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WAS MACHT EIGENTLICH...: Paula Jones

Die ehemalige Sekretärin behauptete, 1991 von Bill Clinton zum Oralsex gedrängt worden zu sein. Drei Jahre später zeigte sie ihn wegen sexueller Belästigung an.

Die ehemalige Sekretärin behauptete, 1991 von Bill Clinton zum Oralsex gedrängt worden zu sein. Drei Jahre später zeigte sie ihn wegen sexueller Belästigung an.

Zur Person:


Jones, heute Hausfrau, war Regierungsangestellte, als es am 8. Mai 1991 in einem Zimmer des Excelsior Hotels in Little Rock zu der folgenreichen Begegnung mit Bill Clinton, damals Gouverneur von Arkansas, gekommen sein soll. Drei Jahre später, Clinton war inzwischen US-Präsident, strengte Jones einen Prozess gegen ihn an, der im November 1998 mit einem Vergleich endete: Er zahlte ihr 850.000 Dollar, konnte aber nicht verhindern, dass im Verlauf der Ermittlungen auch sein Verhältnis zu Monica Lewinsky bekannt wurde. Jones und ihr damaliger Gatte Steve kündigen auf einer Pressekonferenz im April 1998 Berufung an, nachdem das Gericht ihre Klage abgewiesen hatte.

Ihr juristischer Kampf gegen Bill Clinton ging durch alle Instanzen, noch heute führen Sie Prozesse. Hat sich das alles gelohnt?

Finanziell sicher nicht. Von den 850 000 Dollar, die Clinton an mich zahlen musste, haben meine Anwälte 700 000 kassiert, die restlichen 150 000 musste ich versteuern. Und weil ich das Geld für die Kinder und mich brauchte, habe ich heute noch Steuerschulden.

Bedauern Sie manchmal, dass Sie überhaupt geklagt haben?

Ich bedaure sehr, was diese Anwälte daraus gemacht haben, aber nicht, Clinton angezeigt zu haben. Auch ein Präsident muss sich an Gesetze halten.

Was hat er damals eigentlich gemacht?

Er schickte seinen Leibwächter zu mir und ließ anfragen, ob ich nicht zu ihm in die Suite kommen könnte. Ich saß mit meiner Freundin am Empfang im Excelsior Hotel und war ganz aufgeregt: Der Gouverneur will mich sprechen!

Und Sie wussten nicht, was Clinton für einer war? Darüber hat man doch in Arkansas offen geredet!

Ich hatte wirklich keine blasse Ahnung. Wir haben erst Small Talk gemacht, über Hillary geredet, darüber was sie alles für die Kinder von Arkansas tut. Dann fasste er mich an, ließ die Hosen runter und sagte: Küss ihn! Und ich sage zu ihm: Ich bin nicht so ein Mädchen!

Hassen Sie Clinton?

Nein, ich hasse niemanden, sonst kommt man nicht in den Himmel. Aber ich finde richtig, was ihm passiert ist. Er hätte seine Hosen anbehalten sollen und wird sich hoffentlich bis heute sagen: Verflixt, ich habe das falsche Mädchen erwischt.

Wie wurden Sie erzogen?

Ich wuchs in einem sehr christlichen Haus auf, mein Vater gehörte zu den Nazarenern, einer besonders strikten Baptistengruppe, er war Wanderprediger und Missionar. Ich bin froh, dass ich so religiös erzogen wurde, aber manchmal war es sehr strikt. Ich durfte zum Beispiel nicht am Sportunterricht teilnehmen.

Darüber waren Sie froh?

Ich war und bin ein sehr braves Mädchen. Ich habe die Schule zu Ende gebracht, meine Schwestern haben sie abgebrochen. Die hatten auch schon mal eine Flasche Whiskey unterm Bett, ich nicht. Wir hatten zu Hause keinen Fernseher, meine Mutter hat bis heute keinen.

Dann hat sie auch nicht Ihren Show-Boxkampf gegen die ehemalige Eiskunstläuferin Tonya Harding gesehen?

Sie hat nur zu mir gesagt: »Oh Gott, Paula, worauf lässt du dich da ein!« Aber als ich ihr erzählt habe, wie viel Geld ich dafür bekomme, hat sie es besser verstanden.

Sie haben sich auch für »Penthouse« ausgezogen. Würden Sie denn für Geld alles machen?

Das waren sehr geschmackvolle Bilder. Ich habe nichts Schmutziges gezeigt und das nur wegen der Steuerschulden gemacht.

Sie haben Ihre Nase operieren lassen, mögen Sie Ihren Körper nicht?

Die war nun wirklich sehr groß, die habe ich von meinem Vater geerbt.Aber es hat mich nichts gekostet, weil so viele Ärzte angeboten hatten, sie zu ändern.

Genießen Sie es eigentlich, dauernd im Rampenlicht zu stehen?

Überhaupt nicht, es hilft mir nur, meine Rechnungen zu bezahlen. Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich bin durch Herrn Clinton in diese Geschichte geraten. Ich wäre glücklich, wenn bald alle Schulden beglichen wären und ich ein unbekanntes langweiliges Leben als Mom auf dem Land führen könnte.

Interview: Claus Lutterbeck