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Privatleben: Beziehungssache Grönemeyer - privat oder öffentlich?

Experten streiten sich am Fall Grönemeyer darüber, ob die Öffentlichkeit ein Recht auf Information über das Privatleben von Prominenten hat.

Herbert Grönemeyer charakterisierte die neue Frau in seinem Leben mit großen Worten: "Sie ist Hoffnung, ein Ausblick", schwärmte der Sänger in einem Interview - und regte damit die Fantasie von hunderttausenden Fans an. Inzwischen hat sich eine Schweizerin nach Medienberichten dazu bekannt, mit dem derzeit beliebtesten deutschen Popstar ganz privat verbunden zu sein.

Die "Spiegel"-Redakteure hatten sich die vielleicht intimste Frage bis zum Schluss aufgehoben: "Gibt es eine neue Frau in ihrem Leben?", fragten sie Grönemeyer. "Wenn Sie es genau wissen wollen: Ja", antwortete der Sänger, vier Jahre nach dem Krebstod seiner Frau Anna. "Mehr werde ich dazu nicht sagen", stellte der 46-Jährige allerdings klar.

Unter Experten ist umstritten, wie stark ein Star wie Grönemeyer sein Privatleben dem Licht der Öffentlichkeit entziehen kann. Über seine Plattenfirma Capitol Music versuchte der Sänger weitere Veröffentlichungen mit der Erklärung abzublocken, dass er "keinerlei Berichterstattung über sein Privatleben wünscht und hiergegen unverzüglich rechtliche Schritte einleiten wird". Juristisch waren auch andere Prominente - allen voran der Bundeskanzler - gegen Berichte über ihr Privatleben vorgegangen.

Wo verläuft die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem? Für den Hamburger Prominenten-Anwalt Matthias Prinz sind die Hürden hoch, wenn das allgemeine Persönlichkeitsrecht von Personen der Zeitgeschichte verletzt werden könnte. "Im Fall einer Freundin von Herbert Grönemeyer kann ich kein überwiegendes Informationsinteresse der Öffentlichkeit sehen. Das ist reines Unterhaltungsinteresse, Entertainment", sagte Prinz.

Grönemeyer beteiligte die Fans auch an seiner Trauer

Für Patricia Riekel, Chefredakteurin der Illustrierten "Bunte", war es zunächst von Grönemeyer selbst "äußerst ungeschickt", überhaupt von seiner neuen Freundin gesprochen zu haben. "Ich glaube, dass er das Interesse der Medien an der neuen Beziehung nun nicht eindämmen kann", sagt Riekel.

"Dadurch, dass er sein privates Schicksal in musikalischer Form erklärt, hat er ein riesiges Interesse des Publikums entzündet", meint die "Bunte"-Chefin. Der Riesenerfolg seiner CD "Mensch" lässt sich schließlich auch mit der authentisch wirkenden Verbindung zwischen Leben und Musik erklären. "Die Öffentlichkeit hat mit ihm getrauert und gelitten - und nun möchte sie sich mit ihm freuen." Prinz hält dem entgegen: "Auch wenn ein Künstler sein persönliches Unglück teilweise in der Öffentlichkeit bewältigt, heißt das nicht, dass alle Welt Recht darauf hat, zu erfahren, mit wem er sein Privatleben verbringt."

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Rolf Lautenbach, verweist auf den Pressekodex, nach dem das Privatleben zu achten sei. "Tabus gibt es dort allerdings nicht", sagt er. Schließlich hätten viele Prominente gar kein Interesse, im Privaten wirklich unter sich zu bleiben, sondern arbeiteten mit ihren Managements genau an einem möglichst Erfolg versprechenden Erscheinungsbild. "Prominente wollen sich Abschottung gar nicht mehr leisten", sagt Lautenbach. Für Journalisten gelte es da, den Einzelfall sorgfältig abzuwägen.

Basil Wegener