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Teenager erschossen Rapper C-Murder sitzt wegen Mordes in Haft. Nun kämpft Kim Kardashian für seine Freilassung

Kim Kardashian West setzt sich für die Freiheit des Rappers C-Murder, bürgerlich Cory Miller ein
Kim Kardashian West setzt sich für die Freiheit des Rappers C-Murder, bürgerlich Cory Miller ein
© Angela Weiss / AFP / Picture Alliance
2002 stirbt ein Teenager durch einen Schuss in einem Nachtklub. Für die Behörden steht der Täter schnell fest, doch Rapper C-Murder beteuert seine Unschuld. Nach mehr als einem Jahrzehnt in Haft setzt sich nun auch Kim Kardashian für seine Freilassung ein.

Im Januar 2002 wird der 16-jährige Hip-Hop-Fan Steve Thomas in einem Louisiana-Nachtclub brutal zusammengeschlagen und letztlich durch einen Schuss getötet. Der Rapper C-Murder, bürgerlich Corey Miller und großes Idol des erschossenen Jugendlichen, wird einen Tag später festgenommen und letztlich wegen Mordes zweiten Grades verurteilt. Er bestreitet die Tat bis heute, und bekommt nun sehr prominente Unterstützung.

Kim Kardashian West setzt sich für die Freilassung von Miller ein, dessen großer Bruder der Rap-Superstar Master P. ist. Miller wird im März 50 Jahre alt und sitzt mit Unterbrechungen im Hausarrest seit 2002 in Haft. Kardashian ist von seiner Unschuld überzeugt. "Die Jury entschied mit zehn zu zwei Stimmen, dass er schuldig ist und er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt", twitterte sie. "Wäre sein Prozess heute, müsste er mit einer einstimmigen Entscheidung verurteilt werden." Kardashian spricht von "neuen Beweisen seiner potenziellen Unschuld" und davon, dass Juroren unter Druck gesetzt worden seien und zwei entscheidende Zeugen ihre Aussage widerrufen hätten. "Wahre Gerechtigkeit für den jungen Mann wäre es, wenn die Person, die ihn tatsächlich getötet hat, dafür zur Verantwortung gezogen wird und Corey Miller zurück zu seinen Kindern könnte."

Kim Kardashian und ihr Kampf gegen die überfüllten US-Gefängnisse

Kardashian hat es sich zu einem ihrer persönlichen Ziele gemacht, die massive Zahl an US-Häftlingen zu reduzieren. Rund 2,3 Millionen US-Amerikaner sind aktuell inhaftiert. Auf 100.000 US-Bürger kommen knapp 700 Häftlinge. Nirgends auf der Welt sitzen pro Kopf mehr Menschen in Gefängnissen.

Die aus Realitiy-Formaten und besonders durch Social Media bekannte Frau von Rapper Kanye West setzt ihre Millionenreichweite regelmäßig auch für ihren Kampf für Gefängnisreformen ein. 2019 begann sie zudem ein Jurastudium und half bereits, die Strafen von mehr als einem Dutzend nicht-gewalttätigen Ersttätern im Bereich von Drogendelikten auszusetzen. 2018 traf sie dazu US-Präsident Donald Trump, der nur wenige Tage nach ihrem Treffen die Strafe einer Dame aussetzte, die mehr als 20 Jahre einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen eines Drogendelikts abgesessen hatte.   

Vor allem wegen Zeugenaussagen verurteilt

Die Verurteilung von Rapper Corey Miller aus dem Jahr 2009 beruht, wie von Kardashian angedeutet, tatsächlich im Wesentlichen auf Zeugenaussagen. Demnach hatte sich das jugendliche Opfer 2002 in den persönlichen Bereich von Rapper C-Murder in dem Nachtklub geschlichen. Dort kam es dann offenbar zu einer Schlägerei, bei der Thomas von der Entourage des Rappers am Boden liegend verprügelt worden sei. Ein einzelner Schuss ins Herz tötete den Jungen. Zeugen gaben vor Gericht an, dass Miller diesen Schuss abgegeben habe.

Zwei dieser Zeugen zogen 2018 jedoch ihre Aussagen zurück und gaben an, von der Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein. Die Beamten hätten ihnen mit eigenen Haftstrafen in anderen Fällen gedroht, wenn sie Miller nicht belasten würden, so ihre Statements.

Richter wies 2019 bereits Neuaufnahme ab

Allerdings gab es in dieser Sache bereits eine erstinstanzliche gerichtliche Entscheidung. Anfang 2019 befand ein Richter aus Jefferson Parish in Louisiana, dass die zurückgezogenen Aussagen der beiden Männer nicht für eine Neueröffnung des Verfahrens ausreichen würden. Er bezeichnete die neuen Aussagen als "suspekt" und "nicht verlässlich", bezog sich dabei vor allem darauf, dass die beiden Männer ihre vorherigen Anschuldigungen gegenüber Miller 2002, 2003 und 2009 jeweils deckungsgleich wiederholt hätten.

Millers Fall landete 2002 vor einer Grand Jury, die sich für eine Anklage entschied. 2003 gab es einen Prozess, allerdings urteilte eine Richterin damals, dass der Fall neu aufgerollt werden müsse. Die Ankläger hatten absichtlich unerwähnt gelassen, dass drei ihrer Zeugen einen kriminellen Hintergrund hatten, darunter die beiden Männer, die nun ihre Aussagen widerrufen. Daraufhin befand sich C-Murder jahrelang im Hausarrest, aus dem er noch mehrere Alben veröffentlichte, ehe er 2009 letztlich des Mordes verurteilt wurde, allerdings mit einer uneinigen Jury.

Später berichtete eine der Juroren gegenüber einer Zeitung, dass die Jury zunächst mit neun zu drei Stimmen pro einer Verurteilung gewesen wäre, was zu einem Scheitern des Prozesses geführt hätte. Daraufhin sei eine junge Jurorin von anderen in der Jury stark unter Druck gesetzt worden, was dieser jungen Dame sehr zugesetzt habe. "Da habe ich ihnen gesagt: 'Ihr wollt, dass er schuldig ist? Er ist schuldig! Jetzt lasst uns verdammt nochmal raus hier", wird die Frau nach dem Prozess 2009 zitiert. Sie selbst sei jedoch weiterhin nicht vollends von der Schuld Millers überzeugt.

Corey "C-Murder" Miller schoss zuvor bereits auf Menschen

Millers Anwälte müssen nach US-Recht ihrerseits Beweise dafür vorbringen, dass er damals zu Unrecht verurteilt wurde, um einen Neuauflage des Prozesses oder gar eine Freilassung zu erwirken. Nach Ansicht des Jefferson-Richters ist ihnen das bislang nicht gelungen.

Erschwerend kommt in Millers Fall hinzu, dass er 2009 bereits wegen versuchten Mordes vorbestraft war, weil er wenige Monate vor der verhängnisvollen Nacht im Januar 2002 in einem anderen Nachtclub auf den Besitzer und den Türsteher des Ladens schoss, weil diese ihn nicht mit Waffe in den Club lassen wollten. Von der fraglichen Szene gibt es ein Video, auf dem zu sehen ist, wie er mehrfach schießen will, seine Pistole jedoch nach dem ersten Schuss klemmt. Damals wurde niemand ernsthaft verletzt.

Corey Miller sitzt für den tödlichen Schuss auf Steve Thomas eine verpflichtend lebenslange Haftstrafe ab, die nach geltendem Recht in Louisiana zwangsläufig erst mit seinem Tod endet. Seine mögliche Unschuld zu beweisen, auch mit der Hilfe von Kim Kardashian, ist also vermutlich seine einzige Option, um jemals wieder auf freien Fuß zu kommen. 

Quellen:CNN / USA Today / Twitter / Nola.com / Reddit / "Daily Mail" / TMZ/ Allhiphop.com / Prisonpolicy.org


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