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Kommentar Til Schweiger hat recht: Die Twitter-Spötter sind arm


Til Schweiger hat sich mal wieder lautstark zu Wort gemeldet: "Ihr seid so arm", schreibt er in Richtung derer, die sein Foto mit Sigmar Gabriel veralbert haben. Mit seinen drastischen Worten liegt Schweiger richtig.

Nein, man muss Til Schweiger nicht mögen. Muss kein Fan seiner Filme sein, muss ihn nicht für den größten deutschen Schauspieler seit Gustaf Gründgens halten. Und ja, man kann sicherlich diplomatischer und weniger polternd für eine Sache streiten als es der Filmemacher tut.

Doch das Engagement, das Til Schweiger für Flüchtlinge an den Tag legt, ist in jeder Hinsicht bewunderungswürdig. Er setzt sich für schutzbedürftige Menschen ein - und riskiert dabei viel. Denn er hält sein Gesicht in den öffentlichen Shitstorm und wird für seine Worte und Taten aufs Übelste beschimpft. Wird persönlich angegangen und bedroht. Das alles nimmt Til Schweiger in Kauf. Und geht sogar noch darüber hinaus: Er packt mit an und unterstützt aktiv die Errichtung eines Flüchtlingsheims in Osterode.

Und weil Til Schweiger allein nicht genügend ausrichten kann, hat er sich mit SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel getroffen. Ein Arbeitstermin, bei dem über Maßnahmen gegen Fremdenhass und Gewalt gesprochen wurde. Natürlich wurde von diesem Treffen auch ein Foto veröffentlicht. Das gehört nun mal dazu, so funktioniert politische Kommunikation. Es ist kein glamouröses Bild. Es ist nicht Gerhard Schröder im Brioni-Anzug. Nicht Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Broadway. Man sieht zwei Männer in Alltagsklamotten bei einem konzentrierten Gespräch. "Ernste Gesichter zu einem ernsten Thema", schrieb Gabriel unter das Foto, das er am Samstag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

Für einen Teil der Twitter-Gemeinde war dies der Startschuss, um Spott und Häme über die beiden zu kübeln. Der Vergleich mit "Dick und Doof" wurde in allen Variationen durchdekliniert. Witzbolde spekulierten, welche Rolle Gabriel im nächsten "Tatort" wohl übernehme, und welchen Posten Schweiger wohl im nächsten Kabinett bekleide.

Um das mal deutlich zu machen: Da sitzen Menschen, die für Flüchtlinge vermutlich in ihrem Leben gar nichts geleistet haben, zuhause auf ihrem Sofa und machen sich über Menschen lustig, die sich um das Wohl der Flüchtlinge in Deutschland sorgen. Nichts gegen einen guten Gag, gerade soziale Netzwerke sind ja kein humorfreier Raum. Ganz im Gegenteil. Doch jeder sollte überlegen, was man mit seinem Witz aussagt. Alle, die über Schweigers Engagement spotten, senden ein klares Signal: Wer sich engagiert, macht sich lächerlich.

Politische Satire hat ihre Berechtigung

Anstatt andere zu mehr Engagement zu ermutigen, bewirken diese "Witze" das Gegenteil: Jeder Prominente überlegt es sich künftig zweimal, ob er wirklich sein Gesicht für eine gute Sache herhalten will. Denn die Heckenschützen auf Twitter sitzen ständig in den Startlöchern.

Anders verhält es sich mit politischer Satire wie von "extra 3", die noch am Samstag auf einen pikanten Zusammenhang hinwiesen: Als Wirtschaftsminister ist Sigmar Gabriel für Waffenexporte in den arabischen Raum verantwortlich. Da wirkt es verlogen, wenn er sich publikumswirksam um die Unterbringung der vielen syrischen Flüchtlinge stark macht. Diese Art von Satire ist wichtig, weil sie gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigt. Wer einfach nur "Dick und Doof" in sein Handy tippt, macht dagegen billige Witze auf Kosten von denen, die etwas bewegen wollen.

Prominente, so heißt es immer wieder, haben eine Vorbildfunktion. Til Schweiger nimmt diese Vorbildfunktion auf ehrenvollste Weise wahr. Dafür hat nur eines verdient: unseren Respekt. Menschen, die dafür nur Spott übrig haben, sei mit Schweigers Worten gesagt: "Ihr seid so arm."


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