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Robert Downey Jr. im Interview: Lieber Lippenstift tragen als Windeln wechseln

Mit Lippenstift und Lidschatten in seinem Gesicht hat Robert Downey Jr. kein Problem. Auch dass seiner Rolle Sherlock Holmes homoerotische Züge unterstellt werden, findet der Schauspieler höchstens amüsant. Wirklich panisch wird Downey Jr. nur beim Thema Windelnwechseln.

Von Frank Siering, Los Angeles

Er zählt zweifelsohne zu den besten Schauspielern, die derzeit in Hollywood auf der Leinwand zu sehen sind. Und Robert Downey Jr. ist sich dessen sehr wohl bewusst. Denn schüchtern reagiert er nicht unbedingt, wenn der 46-Jährige - wie dieser Tage - mal wieder mit Lorbeeren überschüttet wird. "Bitte, bitte, wenn es denn sein muss. Warum nicht?", sagt er dann schonmal während eines Pressetermins in Los Angeles.

Aber Downey hat auch schon die andere Seite vom Hollywood-Traum erlebt. Die dunkle Seite. Einst schwerer Alkoholiker und dem Drogenrausch verfallen, griff ihn die Polizei in Los Angeles mehr als nur einmal in einer Nebenstraße in heruntergekommenen Stadteilen von Los Angeles auf. "Du musst mal richtig in die Scheiße gegriffen haben, um dein Leben wirklich zu schätzen", sagt er zu seinen Exzessen von früher.

Dieser Tage ist Downey nicht nur drogenfrei, sondern wirklich glücklich. Die Karriere brummt wie nie zuvor, sein Privatleben stimmt. Er ist mit seiner Lieblingsproduzentin Susan Downey verheiratet. Das Paar arbeitet an fast allen neuen Downey-Projekten gemeinsam ("Iron Man", "Iron Man 2", "Due Date") und promotet dieser Tage den zweiten Teil der Sherlock-Holmes-Verfilmungen.

"Sherlock Holmes, Games of Shadows" ist ein actiongeladener moderner Detektivfilm, der den gesteckten Erwartungen voll entspricht und fast noch ein bisschen mehr Spaß macht als der erste Downey-Sherlock.

Stern.de traf Downey Jr. in L.A. zum Interview. Ehrlich und süffisant stellte er sich den Fragen des Reporters. Und plauderte vergnügt über den möglichen homoerotischen Unterton zwischen Holmes und Watson und den gelungenen Auftritt in Frauenkleidern ging.

Wie war es für Sie, noch einmal in die Rolle von Sherlock Holmes zu schlüpfen?

Oh, nachdem der erste Film ja ganz gut geklappt hat, war ich nicht so nervös. Aber wir hatten schon ein paar Ideen, wie wir Holmes noch besser machen könnten. Ich bin ein großer Fan von Verkleidungen, und ich wollte unbedingt, dass er sich in diesem Film noch viel mehr verkleidet.

Zum Beispiel als Frau?

Ja, zum Beispiel als Frau (lacht). Es war meine Idee, und als ich dann mit Lippenstift, Lidschatten und in einem Rock auf dem Set stand, habe ich Leute gesucht, denen ich die Schuld in die Schuhe schieben konnte.

Sie sahen doch ganz passabel aus.

Nun machen Sie mal keine Witze auf meine Kosten. Ich sah aus wie der Leadsänger von "The Cure". Aber es hat der Geschichte geholfen. Nur das zählt.

Ihnen wird nachgesagt, dass Sie immer bestens vorbereitet sind, wenn Sie ans Set kommen. Downey Jr., ein Perfektionist?

Nun, ich bin mir meiner Verantwortung schon bewusst. Ich weiß, dass wir viele Menschen beschäftigen, dass viele Fans von uns erwarten, ein gutes Produkt abzuliefern. Da möchte ich dann schon gut vorbereitet zur Arbeit kommen.

Holmes und seinem Gehilfen Watson wird immer wieder eine gewisse homoerotische Spannung nachgesagt. Dieser Film bestätigt das meiner Meinung nach. Wie sehen Sie das?

Erst die Frage nach meiner Verkleidung als Frau, jetzt die alte "Waren sie schwul?"-Frage (lacht). Na ja, warum nicht?

Und?

Ich sage es einmal so: Heute gibt es die schöne Bezeichnung der "Bromance", also einer soliden und auch emotional bindenden Männerfreundschaft. Wenn sie eine gewisse Spannung zwischen Holmes und Watson spüren, dann ist das wahrscheinlich eher emotional und nicht unbedingt sexuell.

Wie haben Sie sich auf diese sehr physische Rolle als Sherlock vorbereitet?

Ich mache seit einigen Jahren Martial Arts. Das ist gut für den Körper und den Geist. In dem Sport finde ich meine Balance. Und es hat mir ungemein geholfen, mich auf die Actionszenen vorzubereiten.

Stimmt es, dass Sie ihre Kollegen öfter in ihren Wohnwagen zum Mittag eingeladen haben?

Das stimmt. Wir waren ein echtes Team. Wir haben jeden Tag bei mir im Trailer gegessen. Manchmal waren sogar Leute vom Reinigungspersonal dabei (lacht). Ich bin halt so.

Dieser Sherlock-Film hat echte internationale Einflüsse. Er spielt nicht nur in England, sondern auch in der Schweiz und in Deutschland. War das beabsichtigt?

Ja, das war beabsichtigt. Wir wollten so ein bisschen ein James-Bond-Gefühl erzeugen und internationaler werden. Sherlock Holmes sollte nicht als englischer Provinzler daherkommen. Das steht ihm irgendwie nicht zu Gesicht. Bond ist cool. Und Sherlock irgendwie auch.

Ihre Frau, Susan Downey, ist als Produzentin von diesem Film auch ihr Boss. Wie gehen Sie damit um?

Um eines gleich einmal klarzustellen: Ich bin der Boss. Ich bin immer der Boss (dreht sich um, um sicherzugehen, dass seine Frau das nicht gehört hat). Nein, Susan und ich sind nicht nur ein Ehepaar, wir sind beste Freunde. Wir atmen Film, wir lieben Film. Es ist ein echter Genuss, mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen. Sie ist bei weitem meine Lieblingsproduzentin.

Und Sie erwartet ihr Kind. Sind Sie schon aufgeregt?

Total aufgeregt. Ich weiß gar nicht mehr so richtig wie das geht mit dem Windelnwechseln. Das liegt schon so viele Jahre zurück für mich.

  • Frank Siering