HOME

Sheryl Crow: Kreuzzug kontra Klopapier

Sheryl Crow forderte ihre Mitmenschen auf, weniger zu wischen. Doch auf den wütenden Widerstand ihrer Landsleute war sie nicht vorbereitet. Der Ärger über ihren verordneten Sparzwang beim Klopapier reichte sogar bis ins Weiße Haus.

Von Frank Siering, L.A.

Sheryl Crow machte in jüngster Vergangenheit häufiger Schlagzeilen. Da war ihre verhängnisvolle Affäre mit Tour-de-France-Radler Lance Armstrong. Dann der Schock mit der Diagnose über Brustkrebs. Und jetzt das Toiletten-Desaster.

Toiletten-Desaster? Richtig gelesen. Sheryl Crow verlangt von ihren Mitbürgern, dass sie ihr Wischpapier nur noch "limitiert und kontrolliert" nutzen. Das gab die Musikerin während ihres zweiwöchigen "Stop Global Warming"-Kreuzzugs durch Amerikas Universitäten in Springfied, Tennessee zum Besten. Sie glaubt, dass "wenn jeder nur zwei oder drei Blatt pro Sitzung verwendet, das Abholzen von Wäldern reduziert werden kann". Die Äußerung reichte, um sich sofort eine volle Breitseite von amerikanischen Satirikern einzufangen. "Sheryls Krieg gegen das Toilettenpapier" titelten die einen, "Crows Ideen sind für die Toilette" mokierten die anderen. Rosie O'Donnell, auferstandene Talk-Show-Queen und Großmaul mit Einmischdrang, wetterte im Frühstücksfernsehen gegen den Vorschlag von limitiertem Wischpapier: "Hat sich die liebe Sheryl mal meinen großen Hintern angeschaut? Ich glaube nicht, dass da zwei, drei Blatt reichen", so O'Donnell in der Sendung "The View".

Crow gegen Rove

Schnell stellte sich heraus, dass der Kommentar zum PR-Gau für Crow werden würde. Als es dann auch noch bei einem Abendessen in Washington zu einem handfesten Streit zwischen Crow und George Bush-Berater Karl Rove kam, war klar, dass die Bardin zurückrudern musste.

Gestärkt durch den Applaus 18-jähriger College-Kids fühlte sich Sheryl Crow in ihrer neuen Rolle als ökologische Vorkämpferin bestätigt - vorbei die Zeiten, wo sie als surfende Plattenmillionärin von sich Reden machte. Also nutzte sie bei einem Korrespondenten-Dinner im White House die Gelegenheit und konfrontierte Mr. Rove mit der globalen Erderwärmung. Es kam zu einer lautstarken Auseinandersetzung, in der Crow Roves Arm packte. Bodyguards schritten ein, Rove bellte Crow an: "Fassen Sie mich nicht an!" Die sonst so sanfte Sheryl hatte noch immer nicht genug, konterte: "So können sie mit uns nicht umgehen. Sie arbeiten für uns." - "Ich arbeite für die amerikanische Bevölkerung", erwiderte Rove. Worauf sich das tapfere Öko-Schneiderlein Sheryl aufbäumte und "wir sind die amerikanische Bevölkerung" zischte.

Der kleine Luxus für zwischendurch

Als sich die Gemüter endlich beruhigt hatten, sah sich Mrs. Crow dann aber doch gezwungen, ihr "Toiletten-Statement" etwas zu entkräften. Stand doch schließlich ihr Image auf dem Spiel. "War alles nicht so gemeint", beschwichtigte die Öko-Wischerin. "Nur ein kleiner Scherz auf der Bühne einer Uni während einer unterhaltsamen Minute", sagt Crow jetzt. Glück gehabt: Die Amis dürfen weiter wischen. Solange Sheryl Crow ihr Okay gibt, ist die WC-Welt im Land der unbegrenzten Dümmlichkeiten also wieder in Ordnung.

Vielleicht aber hat sich Mrs. Crow auch daran erinnert, dass sie nicht unbedingt die geeignetste Person ist, um mit erhobenem Umweltschutz-Zeigefinger über College-Campusse zu stolpern. Schreibt doch die Website "TheSmokingGun.com", dass Crows Entourage bei der Stop Global Warming Tour in drei Trucks mit großen Anhängern, vier Bussen und sechs Privatfahrzeugen reiste. Nicht gerade sehr umweltfreundlich.

Ach so, und die bescheidene Crow bestand während der Tour auch auf die tägliche Lieferung von gekühltem Grolsch Bier (zwölf Flaschen), sechs Flaschen "lokalem Bier", gutem importierten australischem Cabernet und einem ordentlichen Merlot für die kleinen Partys nach den Auftritten. Umweltschutz macht durstig.