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WAS MACHT EIGENTLICH ...: Hans Günter Winkler

Trotz einer schweren Verletzung setzte sich der Springreiter bei den Olympischen Spielen 1956 in den Sattel und holte zusammen mit seiner Wunderstute Halla die Goldmedaille.

Trotz einer schweren Verletzung setzte sich der Springreiter bei den Olympischen Spielen 1956 in den Sattel und holte zusammen mit seiner Wunderstute Halla die Goldmedaille.

Zur Person:

Hans Günter Winkler, 75, ist heute Geschäftsmann. Der Sohn eines Reitlehrers und die Vollblutstute Halla waren seit 1950 ein Team, mit ihr feierte er seine größten sportlichen Erfolge. Bei den Olympischen Spielen von Stockholm zog sich Winkler am 17. Juni 1956 einen Riss im Bauchmuskel und einen Leistenbruch zu. Obwohl er sich kaum im Sattel halten konnte, trat er zum Wettkampf an und holte Gold in Einzel- und Mannschaftswertung.

Wird es nicht allmählich lästig, zum 150. Mal die Geschichte von der Wunderstute Halla und Hans Günter Winkler erzählen zu müssen?

Nein, mir läuft es noch immer kalt den Rücken runter, wenn ich an Stockholm 1956 denke. So eine Geschichte hätte man nicht besser erfinden können.

Bei diesem olympischen Reitturnier verletzten Sie sich vor dem entscheidenden Ritt so schwer, dass Sie sich kaum auf dem Pferd halten konnten. Halla sprang fast von allein und sicherte Ihnen und der Mannschaft die Goldmedaille.

Das ist mir auch heute noch regelrecht unheimlich. Es konnte gar nicht funktionieren - aber es hat funktioniert. Es war wie ein Wunder.

Was war das Besondere an Halla?

Sie galt als unreitbar, war aber sehr sensibel und intelligent. Wir haben uns gesucht und gefunden.

Ein Pferd und ein Mensch als Seelenverwandte?

Wir waren zwei Straßenkinder und wären namenlos geblieben, wenn ich nicht ihre guten Seiten zum Klingen gebracht hätte.

Heute sind Sie Geschäftsmann.

Ich arbeite seit 1991 im Sport-Sponsoring. Ich suche also Firmen, die zum Reitsport passen und entwickele Programme, mit denen die Firmen werben können.

Welche Rolle ist Ihnen lieber - die des Sportidols oder die des Managers?

Ich profitiere von beiden. Verkaufen liegt mir. Als gelernter Kaufmann kehre ich sozusagen zu meinen Wurzeln zurück. Und durch meinen Namen als Sportler bekomme ich schnell Kontakt zu den Firmen.

Wie viel Zeit opfern Sie für Ihre Firma?

Das können Sie sich selbst ausrechnen: Es gibt über 4000 registrierte Turniere pro Jahr, und ein Jahr hat 52 Wochen. Ich bin also permanent auf Reisen.

Ein Full-Time-Job.

Genau, aber wenn man erfolgreich sein will, geht das nicht anders. Ich bin heute stärker im Reitsport engagiert als zu meiner Zeit als aktiver Reiter.

Sie werden im Juli 76 Jahre alt. Warum tun Sie sich den ganzen Stress noch an?

Es macht einfach Spaß. Der gesunde Stress tut mir gut. In dem Moment, in dem ich meinen Motor abstelle, werde ich alt.»

Haben Sie denn Angst vor dem Älterwerden?

Nein, das ist kein Problem. Ich habe gar kein Gefühl für mein Alter. Ich duelliere mich laufend mit jungen Leuten und komme ganz gut dabei weg. Ich bin heute flotter auf den Beinen als zu meinen Reiterzeiten.

Sie sind zufrieden mit sich, wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken?

Natürlich. Ich habe nicht nur persönlichen Nutzen aus dem Sport gezogen, sondern dem Sport auch viel zurückgegeben.

Zum Beispiel ...?

... habe ich die Ausbildung des Reiternachwuchses geprägt.

Inwiefern?

Meine Auffassung ist: Bevor ich springen lerne, muss ich erst das Pferd kennen lernen. Das ist wie bei Michael Schumacher. Der ist nicht nur ein guter Fahrer, sondern der beste Mechaniker. Er kennt sein Sportgerät ganz genau. Das müssen auch Reiter tun.

Als Trainer galten Sie als harter Hund.

Das sehe ich nicht so. Ich habe auf Disziplin und Genauigkeit Wert gelegt. Ohne geht es nicht.

Wie oft steigen Sie noch selbst in den Sattel?

Selten. Mein Traum war es immer, gut Tennis spielen zu können. Tennis zwingt mich dazu, mich zu bewegen. Reiten kann ich immer noch, wenn ich wirklich alt bin.

Interview: Tobias Schmitz