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WAS MACHT EIGENTLICH ...: Les Holroyd

»Life Is For Living« war einer der Hits, mit denen der Engländer und seine Popgruppe Barclay James Harvest vor über 20 Jahren in Europa große Erfolge feierten.

»Life Is For Living« war einer der Hits, mit denen der Engländer und seine Popgruppe Barclay James Harvest vor über 20 Jahren in Europa große Erfolge feierten.

Zur Person:

Les Holroyd, 54, lebt mit Frau Christine, 48, und seinem 15-jährigen Sohn Christopher in der Nähe von Manchester auf einem Landgut. Als Bassist und einer von zwei Sängern der Popgruppe Barclay James Harvest gehörte Holroyd von Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern Europas. Den großen Durchbruch verdankte die Band ihrem 1977 erschienenen Album »Gone To Earth«.

Ganz ehrlich, wie ein Rapper sehen Sie nicht gerade aus.

Nein, natürlich nicht. Warum?

Vor einem Jahr landete der deutsche Rapper Samy Deluxe mit seinem Song »Weck mich auf« einen Hit, und das Stück basiert auf einem alten Song von Ihnen. Vom Kuschelrocker zum Paten des HipHop - was für eine Entwicklung!

Stimmt! Aber nicht ungewöhnlich. Schon immer haben Musiker andere Musiker zitiert. Denken Sie nur an Beethoven! Wie viele haben seine Melodien benutzt. Natürlich vergleiche ich mich nicht mit ihm, aber das ist das Prinzip.

Sie sind jetzt 54 Jahre alt. Taugen Sie noch zum Rockstar?

Ich wollte nie ein Rockstar sein und war auch nie einer. Barclay James Harvest war eine Gruppe von Musikern.

In einem Ihrer neuen Lieder heißt es: »Alles wird schwarz. Den Ruhm streichen andere ein, dein Geschick hat dich verlassen. Sie warten nur darauf, dir in den Rücken zu fallen.« Eine Selbstbeschreibung?

Als ich mich dazu entschloss, weiter Platten zu machen, war die Reaktion in meinem Umfeld ziemlich negativ. Selbst einige meiner Freunde hatten Vorbehalte und sagten: Les, das wird nicht funktionieren. Letztendlich war mir das aber egal, und ich habe mir gesagt: Es ist mein Leben! Insofern ist der Song nicht pessimistisch. Im Gegenteil.

Beim berühmten Konzert vor dem Berliner Reichstag hörten Ihrer Band vor 22 Jahren 175 000 Menschen zu. Ihr langjähriger Mitstreiter John Lees musste gerade seine Tour absagen - zu wenig Tickets verkauft.

Die Zeiten haben sich auch für uns geändert. Die Gruppe geht getrennte Wege. Auf unserer letzten gemeinsamen Tour 1997 haben wir die Leute wohl ziemlich desillusioniert.

Es gab Streit in der Band, die 1997 zur Trennung in zwei verschiedene Gruppen von Barclay James Harvest führte.

Streit ist falsch; die Trennung geschah langsam über viele Jahre. John Lees wollte zurück in die frühen Siebziger, ich wollte nach vorn schauen. Jetzt nutzen wir den Bandnamen gemeinsam für Soloprojekte.

Barclay James Harvest war vor allem in Deutschland erfolgreich. Sie selbst sind Engländer und jahrzehntelang quer durch Europa getourt. Wo sind Sie zu Hause?

Ich bin eher Europäer als Brite. Aber meine Wurzeln habe ich nördlich von Manchester. Dort besitze ich ein Anwesen auf dem Land inmitten eines Nationalparks. Meine Frau ist Reitlehrerin, wir haben viele Pferde.

Was tun Sie, wenn Sie sich nicht mit Musik beschäftigen?

Ehrlich gesagt: Das kommt kaum vor. Ich komponiere - oder ich höre Musik.

Was denn zum Beispiel?

Am liebsten Mahler oder Wagner. Ich mag diese Dramatik.

Keine Pop- oder Rockmusik?

Kaum. Das meiste Zeug kommt doch vom Fließband. Jede Woche ein neuer Star, der dann bald wieder verschwindet. Das ist nicht meine Welt.

Wofür schlägt Ihr Herz noch?

Für unsere Pferde. Und für Mountainbike-Touren mit meinem 15-jährigen Sohn.

Sie sind gläubig?

Nicht im herkömmlichen Sinne.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Nein, eigentlich nicht. Aber wenn ich schon wiedergeboren würde, dann möchte ich im 18. Jahrhundert leben.

Wegen der Livekonzerte von Johann Sebastian Bach?

Genau, und wegen der Pferde und Kutschen! Großartig!

Interview: Tobias Schmitz

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