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Was macht eigentlich...: Dieter Scholz

Anfang der 70er Jahre stiefelte der gelernte Dekorateur, im Nebenjob Fotomodel, als Camel-Mann meilenweit für seine Zigaretten

Zur Person:

Dieter Scholz, 66, mit Hund Yogi auf seinem zehn Hektar großen Grundstück in der Eifel, wo er heute ein Seminarzentrum leitet und die Weisheiten der Indianer lehrt. Der in Breslau geborene Scholz wuchs in Köln auf, lernte Dekorateur, machte sich als Messebauer selbstständig und arbeitete nebenbei als Model - so wurde er Anfang der 70er Jahre als Camel-Mann entdeckt. Später eröffnete der Vater von zwei Kindern eine Werbeagentur und gründete das Fachmagazin "Fashion Today", das er bis heute herausgibt

Das Interview mit Dieter Scholz führte Ulrike von Bülow

Zigarette?

Nein, danke. Ich bin Nichtraucher.

Der Camel-Mann hat nie geraucht?

Als ich zum Casting fuhr, habe ich auf dem Weg geübt. Aber ich habe nur gepafft, wie später bei den Aufnahmen auch. Ich glaube, die von Camel wissen bis heute nicht, dass sie damals einen Nichtraucher fotografiert haben.

Es war die erste Kampagne der US-Marke in Europa: Zu dem Slogan "Ich geh' meilenweit für Camel Filter" gaben Sie den lässigen Kerl mit den abgelatschten Schuhen.

Der Schuh war präpariert: Das Loch wurde mit einem Schleifstein aufgescheuert. Aber das wilde Leben, das durch die Werbung dargestellt werden sollte, haben wir tatsächlich erlebt. Wir waren für die Aufnahmen sechs Wochen am Kilimandscharo und in der Serengeti unterwegs. In einem Camp gab es einen Gorilla, und der rauchte wie ein Schlot.

Bitte?

Ja, wenn man sich dem näherte, hat er an seinem Käfig gekratzt, bis man ihm eine Zigarette gab. Ich nehme an, dass er von irgendwelchen Wärtern zum Rauchen erzogen wurde.

Hatten Sie ein schlechtes Gewissen dabei, die Menschen zum Rauchen zu animieren?

Letztlich muss jeder selber wissen, ob er's tut. Heute finde ich es nicht mehr so toll, aber damals war das für mich ein Job wie jeder andere auch. Das Material aus den Aufnahmen wurde über zwei Jahre ausgeschlachtet - das war gut für mich, weil ich an jeder neuen Anzeige mitverdiente.

Wie viel Geld gab's damals?

Ich weiß nicht mehr, was ich im Einzelnen bekam, aber ich hatte als Model ein Jahreseinkommen von 220 000 Mark. Nach sechs Jahren aber war ich es leid, immer nur vor der Kamera zu stehen. Ich habe dann eine Werbeagentur eröffnet, die sich auf Mode und Bekleidung spezialisierte. Das habe ich bis 1995 gemacht.

Wie ging es in Ihrem Leben weiter?

Ich hatte mir damals von dem Geld ein kleines Anwesen hier in der Eifel gekauft, mit eigener Wasserquelle und Stromversorgung, wo ich 25 Jahre mit der Familie gewohnt habe und das mit der Zeit ausgebaut wurde. Aber wie das so ist: Die Kinder gehen aus dem Haus, es gibt eine neue Lebenspartnerin. So habe ich aus dem Haus ein Seminarzentrum gemacht, das ich bis heute leite. Wir haben das Haupthaus mit 40 Betten, ein Indianerdorf mit Tipis und Schwitzhüttenplatz...

... was ist das denn?

Das ist eine indianische Zeremonie zur Reinigung des Geistes. Man sitzt in einem Iglu aus Weiden, es ist dunkel, Wasser wird auf glühende Lavasteine geschüttet, und dann werden indianische Lieder gesungen. Für manche Leute ist das, als würden sie in den Mutterleib zurückgehen und neu geboren werden. Eines Tages kamen die Lakota-Sioux aus South Dakota hierher, um ein Seminar abzuhalten, und die haben mich sehr beeindruckt. Wir wurden dann indianische Verwandte.

Sie sind sozusagen Blutsbrüder wie Old Shatterhand und Winnetou?

Da ist kein Blut geflossen, das gibt es nur in Romanen. Aber ich habe die heilige Pfeife mit den Häuptlingen geraucht und wurde damit in den Stamm aufgenommen. Ich leite unter anderem ein Seminar für Führungskräfte, das heißt "Neue Erfahrungen für Häuptlinge" - sehr beliebt bei Teams, die zusammenwachsen wollen.

Was lehren Sie?

Klarheit ins Leben zu bringen. Wie man besser miteinander umgeht und sich gegenseitig respektiert. Achtsam zu sein. Mir hat mal ein alter Indianer gesagt: "Nichts auf dieser Welt hat irgendeine Bedeutung, egal, was es ist. Aber alles hat die Bedeutung, die du selber reingibst."

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