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George Washington University Ihre Freunde sind entsetzt: Weiße Professorin gab sich jahrelang als Schwarze aus

Die Professorin Jessica Krug hat zugegeben, sich über ihre gesamte Universitäts-Karriere als Schwarze ausgegeben zu haben, obwohl sie weiß ist.
Die Professorin Jessica Krug hat zugegeben, sich über ihre gesamte Universitäts-Karriere als Schwarze ausgegeben zu haben, obwohl sie weiß ist.
© Youtube
Dieser Fall schlägt in den USA hohe Wellen: Eine Professorin für Afrikanisch-amerikanische Geschichte an der George Washington University hat sich jahrelang als Schwarze ausgegeben. Nun gestand sie, weiß zu sein.

Aus einer ähnlichen Konstellation hat der Schriftsteller Philip Roth einen seiner besten Romane geschrieben. Doch der nun bekannt gewordene Fall von Jessica Krug ist real: Die 38-Jährige ist Professorin für Afrikanisch-amerikanische Geschichte an der George Washington University - und hat ihre akademische Karriere unter Vortäuschung einer falschen Identität absolviert.

Denn bislang gab sich Krug als Schwarze aus - was angesichts ihrer thematischen Schwerpunkte durchaus von Vorteil gewesen sein dürfte. "Jessica A. Krug ist Historikerin für Politik, Ideen und kulturelle Praktiken in Afrika und der afrikanischen Diaspora, mit einem speziellen Interesse für Mittel-West-Afrika", heißt es auf der Website der George Washington University, wo sie als Associate Professor auf geführt wird, was einer Position zwischen einem Assistenzprofessor und einer Vollprofessur entspricht. Daneben machte sich Krug auch auch als politische Aktivistin für die Belange von Schwarzen einen Namen.

Jessica Krug macht ihre Täuschung öffentlich

In einem am Donnerstag veröffentlichen Post offenbarte die Akademikerin nun ihre wahre Herkunft: Sie sei eigentlich eine weiße Jüdin und in Kansas City aufgewachsen, schrieb sie. Das habe sie jedoch hinter verschiedenen erdachten schwarzen Identitäten verborgen, zunächst gab sie sich als nordafrikanische, später US-amerikanische und schließlich als aus der Bronx stammende Schwarze mit karibischen Wurzeln aus.

Dazu habe sie nicht das geringste Recht gehabt, schreibt sie heute. "Meine wiederholte Aneignung einer schwarzen karibischen Identität ist nicht nur im schlimmsten Sinne falsch - unethisch, unmoralisch, schwarzenfeindlich, kolonialistisch -, ich habe darüber hinaus auch die Menschen manipuliert, die ich liebe."

Ihr sei bewusst, dass sie psychische Probleme habe, schreibt sie, will das aber nicht als Entschuldigung für ihr Verhalten gelten lassen. Oft habe sie mit dem Gedanken gespielt, den Schwindel zu beenden - doch ihre Feigheit sei stets größer gewesen als ihre Moral.

Ihre früheren Freunde reagieren entsetzt

Ihr Posting ist ein Dokument tiefer Verzweiflung und Zerknirschung. Aus ihm spricht die Unmöglichkeit, ihr bisheriges Leben nach Auffliegen der Lüge fortzuführen. Denn mit ihren Lügen hat sie viele Menschen schwer verletzt - das ist ihr bewusst. Mit Blick auf die gerade in den USA verbreitete "Cancel Culture", also das Ausladen, Meiden und Ächten von unliebsamen Personen, schreibt sie: "Ihr solltet mich 'canceln', und ich sollte mich selbst 'canceln'."

Tatsächlich dürfte es genau so kommen. Die ersten Reaktionen auf ihr Bekenntnis sind verheerend. Der schwarze Publizist und Drehbuchautor Hari Ziyad schrieb auf Twitter, er habe sich bis zu diesem Moment als ihr Freund bezeichnet - und wirft Krug vor, sie habe sich nur deshalb zu ihren Lügen bekannt, weil es bereits herausgekommen sei. Ähnlich äußerten sich weitere frühere Freundinnen und Freunde. 

Welche beruflichen Konsequenzen Jessica Krugs Offenlegung haben, ist momentan noch nicht absehbar. Auf der Homepage der George Washington University wird sie noch als Professorin aufgeführt. Vermutlich wird sie jedoch für die Institution nicht tragbar sein.

Philip Roth schilderte 2000 einen umgekehrten Fall

Vor bereits 20 Jahren hat der amerikanische Schriftsteller Philip Roth in seinem Roman "Der menschliche Makel" einen umgekehrten Fall geschildert. Der im Mittelpunkt stehende Professor Coleman Silk ist als hellhäutiger Schwarzer geboren worden, nahm jedoch später die Identität eines weißen Juden an. 

Silk verliert letztlich seine Professur wegen eines Vorfalls, in dem ihm Rassismus gegenüber Schwarzen vorgeworfen wird. Ein Vorwurf, dem sich nun auch Jessica Krug ausgesetzt sieht. 

Verwendete Quellen: George Washington University, "medium.com"

che

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