HOME

WAS MACHT EIGENTLICH...: Sofia Chibure

Während der Flutkatastrophe von Mosambik im Frühjahr 2000 brachte die damals 23-Jährige in einer Baumkrone über den tobenden Fluten des Limpopo ihr Baby zur Welt.

Während der Flutkatastrophe von Mosambik im Frühjahr 2000 brachte die damals 23-Jährige in einer Baumkrone über den tobenden Fluten des Limpopo ihr Baby zur Welt.

Zur Person:

Sofia Chibure (25) lebt mit ihren Töchtern Rosita (2), Celina (6) und Sohn Bennett (4) in der Gemeinde Chibuto in einem neuen Haus. Sie bewirtschaften mehrere Morgen Ackerland. Für Rositas Erziehung wurde eine Stiftung aus den Spendengeldern eingerichtet

Ihre Geschichte, die Geburt von Rosita während der großen Flutkatastrophe, ging vor zwei Jahren um die Welt. Wie geht es der Kleinen jetzt?

Bestens, Rosita ist gesund und fröhlich und wächst ganz normal heran. Sie spricht schon ganz gut Shangana, unsere Sprache.

Was soll einmal aus ihr werden?

Oh, das weiß ich jetzt noch nicht, das soll das Leben entscheiden. Sie ist ja unsere Jüngste, wird am 1. März erst zwei Jahre alt. Meine beiden anderen Kinder, eine Tochter und ein Sohn, sind schon etwas älter.

Die Flut in Mosambik hat eine weltweite Spendenaktion ausgelöst. Haben Sie auch etwas davon erhalten?

Rosita hat aus Spendengeldern 2000 Dollar bekommen, aber die Summe ist festgelegt, und wir rühren sie nicht an. Rosita bekommt das Geld, wenn sie einmal 18 Jahre alt ist.

Sie selbst sind Sie leer ausgegangen?

Nein, wir haben ein neues Haus bekommen. Seit dem 16. Dezember 2000 leben wir hier. Es ist ein sehr schönes, großes Heim mit drei Schlafzimmern. Es hat Anschluss an das städtische Wassernetz und Solarlicht. Wir fühlen uns privilegiert, hier wohnen zu dürfen.

Wer hat das finanziert?

Tut mir leid, ich kann es Ihnen nicht genau sagen. Das Geld kommt von weither, ich glaube, aus England.

Wir haben gehört, Joaquim Chissano, der Präsident von Mosambik, habe das Geld gegeben, weil Sie durch die Fotos von Ihrer Rettung im ganzen Land bekannt geworden sind.

Nein, nein, das Geld kam aus dem Ausland.

Spüren Sie noch die Folgen der Flut von vor zwei Jahren?

Wir haben alles verloren, unser ganzes Hab und Gut, 30 Ziegen und fünf Ochsen. Sicher, wird haben noch Glück gehabt. Andere sind gestorben, und wir haben wenigstens das schöne Haus und sind gesund. Ich habe auch gehört, dass es in der 70 Kilometer von hier entfernten Provinzhauptstadt Xai-Xai, die damals so stark überschwemmt wurde, wieder Strom gibt. Bei uns in Chibuto leben jetzt viel mehr Menschen - vor der Flut hatte die Stadt 7000 Einwohner, jetzt sind es 30.000.

Wie verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?

Mein Mann Salvador arbeitet beim Landesvermessungsamt, hat jedoch seit drei Monaten kein Lohn mehr bekommen. Neben dem Cashew-Baum da steht der Vater meines Mannes, der auch bei uns lebt.

Wovon leben Sie, wenn das Gehalt Ihres Mannes ausbleibt?

Wir verkaufen unsere Erdnüsse, die hier im Garten wachsen. Außerdem haben wir Mais. Ich stehe morgens immer um sechs Uhr auf, stampfe den Mais mit einem Mörser und koche dann Ouca, das ist Maisbrei, unser Nationalgericht.

Bauen Sie den Mais selbst an?

Ja, auf meinem Feld, etwa zehn Kilometer von hier entfernt, unten am Limpopo-Fluss, wo die Erde fruchtbar ist. Früher wohnten wir dort unten, bis die verheerende Flut alles verwüstete. Leider ist der Fluss auch dieses Jahr leicht über die Ufer getreten und hat unsere Ernte vernichtet. Deshalb mussten wir den Mais diesmal kaufen.

Gibt es irgendetwas, was Sie in Ihrem Leben besonders gern machen würden?

Oh, ich hätte gerne einen Stand in unserer Marktstraße; da könnte ich dann alle möglichen Produkte verkaufen.

Was kostet solch ein Laden?

2000 Dollar, das ist für normale Leute wie uns unerschwinglich.

Interview: Roland Müller

Themen in diesem Artikel