HOME

Was macht eigentlich...: ...Erica Jong?

Ihr Bestseller "Angst vorm Fliegen" aus dem Jahr 1973 gilt als Klassiker der weiblichen erotischen Literatur. 15 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft.

Mit wie vielen Männern haben Sie eigentlich geschlafen?

Ich habe sie nicht gezählt. Zählen, das machen doch nur Männer. Ich wechselte meine Partner lange nicht so oft, wie es sich die Leser vorstellen. Als ob ich es hinter jedem Busch treiben würde.

Aber Sie gelten als "Königin der Erotik".

Es ist idiotisch, in diese Schublade gesteckt zu werden. Viele Männer hatten deshalb Angst vor mir, dachten, sie müssten eine besonders tolle Leistung im Bett erbringen, der unschlagbare Hengst sein.

Der Skandal war doch vorherzusehen, als Sie "Angst vorm Fliegen" veröffentlichten.

Männliche Schriftsteller wie Henry Miller oder Philip Roth konnten schon lange über Sex schreiben. Aber nicht Frauen. Ich wusste zwar, wie viele Vorurteile es gibt, aber nicht, was mich erwarten würde. Ich wurde als Hure und Schlampe beschimpft, in einer Talkshow sagte der Moderator zu mir: "Geben Sie es zu - Sie wollen nur im Stehen pinkeln können."

Über die Ehe haben Sie, inzwischen zum vierten Mal verheiratet, gesagt: Ich heirate nur, um Material zum Schreiben zu haben.

Das war nur so dahingesagt. Dafür ist eine Trennung zu schmerzvoll. Wenn man älter wird, überlegt man es sich zweimal, ob man eine Beziehung für das Rumtreiben verlässt.

Warum ist es dreimal schief gegangen?

Ich habe viel zu jung geheiratet. Beim ersten Mal war ich 21 Jahre, mein Mann war schizophren, was ich zuvor aber nicht wusste. Mit 23 heiratete ich einen Psychiater, der nicht zu mir passte. Mit meinem jetzigen Ehemann bin ich 16 Jahre verheiratet. Wir sind uns nah, weil er zwischen mir und der Person, die die Bücher schreibt, trennen kann.

Ihre Tochter Molly heiratete auch schon mit 25 Jahren ...

... und bekam mit 26 ihr erstes Kind. In den 70er Jahren wurde die Ehe für tot erklärt, doch die Generation meiner Tochter ist wieder puritanisch. Die glauben, dass in den Siebzigern alle Marihuana rauchten und Orgien feierten. Das war natürlich nicht so. Ich denke, die junge Generation rebelliert mit Puritanismus.

Molly schreibt ebenfalls Bücher - und hat von "Angst vorm Fliegen" nur ein paar Seiten gelesen. War es ihr zu peinlich?

Sie sagt, dass sie es bald lesen wird. Sie will nicht im Schatten ihrer Mutter stehen. Das ist normal, dass sie nicht meine Bücher liest, bevor sie nicht eine eigene Identität geformt hat.

Sie haben seit "Angst vorm Fliegen" zahlreiche Romane geschrieben, sind aber nie zum Konzept Ihres Erstlings zurück.

Ich hätte sehr reich werden können, wenn ich nur noch Sexromane geschrieben hätte. Aber ich will mich nicht selbst langweilen. Bestimmte Themen kehren allerdings in all meinen Büchern immer wieder: die Selbstverwirklichung von Frauen, ihr Platz in der Gesellschaft.

Zurzeit schreiben Sie an einem neuen Buch. Worum geht es?

Es sind Geschichten über den Schmerz des Schreibens, über meine Erfahrungen als Schriftstellerin. Danach möchte ich einen Roman über das Älterwerden von Frauen schreiben. Wenn man 50 Jahre alt wird, durchläuft jeder eine Identitätskrise.

Haben Sie immer noch Angst vorm Fliegen?

Nein. Aber meine Tochter hat sie noch. Als sie ihr Buch in der Talkshow von Oprah Winfrey in Chicago vorstellte, musste ich mit ihr mit dem Zug zurückfahren - eine lange Reise. Sie hat Hypnose und alles andere gegen Flugangst probiert, aber nichts hilft. Doch ich bin sicher: Sie wird die Angst los.

Thomas Jahn / print
Themen in diesem Artikel