Was macht eigentlich... Jean-Marie Pfaff


Jean-Marie Pfaff, 50, spielte 61-mal für das belgische Nationalteam, wurde 1987 als weltbester Torhüter ausgezeichnet.

Zur Person

Jean-Marie Pfaff, 50, lebt mit Ehefrau Carmen, drei Töchtern, den Schwiegersöhnen, Enkelkindern und seinem Vater in seinem Haus bei Antwerpen. Pfaff war zunächst wegen mangelnder Körpergröße bei seinem Stammverein SK Beveren abgelehnt worden, startete von dort dann aber eine große Karriere. Er spielte 61-mal für das belgische Nationalteam, wurde 1987 als weltbester Torhüter ausgezeichnet. Mit dem FC Bayern gewann er 1984 den DFB-Pokal.

Das Interview mit Jean-Marie Pfaff führte Albert Eikenaar

Zeigen Sie doch mal Ihre Hände - die sehen gar nicht aus wie Kohlenschaufeln.

Es ist ein Irrtum zu denken, dass Torhüter Riesenpranken brauchten. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich trotz kurzer Finger richtig Kohle schaufeln konnte.

Kritiker sprachen von Geldsucht…

Wenn man aus einer großen Familie kommt, die fürs tägliche Brot richtig schuften musste, hat Geld einen anderen Wert als für Menschen, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren werden. Ich schäme mich aber nicht für meine Herkunft. Alles, was Sie hier sehen, verdiente ich wortwörtlich mit eigener Hände Arbeit.

Wenn nicht die Pranken, was ist dann das Geheimnis eines Spitzentorwarts?

Die Mischung aus Reflexen, Sprungkraft, Technik und Konzentration. Dazu kommt der Wille, den Ball in allen Situationen fangen zu wollen. Der richtige Riecher halt.

1982 wechselten Sie vom regionalen SK Beveren zu einem deutschen Verein von Weltklasse.

Ich spielte zwar in der belgischen Nationalmannschaft, aber Brügge oder Anderlecht machten mir kein Angebot. Dafür meldete sich FC Bayern München mit dem Trainer Pal Csernai. Und ich akzeptierte - vor allem, um den belgischen Klubmanagern eins auszuwischen.

Nach Ihrem Abschied vom aktiven Fußball sind Sie vor allem wegen Ihres Talentes zur Selbstvermarktung eine Art Kultfigur geworden.

Ich halte Vorlesungen vor Geschäftsleuten. Motivationskurse. Mastercard heuerte mich als Botschafter an. Ich repräsentiere das Unternehmen bei allen möglichen Veranstaltungen. Es ist schön, anderen über meinen Aufstieg vom Straßenkicker zum Weltstar zu erzählen.

Eines Ihrer neuesten Hobbys ist es auch, mit einem Kleinlaster bei der Rallye Paris-Dakar durch die Sahara zu rasen.

Knochenarbeit. Duschen geht nicht. Zum Essen gibt es quasi nur Sand. Drei Wochen lang strapaziert man die eigenen Grenzen. Aber ich habe überlebt.

Und Sie spielten im flämischen Fernsehen die Hauptrolle in einer 14-teiligen Soap, die Ihr Familienleben hautnah zeigte.

Der Alltag der Pfaffs wurde auf Video aufgezeichnet und stark geschnitten gesendet, ohne Intimitäten.

Trotzdem schauten Millionen zu.

Im Prinzip war zu sehen, wie wir unsere Butterbrote schmierten, oder wie Opa eine Flasche Bier zu viel in sich hineinschüttete. Sterbenslangweilig. Aber solche Formate liegen eben im Trend.

Als Sie sich 1989 von Bayern trennten, wollten Sie zehn Jahre nichts mehr mit Fußball zu tun haben. Diese Frist ist inzwischen längst vorbei…

Ja, meine Frau und die Kinder drängeln auch schon, dass ich noch mal mit dem Fußball anfange, jetzt als Trainer. Derzeit betreue ich zwar in Belgien ein paar Klubs, ein deutscher Liga-Verein wäre jedoch mein absoluter Traum.

Der deutsche Fußball hat zurzeit aber einige Probleme…

Ach, Deutschlands Fußball kennt keine großen Krisen. Es ist normal, dass nach zehn Topjahren eine Übergangsperiode folgt. Ich halte es sogar für sinnvoll, alles auf die WM 2006 zu setzen. Dafür muss man heute schon die Grundlagen schaffen.

Mit einem "durchlässigen" Kahn im Tor ?

Sie sollten damit keinen Spaß machen. Solches Missgeschick wie im Hinspiel gegen Madrid passiert nun mal. Ein Fehler, ein Betriebsunfall. Kahn dafür zu verdammen wäre ungerecht.

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