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Schuldspruch für Jackson-Arzt: Murray hofft auf Hausarrest

Conrad Murray ist schuld am Tod von Michael Jackson. So hat es die Jury entschieden. Ob er in Haft kommt, ist jedoch fraglich. Das Urteil könnte sich für den Arzt zudem als äußerst lukrativ erweisen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Dramatisch ging es zu im Gerichtssaal des Superior Courts von Los Angeles. Als Conrad Murray am Montag kurz nach 13.15 Uhr Ortszeit von den zwölf Geschworenen einstimmig für schuldig befunden wurde, konnten sich LaToya Jackson und Hotel-Magnatin und Jackson-Freundin Kathy Hilton nicht mehr beherrschen.

"Yes!", kreischten sie unisono in den Saal. Und wurden sofort mit einem lauten "Shhhhhh" zur Ordnung gerufen. All die Anspannung der letzten sechs Wochen, all der Frust und die Ungewissheit waren plötzlich wie weggewischt. "Guilty!", schuldig. Ein Ausrufezeichen hinter der Prozessführung von Staatsanwalt David Walgren.

"Die Gerechtigkeit hat gesiegt", sagte Jacksons Mutter Catherine nach dem Urteilsspruch. LaToya streckte den Zeigefinger in die Luft. "Victory", rief sie den TV-Kameras entgegen. Jermaine Jackson musste sich eine kleine Träne aus den Augen wischen.

Murray - Gefahr für die Öffentlichkeit

Und Conrad Murray? - Er wurde noch im Saal in Handschellen gelegt und bis zur Verkündigung des Strafmaßes am 29. November in Gewahrsam genommen.

Richter Michael Pastor befürchtete Fluchtgefahr und sah den 58-Jährigen als eine "Gefahr für die Öffentlichkeit". "Völlig überdreht, absolut nicht notwendig", so Harvey Levin, Betreiber des Klatschportals TMZ.com und gelernter Jurist über diese Maßnahme. "Der Richter hat sich wie ein dritter Staatsanwalt aufgespielt", attestierte auch Fox-News-Prozessbeobachter Lee Ross.

Der kleine Skandal am Ende einer langen Verhandlung wird aber noch überschattet von der Nachricht, dass Murray trotz des Schuldspruchs nach dem 29. November möglicherweise keinen einzigen Tag in einem Gefängnis verbringen muss.

Hausarrest statt Gefängnis

Und das liegt an einem neuen kalifornischen Gesetz, das unlängst von Gouverneur Jerry Brown verabschiedet worden war. Durch die Überfüllung der staatlichen Gefängnisse werden derzeit immer mehr verurteilte Verbrecher an die wesentlich laxeren Gemeindegefängnisse verwiesen. Und die prüfen automatisch, ob ein Krimineller statt Gefängis die Strafe im Hausarrest verbringen kann.

"Conrad Murray ist ein idealer Kandidat für einen solchen Hausarrest", glaubt Levin. "Selbst wenn der Richter ihn auf maximal vier Jahre verknackt, so wird erfahrungsgemäß die Strafe sofort halbiert. Dann würde der Arzt zwei Jahre zu Hause sitzen. Sicherlich eine herbe Enttäuschung für die Jackson-Familie", so Levin.

Und es kann sogar alles noch viel besser kommen für Murray. Sein Anwalt-Team hat durch Verteidiger Michael Flanagan schon durchblicken lassen, dass "mit absoluter Sicherheit eine Berufung gegen das Urteil eingelegt wird". Seine Mediziner-Lizenz wird Murray zwar verlieren, aber ein lukrativer Buchdeal oder eine mögliche Dokumentarserie scheinen schon in Planung. Zukunftspläne, die dem gefallenen Doktor mehr Geld einbringen könnten, als er als Jackson-Angestellter mit seinen 150.000 Dollar Monatsgehalt jemals verdient hat.

Ein lukrativer Schuldspruch

So verwundert es also kaum, dass Murray nicht besonders gestresst oder gar verzweifelt wirkte, als das Gericht den Schuldspruch verlas. Sicherlich wusste auch er, dass das Urteil deutlich milder ausfallen könnte, als es sich zunächst anhört.

Tatsächlich bedeutet ein Schuldspruch in Kalifornien längst nicht mehr das, was er zunächst zu sein scheint. Das durfte dieser Tage auch Lindsay Lohan erfahren, die trotz Verurteilung nur viereinhalb Stunden in einer Wartezelle verbringen musste. Gerade mal genug Zeit, das leckere Gefängnisessen zu probieren.

Einzig echter Wehrmutstropfen für Murray: Er darf das County Jail bis Ende November nicht verlassen, muss dort auch mit einer Einzelzelle Vorlieb nehmen, weil er als "äußerst gefährdet" eingestuft wurde. Denn auch hinter schwedischen Gardinen befinden sich immer noch eine Menge Michael-Jackson-Fans. Und die würden dem Arzt, der Jackson das todbringende Betäubungsmittel Propofol verabreicht hat, wohl zu gerne mal ihre Meinung sagen.