HOME

Was macht eigentlich ...: ... Elfi Graf?

Mit ihrer Ballade "Herzen haben keine Fenster" landete die österreichische Schlagersängerin in den 70er Jahren einen internationalen Hit, den einzigen allerdings.

Frau Graf, Sie haben viel von roten Rosen und Liebe gesungen ...

... obwohl ich selbst nicht viel Glück in der Liebe hatte, wollen Sie jetzt wohl sagen?

Genau.

Tja, das kann man so sehen. Ich bin geschieden und finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, obwohl ich mal viel Geld verdient habe. Aber ich hatte ein warmherziges Elternhaus, das mir zwar keine Häuser und Grundstücke, wohl aber den Glauben an die Menschheit vererbt hat. Und den habe ich nicht verloren. Außerdem habe ich eine tolle Tochter und seit drei Monaten eine Enkelin, sodass ich gar keine Zeit für trübe Gedanken habe.

Sie haben Ihre Karriere Anfang der Achtziger an den Nagel gehängt.

Ja, obwohl ich damals noch recht erfolgreich war. Aber ich wollte nur noch für meinen Mann und meine Tochter da sein, bin nur noch selten aufgetreten. Ich habe einfach ein völlig anderes Leben geführt - ab und zu habe ich in der Bäckerei des Onkels meines Mannes Brötchen verkauft.

Was für ein Absturz.

Ach was, Arbeit schändet nicht. Sogar im Fischladen meines damaligen Mannes habe ich ausgeholfen. Doch nachdem in einer großen Boulevardzeitung ein Foto von mir hinterm Verkaufstresen zu sehen war, kriegte ich einen Anruf von meiner Agentur: Frau Graf, wir können Sie so nicht mehr verkaufen. Das war's dann. Ich kriegte keinen einzigen Auftritt mehr.

1989 wurde Ihre Ehe geschieden. Wie ging es weiter?

Ich bin wieder als Sängerin aufgetreten. Das klappte ganz gut, auch wenn ich an meine alten Erfolge nicht mehr anknüpfen konnte. Mit meinem neuen Lebensgefährten habe ich 2004 dann ein Café gepachtet, zwei Jahre später erschien mein Album "Ich hör' Dir zu". Das Café lief eigentlich auch ganz gut.

"Eigentlich" lässt nichts Gutes ahnen ...

Ja, ich habe mich mit ein paar privaten Investitionen verspekuliert. Dann kriselte es auch noch in der Beziehung. Inzwischen bin ich wieder Single. Und leider auch pleite.

Kollege Gunter Gabriel hat auf privaten Geburtstagsfeiern gespielt, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Würde ich auch machen, wenn es sein muss. Damit habe ich kein Problem. Hauptsache, den Leuten gefällt es. Ich fange halt wieder von vorne an. Frische gerade alte Kontakte auf, will ein neues Album aufnehmen. Außerdem habe ich noch ein Buchmanuskript in der Schublade.

Sie haben ein Buch geschrieben?

Ja, meine Biografie. Sie handelt von meinem Leben, das ja nicht immer ganz einfach war, und von den Tücken des Showgeschäftes. Aufstieg und Fall einer Sängerin, wenn man so will.

Sie wurden im ARD-"Talentschuppen" entdeckt. Gerade suchte Deutschland mal wieder den Superstar. Haben Sie sich die Sendung angeguckt?

Ja, aber ich habe es nicht lange vor dem Bildschirm ausgehalten. Ich verstehe nicht, warum sich die jungen Kollegen so beschimpfen lassen, nur um ein Star zu werden. Beim "Talentschuppen" ging's menschlich zu. Da wurde niemand fertiggemacht, sondern getröstet, wenn es nicht geklappt hatte.

Was raten Sie dem Nachwuchs, der heute von einer Gesangskarriere träumt?

Vorher einen handfesten Beruf zu erlernen. Dass eine gute Stimme kein Garant für eine langjährige Karriere ist, sieht man ja an mir.

Interview: Kerstin Schneider / print
Themen in diesem Artikel