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Was macht eigentlich...: Lys Assia

Die Chansonette aus der Schweiz gewann 1956 den ersten Grand Prix d'Eurovision. Berühmt geworden war sie schon vorher durch den Schlager "Oh, mein Papa"

Zur Person:

Die 78-Jährige lebt in Cannes und war zweimal verheiratet. Geboren als Rosa Mina Schärer im schweizerischen Lenzburg, avancierte sie nach ihrer Gesangsausbildung zu einer der weltweit erfolgreichsten Chanson-Sängerinnen. Der Schlager "Oh, mein Papa" ist bis heute mit ihrem Namen verbunden. 1956 gewann sie für die Schweiz mit dem Lied "Refrain" in Lugano den ersten Grand Prix d'Eurovision.

Nach der Hochzeit mit dem dänischen Hotelier Oscar Pedersen 1963 zog sie sich auf der Höhe ihres Ruhmes aus dem Showbiz zurück und stieg in das Geschäft ihres Mannes ein. Seit dessen Tod 1995 ist Lys Assia wieder als Sängerin auf der Bühne und im Fernsehen aktiv.

Das Interview mit Lys Assia führte Bernd Teichmann

Haben Sie schon mal was von Piero Esteriore & The MusicStars gehört?

Nein, wer soll das sein?

Die gehen in diesem Jahr für die Schweiz ins Rennen um den Eurovison Song Contest.

Tut mir leid.

Wie ist es mit Max Mutzke?

Der deutsche Kandidat, für mich einer der Favoriten.

Ein bisschen interessieren Sie sich also doch noch für den Grand Prix.

Sehr! Ich werde am Samstag wie jedes Jahr vor dem Fernseher sitzen, hatte sogar eine Einladung nach Istanbul, musste aber wegen eines Fernsehtermins am Vortag absagen. Das wäre mir zu hektisch gewesen.

Ist der Grand Prix noch zeitgemäß?

Ja, wobei er mit dem ursprünglichen Gedanken - ein europäischer Preis für das beste Chanson - nicht mehr viel zu tun hat. Es gibt kaum noch einen Interpreten, der solo ein Lied in seiner Sprache singt. Heute sind das meist Gruppen mit Background-Sängern und -Tänzern, was durchaus zeitgemäß ist. Gut finde ich auch, dass jetzt viel in Englisch gesungen wird - die Zuschauer verstehen die Texte besser.

In welcher Sprache haben Sie am liebsten gesungen?

Französisch, Italienisch und Spanisch klingen am schönsten. Und Deutsch. Deutschland wurde ja meine zweite Heimat.

Wie erklären Sie sich Ihre Popularität hier?

Ich kam zum richtigen Augenblick. Alles war zerstört, die Leute waren hungrig nach etwas Schönem, wollten wieder leben, an die Zukunft glauben. Andere Stars wie Caterina Valente kamen erst später. Vico Torriani hatte mir damals zugeraten, nach Deutschland zu gehen. Denn eigentlich sollte ich ja in Amerika bleiben.

Wo Sie eine eigene TV-Show hatten.

Ja, der Auftritt im amerikanischen Fernsehen verhalf mir 1950 zu einem siebenjährigen Plattenvertrag.

Zwei Jahre zuvor hatten Sie Paris erobert.

Josephine Baker hatte mich gefragt, ob ich sie im Club Champs Elysées ablösen möchte. Ihr war das irgendwann zu viel. Sie war eine schwächliche Frau, gesundheitlich nicht stark.

Gibt es eigentlich irgendeinen Ort, wo Sie nicht aufgetreten sind?

Ja, Sidney, das war mir immer zu weit.

1955 ernannte Ägyptens König Faruk Sie zur "Königin des Tages". Wie kam es dazu?

Er besuchte damals regelmäßig meine Shows in Kairo und Alexandria und hatte mich in seinen Palast gebeten. Ich sollte auf der Geburtstagsfeier seiner Schwester singen. Anschließend sagte er: "Und heute ist Madame Assia die Königin des Tages."

Haben Sie Ihren Rückzug aus dem Showgeschäft nach der Hochzeit mit Ihrem zweiten Mann Oscar Pedersen jemals bereut?

Bereut nicht, aber ich hätte vielleicht weiter Platten aufnehmen sollen, die Rosinen noch mitnehmen. Da war ich vielleicht ein bisschen zu gutmütig.

Vor drei Jahren aber dann Ihr Versprechen: "Ich werde beweisen, dass ich's noch immer kann."

Und das habe ich getan: Im letzten November stand ich elf Tage im Berliner Urania auf der Bühne, eins der letzten Varietés. Ich habe eine Show hingelegt, kann ich Ihnen sagen! Standing Ovations nach jedem zweiten Lied! Und am Ende zwölf Vorhänge! Auch jetzt werde ich für private Veranstaltungen gebucht, und am 3. Juni bin ich bei Carmen Nebel. Die Sache mit Bohlen hat ja leider nicht geklappt.

Dieter Bohlen?

Ja, ich habe ihm vorgeschlagen, er sollte doch mal ein "Deutschland sucht den Superstar" mit den Altstars machen, die noch leben. Sind ja nicht mehr so viele. Aber er hat nie geantwortet.

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