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Prozess wegen Körperverletzung: Gericht spricht Bushido frei

Er soll einen Fan mit einem Schuh angegriffen haben: Aber Bushido wurde freigesprochen. Der Rapper zeigte sich ironisch - obwohl er nicht zum ersten Mal vor Gericht stand.

Rapper Bushido ist vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen worden. Das entschied das Berliner Amtsgericht Tiergarten. Dem 35-Jährigen war zur Last gelegt worden, einen Fan mit einem Schuh geschlagen zu haben. Von den Vorwürfen sei nichts übrig geblieben, sagte Richter Torsten Dube. Ein mitangeklagter Nachbar des Musikers (45) wurde ebenfalls freigesprochen. Das angebliche Opfer verweigerte die Aussage. Der 17-Jährige war erst vor Kurzem aus dem Gefängnis gekommen.

Laut Anklage soll Bushido den Fan im Mai 2013 vor dem Haus des Musikers im Ortsteil Lichterfelde mit einem Schuh attackiert haben. Zuvor soll der 45-Jährige den Jugendlichen geohrfeigt haben. "Es ist sehr unerfreulich, dass sich die Angeklagten diesen Vorwürfen aussetzen mussten", bedauerte Richter Dube. Die Staatsanwaltschaft hatte selbst die Freisprüche beantragt. Die Angaben von Bushido seien nicht zu widerlegen, sagte der Ankläger.

Bushido fühlte sich belästigt

Zuvor hatte der Musiker, der mit T-Shirt und Blouson vor Gericht erschien, wortreich Stellung bezogen. "Alle Schuhe, die vor Ort waren, waren an den Füßen", wies er die Vorwürfe zurück. Mehrere Jugendliche hätten am Nachmittag des 17. Mai zum wiederholten Mal an seiner Tür geklingelt. Er habe sich belästigt gefühlt. Die Aufforderung, zu verschwinden, hätten sie ignoriert. Er sei dann hinausgegangen und habe seinen Nachbarn herangewunken.

Die Jugendlichen standen demnach mit einem Auto in seiner Einfahrt, der Wagen sei weggefahren und der 17-Jährige dortgeblieben. Als dieser mit den Worten "Was willst Du Hund?" näher gekommen sei, habe der Nachbar den 17-Jährigen weggeschubst. Dieser sei gestolpert und hingefallen. Verletzungen habe er nicht gesehen. Er habe dann die Polizei gerufen, sagte Bushido. Er habe zunächst nicht gewusst, dass der 17-Jährige ihn angezeigt habe. Bushido erstattete eine Anzeige wegen Bedrohung.

Der Prozess wurde wegen des Andrangs in einen anderen Saal verlegt. Bei Twitter gab sich Bushido ironisch: "Voll wenig Presse im Gericht". Dazu setzte er einen Hinweis auf sein neues Album. Nach dem Urteil verließ der Rapper rasch das Gericht, ohne sich zu äußern.

Gangster-Rapper mit vielen Skandalen

Umstrittener Rapper, Bambi-Preisträger, Familienvater, Praktikant im Bundestag: Bushido spaltet. Er hat viele Fans und viele Gegner. Wegen gewaltverherrlichender Musikvideos sowie Videos mit frauen- und schwulenfeindlichem Inhalt stand Bushido wiederholt in der Kritik. Das umstrittene Lied "Stress ohne Grund" wurde auf den Index gesetzt, weil der Inhalt zu Gewalt anrege.

Wiederholt beschäftigten sich Gerichte mit dem Rapper. Wegen Beleidigung wurde er zuletzt in Berlin im Dezember 2011 zu einer Geldstrafe von 19.500 Euro verurteilt. Er hatte demnach einen Ordnungsamts-Mitarbeiter als Idioten beschimpft. Zudem laufen nach Justizangaben Ermittlungen wegen des Verdachts einer Steuerstraftat

Anfang 2013 kritisierte der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), dass der Musiker auf seinem Twitter-Profil eine Nahostkarte mit dem Gebiet Israels in den palästinensischen Farben zeigt. 2012 hatte Friedrich allerdings auf einem Fest noch mit dem Rapper für ein Foto posiert.

2011 erhielt Bushido einen Bambi für gelungene Integration und löste eine Kontroverse aus. Schlagersänger Heino etwa gab seinen Bambi zurück. Im Sommer 2012 machte Bushido ein Praktikum im Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten. Der Rapper hatte auch schon einmal angekündigt, eine eigene Partei gründen zu wollen.

Der 1978 in Bonn als Anis Mohamed Ferchichi geborene Bushido ist mit Anna-Maria Lagerblom, der Schwester von Sarah Connor, verheiratet. Im September 2013 veröffentlichte der Familienvater das Buch "Auch wir sind Deutschland". Er stand auch schon im Mittelpunkt eines Kinofilms.

fme/DPA / DPA