Was macht eigentlich ... ... Roger Hodgson?

In der zweiten Hälfte der Siebziger prägte der Sänger von Supertramp mit seiner hohen Stimme einen eigenen Sound. 1983 verließ er die Band - und bald wurde es still um ihn.

War es ein Fehler, Supertramp 1983 zu verlassen?

Nein. 14 Jahre lang habe ich der Band alles geopfert. Dann bin ich meinem Herzen gefolgt, das sagte: Du bist fertig mit Supertramp, deine nächste Lernphase ist es, Vater zweier Kinder zu sein und neue spirituelle Werte zu finden.

Auf der Supertramp-Tour 2002 sang dann ein neuer Sänger Ihre Klassiker.

Das tat weh. Als ich ging, einigten mein Ex-Partner Rick Davies und ich uns: Er bekommt den Bandnamen und ich meine Lieder. Er hat die Übereinkunft gebrochen. Das war auch für Supertramp schlecht, sie klangen wie eine Coverband.

Ist Supertramp ohne Sie nur halb so gut?

Schwer zu sagen. Supertramp hat fast nichts mehr mit der Band zu tun, in der ich war. Sie wurde zu Ricks Band, sein Stil hat sich verändert. Supertramp ist quasi Rick Davies, der entscheidet, mit wem er auf Tour geht. Ich glaube aber, Rick und Supertramp sind nun im Ruhestand.

Zur Person

Roger Hodgson, geb. 1950 im englischen Portsmouth, wurde berühmt für seine hohe, chorknabenhafte Stimme. 1969 suchte der Sänger und Keyboarder Rick Davies per Annonce Musiker für eine Band. Hodgson meldete sich, gemeinsam gründeten die zwei Supertramp. Fünf Jahre später gelang mit der Single "Dreamer" der erste Hit, es folgten "The Logical Song", "Breakfast In America" oder "Give A Little Bit". 1983 verließ Hodgson die Band im Streit. Er ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder und lebt heute in Kalifornien.

Im vorigen Jahr unterstützten Sie als Mentor die Wettbewerber von "Canadian Idol", der Superstar-Show in Kanada. Wie finden Sie diese Castingshows für junge Musiker?

Das Superstarshow-Phänomen ist seltsam, aber im Musikbusiness gibt es sonst kein Mentorenprogramm. Du wirst ins tiefe Wasser geworfen, und man erwartet, dass du schwimmst. Die Mitarbeit bei "Canadian Idol" hat Spaß gemacht, viele der jungen Sänger waren sehr talentiert, hatten große Träume. Das erinnerte mich an die Zeit, als ich selbst 18, 19 war.

Nach Supertramp brachten Sie zwei Alben heraus. Dann wurde es auf einmal still um Sie. Warum?

Ich war noch nicht so weit, ohne Band zu sein. Heute bin ich selbstsicherer, habe Spaß, als Solokünstler auf der Bühne zu stehen. Aber damals? Supertramp war mein Baby gewesen und die Leidenschaft für das Projekt "Roger Hodgson" noch nicht ausgeprägt genug.

Oder war Ihnen der Druck zu groß?

Wer erfolgreich ist, steht unter großem Druck, es zu bleiben. 1987, vier Jahre nach dem Ausstieg bei Supertramp, stürzte ich und brach mir beide Handgelenke. Da musste ich aufhören, so versessen auf Erfolg zu sein, musste überlegen: Wer ist der Mensch Roger Hodgson, und kann er auch glücklich sein, wenn er nie wieder Gitarre spielt? Denn das war die Diagnose der Ärzte: dass ich nie wieder spielen könnte.

Für einen Musiker eine besonders harte Diagnose

. Ja - zum Glück traf sie nicht zu, auch dank meines zähen Willens. Aber mir wurde trotzdem klar: Wenn ich sterbe, kann ich meine Gold-Alben nicht mitnehmen, mein Glück darf also nicht davon abhängen. Heute brauche ich keine große Karriere mehr, um glücklich zu sein.

Haben Sie in der Spiritualität Antworten gefunden?

Ich hatte immer große Fragen: Warum bin ich hier? Was ist der Sinn des Lebens? Gott war mir sehr wichtig, aber ich hatte keine Ahnung, wer oder was Gott ist. Nun habe ich etwas mehr Ahnung: Gott ist Liebe. Ich glaube wirklich, dass wir hier sind, um zu lieben und zu geben.

Wird es je wieder einen gemeinsamen Auftritt mit Supertramp geben?

Im Moment sehe ich es nicht. Als vor zwei Jahren das Supertramp-Sammelalbum "Retrospectacle" erschien, dachte ich: Vielleicht ist es Zeit, wieder etwas gemeinsam zu machen. Aber Rick Davies hatte kein Interesse. Vermutlich ist es besser so. Die Menschen verlieben sich in einen Namen, aber es sind die Songs, die sie berührt haben. Und so viele der Hits habe ich damals geschrieben: Das ist die Verbindung zu meinen Fans - nicht der Name Supertramp.

Interview: Christine Zerwes

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