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Was macht eigentlich...: Camillo Felgen

Der Moderator, Sänger und Liedtexter leitete von 1965 bis 1973 die ARD-Show „Spiel ohne Grenzen“. Das beliebte Städte-Duell sahen europaweit bis zu 100 Millionen Zuschauer

Zur Person:

Der 82-Jährige ist seit 1986 mit Marianna, seiner dritten Frau, verheiratet und hat zwei Söhne aus zweiter Ehe. Felgen hatte einige Jahre als Lehrer gearbeitet, bevor er Gesang und Schauspiel studierte. Anschließend feierte er als Sänger ("Sag warum", "Ich hab´ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren") und Songtexter ("Ich zähle täglich meine Sorgen") Erfolge. 1958 startete er seine berühmte Hitparade bei Radio Luxemburg und übernahm von 1965 bis 1973 die Leitung von "Spiel ohne Grenzen". Camillo Felgen war später auch als Verleger aktiv und betreibt mit seiner Frau eine Boutique für Ball- und Hochzeitskleider

"1001 Nacht" in Radevormwald, sagt Ihnen das noch was?

Ja, ich glaube, das war 1970. Radevormwald spielte gegen?

... Bocholt.

Richtig, und das Motto war "1001 Nacht". Im Team von Radevormwald war eine später sehr berühmte Sportlerin dabei: Heide Rosendahl. Die ist bei einem Spiel damals von einer Art Karussell geflogen.

Wie sieht´s mit Eichstätt aus?

Die haben 1966 gleich im zweiten Jahr als erstes deutsches Team den internationalen Titel geholt. Es goss wie aus Eimern, und ein Sportlehrer hat sich die Achillessehne gerissen.

Dass Sie Spielleiter bei "Spiel ohne Grenzen" wurden, haben Sie einer Kuh zu verdanken.

Kann man so sagen. Bei der Premiere in dem Pyrenäenort Dax war ich noch Kommentator und Arnim Dahl Spielleiter. Da gab´s eine sehr temperamentvolle Kuh, die jedem Kandidaten hinterherlief. Einer sprang über das Trampolin hinweg, die Kuh landete drauf, kam nicht mehr runter und wippte auf und ab. Sie können sich vorstellen, wie das aussah. Fünf Sekunden versuchte ich, die Szene seriös zu beschreiben, dann hat´s mich gepackt: Ich lachte mich kaputt. Das gefiel den Leuten wohl so sehr, dass ich ab der zweiten Sendung die Spielleitung übernehmen durfte.

1973 sind Sie nach 125 Sendungen ausgestiegen, warum?

Ich begann langsam mich zu wiederholen, das Spielprinzip ist ja weitgehend gleich. Ich hatte das Gefühl, bei gesteigerter Gage immer weniger leisten zu müssen.

Die ARD will jetzt mit "Deutschland Champions" das Format wiederbeleben. Schalten Sie ein?

Ich habe davon gar nichts gewusst, aber wenn ich nichts zu tun habe, sehe ich mir das sicherlich an.

Was haben Sie denn zu tun?

Ich arbeite gerade an einer neuen CD. Ab und zu mache ich auch eine Radiosendung und bin im Fernsehen. Zuletzt bei Freddy Quinns 70. Geburtstag.

Sie waren Lehrer, haben moderiert, geschauspielert, gesungen und über 2000 Songs getextet, darunter viele Hits. Sogar für die Beatles.

Ja, die beiden einzigen Lieder, die die vier je in Deutsch aufgenommen haben: "Sie liebt dich" und "Komm, gib mir deine Hand", die Übersetzungen von "She Loves You" und "I Want To Hold Your Hand".

Für die Sie damals extra zu den Beatles nach Paris geflogen sind.

Der deutsche Produzent Otto Demler war verzweifelt: Das Studio war gebucht, die Beatles wegen eines Konzerts in der Stadt, aber bei der bereits fertigen Übersetzung war nur noch die Melodie authentisch. Er ließ mich nach Paris einfliegen, ins Hotel George V., wo ich dann mit John Lennon die Texte besprach und loslegte - mit Otto und einer Flasche Whisky. Am nächsten Tag waren die Aufnahmen im Kasten.

Ein paar Jahre vorher hatten Sie als erster DJ Geschichte geschrieben, 1959, im Aachener Scotch Club ...

Soweit ich weiß, war ich der Erste, der öffentlich Platten aufgelegt hat. Ich brachte meine beiden Plattenspieler mit, meine Verstärker und habe die Lautsprecher im ganzen Saal verteilt. Dann ging´s los. Musik machen, Tanzspiele, Quiz-Einlagen - bis vier Uhr morgens.

Was hätten Sie gern noch gemacht?

Ich habe Musik studiert, weil ich Opernsänger werden wollte. Das hat trotz meiner Ausbildung zum Bariton leider nicht geklappt. Das bedauere ich schon.

Es ist nie zu spät ...

In dem Fall schon. Aber keine Angst, solange mir das Singen Spaß macht und den Leuten auch, ist noch kein Ende in Sicht.

Interview: Bernd Teichmann