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Was macht eigentlich...: Fred Bertelmann

Mit dem Schlager der lachende Vagabund hatte der in Duisburg geborene Sänger und Schauspieler 1957 seinen größten Erfolg. Bertelmann pendelt zwischen seiner Lebensgefährtin Christa in Regensburg und seiner Ehefrau Ruth Kappelsberger, die am Starnberger See lebt; die beiden haben 1966 geheiratet

Zur Person

Mit dem Schlager der lachende Vagabund hatte der in Duisburg geborene Sänger und Schauspieler 1957 seinen größten Erfolg. Bertelmann pendelt zwischen seiner Lebensgefährtin Christa in Regensburg und seiner Ehefrau Ruth Kappelsberger, die am Starnberger See lebt; die beiden haben 1966 geheiratet.
Das Interview mit Fred Bertelmann führte Holger Witzel

In "Sonny Boys" spielen Sie einen greisen Comedy-Star, der es nach 40 Jahren satt hat, den immer gleichen Sketch aufzuführen. Geht es Ihnen als "Der lachende Vagabund" ähnlich?

Nein. Wirklich nicht. Das Lied hat mich reich und berühmt gemacht. Und der Film läuft immer noch alle paar Wochen irgendwo im Fernsehen. Warum sollte ich es satt haben?

Weil viele nach 46 Jahren nur diesen Schlager mit Ihnen verbinden. Dabei haben Sie…

Tausende gesungen. Aber der lachende Vagabund hat ja viele andere Dinge erst möglich gemacht, wie Filme, Platten, Musicals in den USA. Es gibt schlechtere Images.

Gehören zum Vagabundenleben auch mehrere Frauen?

Was Sie andeuten, ist seit Jahren geklärt: Ich pendle schon ewig zwischen Regensburg, wo ich mit meiner Lebensgefährtin Christa lebe, und meinem Haus am Starnberger See, wo ich die Verantwortung für meine Ehefrau Ruth Kappelsberger wahrnehme.

Ihre dritte große Liebe war immer Amerika. Warum?

Vor allem wegen des Swing. Das hat in der Kriegsgefangenschaft angefangen. Die Amerikaner haben uns Noten und Instrumente gegeben. Die Gefangenschaft war überhaupt der Grundstein für alles. Im Camp in Arizona haben wir auch den ersten Film mit Frank Sinatra gesehen - ein Scheißfilm -, aber Sinatra war ich sofort verfallen. Später habe ich ihn in der New Yorker Carnegie Hall erlebt. Ich war selbst schon ein kleiner Star - als Neger in Chicago -, aber ich saß weinend im Publikum, wie ein Kind.

Als "Neger" in Chicago?

Ja, im Musical "Showboat". Zwei schwarze Baritone hatten die Rolle beim Vorsingen nicht bekommen. Ich dagegen musste schwarz geschminkt werden. Dafür haben die beiden mich damals immer geschnitten, was ich zunächst nicht verstand. Später wurden wir Freunde, sie standen sogar zu meinem 60. Geburtstag vor der Tür. Heute weiß ich, woher ihre Wut kam. Zu der Zeit war es noch nicht lange her, dass Schwarze gar nicht auf die Bühne durften.

Sind Sie noch oft in Amerika?

Nicht mehr. Eine meiner Töchter lebt zwar dort. Aber seit einem Jahr fliege ich nicht mehr. In meinem Alter lässt man sich von hysterischen Security-Beamten nicht mehr so gern an die Hose langen.

Warum konnte man früher mit Lachen so erfolgreich sein?

Die Menschen waren anders. Wir haben uns noch gefreut, dass man wieder was zu lachen hatte, ins Theater gehen konnte, in Konzerte. Die jungen Künstler heute tun mir alle so leid. Auf jedem Sender irgend- ein Quatsch! Die Leute brauchen sogar im Urlaub Animateure, weil sie sich nicht mehr selbst unterhalten können. Da stimmt doch was nicht.

Trinken Sie deshalb schon am frühen Nachmittag Whisky?

Ja, jeden Tag: Scotch mit Leitungswasser. Er hat mir einmal das Leben gerettet.

Wie das?

Es war 1968 in Detroit, ich hatte plötzlich rasende Schmerzen, aber keine Zeit für den Arzt. Da hat mir ein Kollege Scotch eingeflößt, und es ging wieder auf die Bühne. Tage später bestätigte ein Arzt den Infarkt. Seitdem glaube ich an diese Medizin. Sie hält mich jung. Außerdem trage ich keine Uhr. Dann ist Zeit nur eine Frage der Einstellung. Trotzdem warte ich immer auf die Frage, wann ich endlich abtrete. Aber die stellt mir keiner, wahrscheinlich aus Takt.

Wenn Sie unbedingt wollen - wann denn?

Danke. Genau dann, wenn mir mein Manitu sagt: Geh hinter die Bühne, leg dich hin und sei tot.

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