirkt habe.

Tags drauf hat sich das Netz darauf geeinigt, Mileys Handeln zu verurteilen, und es wabert geballte Häme durch alle Kanäle: minutiöse Rubbel-Aufklärung, animierte Gifs, die Miley twerkend in berühmten Gemälden zeigen, oder ein bisschen Photoshop, um "den Horror wegzulachen" (mein persönlicher Favorit ist Bild Nummer 8).

Aber bitte, liebe Aufreger-Gemeinde, Sie verstehen Miley völlig falsch!

Das ist doch nur Madonna

Zum einen folgt sie einer uralten Tradition, die einst Aufreger-Urmutter Madonna ins Leben gerufen hat: Und die heißt "Irgendwas mit Sex". Unfassbare 21 Jahre ist es her, dass Frau Ciccone sich in einem Brautkleid zu den Klängen von "Like a Virgin" über die Bühne rollte. 1992 haben Nirvana versucht, den verbotenen Song "Rape Me" zu spielen, und vor exakt zehn Jahren haben Britney Spears und Madonna vor laufenden Kameras Körperflüssigkeit ausgetauscht. Die Latte lag also hoch. Und Miley hat sie eben genommen (Wortspiel total beabsichtigt).

Zum anderen wird aber auch diese Erklärung ihr nicht gerecht. Miley meint das nämlich eigentlich gesellschaftspolitisch. Offensichtlich eine ad-absurdum-Führung unseres kranken Entertainment-Verhaltens.

Sie müssen keine Angst aben

Bei ihrem jüngsten Berlin-Besuch hatte Miley auch kurz Zeit für stern.de. Hier kommt Mileys ganze Wahrheit:

"Leute haben schon immer ein Problem mit Sex. Sie haben Angst davor. Du kannst 13-Jährigen zeigen, wie Leute erschossen werden, aber nicht die Brüste eines Mädchens. Das zeigt doch, dass die Prioritäten der Leute, was richtig und was falsch ist, ein bisschen verwirrt sind."

Und genau das wollen Sie zeigen?

"Ich will zeigen, dass die Welt ein Ort ist, an dem es so viel zu tun gibt, wo wirklich krasse Dinge passieren, dass die Leute sich weniger um das Leben von Promis scheren sollten. Musikvideos machen Leute nicht zu guten Menschen. Die sind nicht tiefgehend."

So ist das also: Eigentlich ist Miley eine Schwester im Geiste der Femen-Aktivistinnen. Die Porno-Style-Nummer macht sie nur, damit wir endlich sehen, was schiefläuft in der Welt. Ist doch klar.


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