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#MeToo-Debatte: Schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel - Regisseur bestreitet sexuelle Übergriffe

Die #MeToo-Debatte hat nun auch die deutsche Filmszene erreicht. Gegen Dieter Wedel erheben mehrere Frauen schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Der Regisseur streitet diese ab.

Dieter Wedel

Regisseur Dieter Wedel streitet alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung ab.

Vor drei Monaten haben Enthüllungen über den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein eine breite Debatte über Sexismus in der Gesellschaft ausgelöst. Nun sieht sich erstmals auch ein prominenter deutscher Filmschaffender schwerer Anschuldigungen ausgesetzt. Im aktuellen Magazin der Wochenzeitung "Die Zeit" erheben mehrere Frauen Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Regisseur, der diese bestreitet. 

Die heute 48-jährige Jany Tempel berichtet in dem Artikel, wie sie den Regisseur 1996 für ein Vorsprechen in seinem Hotelzimmer in München traf. Wedel habe sie im Bademantel empfangen. Als er kurz darauf zudringlich geworden sei, habe sie versucht zu fliehen, der Regisseur habe sie jedoch zurückgehalten. Sie habe "bitte nicht" gerufen, doch der Mann habe sie aufs Bett geworfen und mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt. "Ich weiß nicht mehr, wie meine Kleidung von mir kam", schildert Tempel, "ich weiß nur noch, dass ich wimmerte und es so schmerzfrei wie möglich über mich ergehen lassen wollte."

"Ich finde jegliche Form von sexueller Gewalt abstoßend"

Dieter Wedel stellt die Geschichte in der Zeit anders dar: "Ich erinnere mich, das ich Frau Tempel mochte und mit ihr auch eine kurze Affäre hatte." Er schließt jedoch aus, gewalttätig gewesen zu sein und die Schauspielerin im Bademantel empfangen zu haben. Er habe Tempel nicht zum Geschlechtsverkehr gezwungen. "Ein solches Verhalten ist mir gänzlich fremd, und ich finde jegliche Form von sexueller Gewalt abstoßend", wird Wedel im "Zeit"-Magazin zitiert. 

Ähnliche Vorwürfe erhebt die Schauspielerin Patricia Thielemann. Auch sie sei für ein Vorsprechen mit Wedel in ein Hotelzimmer gegangen. Dort habe er sie ohne Vorwarnung bedrängt, ihre Bluse aufgerissen und versucht, sie auf die Couch zu werfen. Zudem habe er sie gewürgt. Thielemann habe damals fliehen können, sagt sie. Diese Vorwürfe bestreitet Dieter Wedel ebenfalls. Er schließe aus, dass er die Schauspielerin in sein Hotelzimmer gebeten, sich auf sie gestürzt, ihr die Bluse zerrissen und sie auf die Couch geworfen hat.

Laut "Zeit" haben Thielemann und Tempel eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Dieter Wedels Anwälte reagieren

Am Mittwochabend veröffentlichte Wedels Anwalt ein Schreiben auf der Website der Bad Hersfelder Festspiele, deren Intendant Wedel ist. "Unser Mandant wird durch die - erstmalige - Veröffentlichung derartiger Verdächtigungen, die auf angebliche Vorfälle von vor zwanzig und mehr Jahren gestützt werden, einem massiven öffentlichen Pranger ausgesetzt." Der Regisseur habe eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen  abgegeben und darin versichert, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt seien.

Auf Nachfrage des stern war Wedels Anwalt für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

TV-Regisseur, Doktor, Intendant: Wer ist eigentlich Dieter Wedel?


che