Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
alles spricht eigentlich gerade gegen die Grünen: Die Wirtschaft lahmt, die Bürger sind dauerbesorgt um ihre Finanzen, Entbürokratisierung und Freiheit die Worte der Stunde, in der internationalen Politik herrscht das Recht des Stärkeren… Und Klimaschutz, was war das eigentlich noch mal?
Der Höhenflug der Grünen ist lange vergessen – und nach der eindeutigen Abwahl der Ampel war Vizekanzler Robert Habeck selbst so frustriert, dass er sich von der politischen Bühne ganz verabschiedete. Und so wurde es still um die Grünen.
Auch vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sah es lange so aus, als ginge mit dem Abgang von Winfried Kretschmann eine einmalige Episode zu Ende, ein grüner Ministerpräsident als eine historische Ausnahme. Doch kurz vor der Wahl holte der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir plötzlich auf gegenüber dem CDU-Kandidaten Manuel Hagel. Aktuell liegen die beiden Kopf an Kopf, beide Parteien bei 28 Prozent:
Die Person Cem Özdemir zieht
Die gute Ausgangssituation der Grünen vor der Wahl hat vor allem mit Cem Özdemirs Persönlichkeit zu tun. Würde der Ministerpräsident direkt vom Volk gewählt, käme Özdemir laut Umfragen auf 47 Prozent der Stimmen. Der Grüne ist nahbar und manchmal auch volkstümlich, sehr zum Leidwesen vieler (vor allem linker) Parteigenossen. Aber das hat ja bei den Wählern noch nie einem Grünen geschadet.
Fest steht also: Das wird ein spannender Wahlabend, bei dem einmal nicht die AfD im Zentrum steht (obwohl sie deutlich zulegen dürfte). Egal ob Özdemir die Wahl gewinnt, dass er sie offen hält, ist schon ein kleiner Erfolg. Es gibt natürlich noch andere Wahlmöglichkeiten. Deshalb im Folgenden alle Spitzenkandidaten im stern-Schnellcheck:
5-Minuten-Talk: Könnten sich die Bundesgrünen über einen Wahlsieg von Özdemir freuen?
Natürlich würde sich die ganze grüne Partei über einen Wahlsieg in Baden-Württemberg freuen. Alle warten gebannt auf das Ergebnis.
Manchen Grünen im Bund allerdings schwant, dass ein Wahlsieg auch Probleme bereiten könnte. Denn: Was ist in der aktuellen Lage eigentlich grün? Und warum sollte ein Wahlsieger Özdemir Rücksicht auf die Parteispitze in Berlin nehmen? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren die grünen Befindlichkeiten, kurz und knapp in fünf Minuten, wir haben ja nicht ewig Zeit:
Trump schasst seine „ICE-Barbie“
Sie hat einen Intensivpfleger und eine Zahnarztassistentin ohne jeden echten Verdacht als „heimische Terroristen“ bezeichnet, nachdem die beiden von ICE-Agenten in Minneapolis ohne Grund und ohne Vorwarnung erschossen wurden. Natürlich kann man sich freuen, dass die unmögliche US-Heimatschutzministerin Kristi Noem ihren Posten verliert.
Aber irgendwie auch doch nicht. Denn am Ende führte sie Trumps Anweisungen aus. Und der US-Präsident sitzt noch immer fest im Sattel. Nicht einmal gegen seine eigenmächtigen Kriegsabenteuer wollen die Republikaner im Repräsentantenhaus und Senat vorgehen. Dabei hätte Trump deren Zustimmung rein rechtlich benötigt.
Währenddessen sucht sich Trump mit Kuba bereits sein nächstes Ziel aus. Und wenn dabei etwas schiefgeht, wird er sicher wieder jemanden finden, der dafür den Kopf hinhalten muss. Genug williges Personal hat er ja.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Freitag, dem 6. März 2026
- Mit einer großangelegten Übung trainiert die Bundeswehr die Rettung Verwundeter bei Kämpfen an der Ostflanke der Nato. Dabei wird auch die Verlegung in zivile Krankenhäuser in Berlin durchgespielt.
- Der Bundestag entscheidet über die Reform der Krankenhausreform. Der Bundesrat über das Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur.
- Der FC Bayern München eröffnet den 25. Spieltag – Gladbach kommt zum Abendspiel – und ist gefühlt nach dem Sieg gegen die anderen Borussen vergangenen Samstag schon wieder Meister.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Ich bin gerade auf einer Dienstreise im sonnigen Australien schreibe aber natürlich diesen Newsletter ganz normal am Schreibtisch. Je nach Nachrichtenlage mal entspannter, oder wie gerade während des Krieges im Iran deutlich angespannt. Und das geht durch den ganzen Körper.
Vielleicht sitzen Sie ja, wie ich, auch viel zu viel. Dann ist es hilfreich, sich zwischendurch zu entspannen, und ja, die Muskeln zu trainieren. Das hält fit, man lebt (hoffentlich) länger. Aber keine Angst: Dazu muss niemand ins Fitnessstudio. Es sind auch keine mächtigen Kraftmaschinen anzuschaffen. Schon ein paar Minuten helfen, wenn man sie regelmäßig macht. Bei mir klappt das mit meinen Übungen schon einigermaßen, meistens jedenfalls.
Dazu möchte ich Ihnen zwei Texte ans Herz legen, einen von meiner Kollegin Tina Pokern über die ganz kleinen Übungen nebenbei, die einen motivieren. Und einen Text von Alexandra Kraft über ein paar Übungen, die nur einen Tick aufwendiger sind. Beides ganz niedrigschwellig, versprochen:
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach