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Britische Royals: "Gefahren-Herzog" Prinz Philip: Ein Leben zwischen Protokoll und Entgleisung

Der Queen-Gemahl Prinz Philip zeigte sich jüngst als rasender Opa. Doch der ewige Rüpel war vor mehr als 70 Jahren auch der erste neue Mann – unfreiwillig.

Queen Elizabeth II. und Prinz Philip

Queen Elizabeth II. und Prinz Philip bei der Militärparade "Trooping the Colour" zu Ehren des Geburtstags der Queen in London 2017

DPA

Ganz Great Britain schüttelt den Kopf. Nur 48 Stunden nachdem Prinz Philip mit seinem gepanzerten Land Rover in ein bürgerliches Auto gekracht war, sah man den 97-Jährigen wieder am Steuer sitzen. Allein und nicht angeschnallt. Er sei zwar "deeply sorry" wegen des Unfalls. Aber Zerknirschung sieht anders aus. Er will Spaß, er gibt Gas. Der Herzog von Edinburgh braucht das wohl als Ausgleich. Denn er ist ein Privilegierter im goldenen Käfig.

Prinz Philip, "Duke of Hazard"

Als der adlige Leutnant der britischen Marine im November 1947 die junge Königstochter Elizabeth heiratete, wusste er zwar, dass sie Thronfolgerin war, aber King George schien noch gut beisammen. Zukunftsmusik. Doch 1952 verschied George unerwartet früh. Elizabeth bestieg mit 26 Jahren den Thron, und Philip mutierte, wie er es einmal selbst nannte, zu einer repräsentativen "Amöbe" am Hof. Er musste seine militärische Karriere aufgeben und wurde – wenn auch unfreiwillig – einer der ersten "neuen Männer" der westlichen Welt. Einer, der für seine Frau zur Seite trat und sich zu Hause um die Kinder kümmerte. Elizabeth hatte einen Topjob übernommen, verdiente die Kohle, und er war nun der Mann an ihrer Seite. Und zudem ein Protokoll-Knecht. Immer "one step behind". Vom Kriegshelden zum Festredner und Rekord-Schirmherrn von rund 800 Wohltätigkeitsorganisationen. Er sei, bemerkte er einmal säuerlich, "der größte Fachmann der Welt im Gedenktafel-Enthüllen".

Sehen Sie im Video: "Das sind Prinz Philips legendäre Fehltritte" 

Prinz Philip

Dem Prinzen blieb noch nicht einmal die Option, eine Mode-Ikone zu werden, wie die Gattinnen anderer Herrscher es wurden. In Anzügen und Uniformen lässt sich schwerlich ein neuer Stil prägen. Aber Philip hat die Sache durchgezogen. Er litt, aber er blieb. Mehr als 70 Jahre ist er jetzt Prinzgemahl, das lebende Beiprogramm, Great Britains Grüß-August. Er liebt seine Lilibet eben und die ihn. Philip und Elizabeth – eine große Liebesgeschichte. Mit ein paar Unwuchten allerdings. Offenbar hat Philip nach der Heirat beschlossen, sein Leben außerhalb des Hofes zu einer Art Dauer-Junggesellen-Abschied zu machen. Von zahlreichen Affären und freizügigen Partys im Herrenklub ist die Rede. Die Blaublüter sollen dabei voll wie die Haubitzen gewesen sein. Die Queen schwieg und verzieh.

Legendär sind auch die verbalen Amokläufe des Prinzen bei öffentlichen Auftritten. Er hält sich ans verhasste Protokoll, liebt es aber, das Ganze mit lockeren Sprüchen und politisch unkorrekten Kommentaren zu würzen.

Das hat ihm den Beinamen "Duke of Hazard" – der Gefahren-Herzog – eingebracht. Er fragte australische Aborigines, ob sie sich "immer noch mit Speeren bewerfen", sprach Helmut Kohl mit "Herr Reichskanzler" an und kommentierte die traditionelle Kleidung eines nigerianischen Präsidenten mit den Worten: "Sie sehen aus, als seien Sie schon bettfertig." Das alles immer schön begleitet von Kameras und offenen Mikrofonen. Man hat ihm deswegen Oberschicht-Arroganz vorgeworfen. Aber die Botschaft hinter seinen Entgleisungen war ihm offenbar wichtiger, als gemocht zu werden. Und sie lautete: Ich lass mir nicht auch noch den Mund verbieten.

Bombenlaune

Philip hat seinen Weg gefunden, sich mit seiner Rolle abzufinden. Er macht mit, aber er muss dabei nicht auch noch Bombenlaune haben. Für ihn gibt es kein richtiges Leben im falschen; aber ein anderes kann er sich halt nicht vorstellen. Anlässlich seines 90. Geburtstags wurde er einmal gefragt, wie er über sich und seine Rolle denke. Darauf antwortete er wie ein unwirscher Existenzialist: "Gar nicht. Ich bin einfach da." Selbst schnell Auto zu fahren, am besten ohne Gurt – auch das ist eine der letzten Freiheitsbastionen, die der Duke verbissen verteidigt. Und niemand wagt es bisher, ihm den Führer schein wegzunehmen. Die Briten sollten ihn einfach weiterfahren lassen. Nicht auszudenken, würde er das Fortbewegungsmittel wechseln. Der Mann ist schließlich auch Pilot.

Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe des stern entnommen:

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