HOME

WAS MACHT EIGENTLICH...: Sydne Rome

Die US-Schauspielerin war Anfang der Achtziger die Galionsfigur der Aerobic-Bewegung in Europa und wirkte 1987 in der ZDF-Fernsehserie »Das Erbe der Guldenburgs« mit.

Die US-Schauspielerin war Anfang der Achtziger die Galionsfigur der Aerobic-Bewegung in Europa und wirkte 1987 in der ZDF-Fernsehserie »Das Erbe der Guldenburgs« mit.

Zur Person:

Sydne Rome, 51, lebt mit ihrem Mann, dem italienischen Medizinprofessor Roberto Bernabei, in Rom. Die beiden haben zwei Mädchen aus einem brasilianischen Waisenhaus adoptiert, Vanessa, 11, und Jesse, 7. Die Schauspielerin aus Akron, Ohio drehte ihren ersten Film 1969 und wurde vier Jahre später mit Roman Polanskis Film »Was?« bekannt. Als ihre Kinokarriere ins Stocken kam, schwang sie sich in den frühen achtziger Jahren auf die Aerobic-Welle, deren populärste Vertreterin sie in Europa wurde.

Frau Rome, was macht Sie glücklicher: eine Fitness-Stunde oder ein Teller römischer Lammbraten?

Auf jeden Fall Fitness. Ich mag Bewegung mit vielen Leuten und Musik. Ich mache jeden Morgen von acht bis neun Gymnastik. Essen tue ich nicht viel, nie Süßes, Pasta nur von mir zubereitet, und am liebsten mag ich rohen Fisch, asiatische und makrobiotische Küche. Nur bei Champagner werde ich schwach.

Ihr Motto »Let's move« gilt also noch?

Mehr denn je, denn jetzt bin ich ja älter. Das ist die einzige Art, fit zu bleiben. Ich fühle mich noch wie mit fünfunddreißig. Und diese Vitalität will ich mir erhalten. Ich unterrichte Kinder in Stepptanz und nehme selbst Klavierstunden. Wenn ich alt bin, möchte ich in Piano-Bars spielen, das ist mein Traum.

Sie waren damals neben Jane Fonda die berühmteste Vertreterin des Aerobic-Booms. Hatten Sie damals genug von der Schauspielerei?

Nein, ich liebe diesen Beruf über alles. Doch das Filmgeschäft war immer schwierig für mich. Ich hatte einen guten Start und habe immerhin fünfzig Filme gedreht, solange ich sehr hübsch aussah. Aber dann war es vorbei, und ich habe meine ganze Energie ins Aerobic gesteckt.

Ihr 1980 in Berlin gegründetes Fitness-Studio »Let's move« war allerdings ein Flop.

Ich habe viele Fehler gemacht. Unsere Schüler mussten keinen Vertrag unterschreiben, sie zahlten nur die Stunden, die sie wirklich da waren. Aerobic war damals noch sehr hart, und die meisten blieben nach den ersten Besuchen weg. Ich bin eben keine gute Geschäftsfrau. Die Vermarktung habe ich dann den Verlagen überlassen.

Der Durchbruch gelang Ihnen mit einer über 500.000-mal verkauften LP, einem Video und einem Buch - alles über Fitness. Warum war das für Astronauten und Soldaten entwickelte Trainingsprogramm plötzlich so angesagt?

Weil es total Spaß gemacht hat. Zum ersten Mal haben sich alle zusammen nach Musik bewegt. Aerobic ist sehr effizient und schnell, in einer Stunde sind alle Muskeln trainiert. Und nach einem Monat sieht man schon den Trimm-dich-Effekt.

Von dem Erlös kauften Sie sich eine Wohnung in Rom.

Ja, und mir gefällt das Leben in Rom. Ich fühle mich am Tiber gut aufgehoben und von allen gemocht. In Deutschland gefiel es mir auch gut, aber da war diese Sprachbarriere. Ich habe nie gut Deutsch gelernt.

Sie und Ihr römischer Ehemann sind kinderlos geblieben.

Ja, wir haben dann zwei Mädchen aus Brasilien adoptiert. Das ist eine große Herausforderung für mich. Denn adoptierte Kinder liebt man ja nicht auf Anhieb wie die eigenen. Ich muss mir da viel Mühe geben, bin aber froh, dass ich mich dieser Aufgabe gestellt habe. Ich hätte nie gedacht, dass es so kommen würde.

Ihrem Mann zuliebe sind Sie vom jüdischen zum katholischen Glauben konvertiert. Wie viel sind Sie bereit für die Liebe aufzugeben?

Nicht mehr so viel. Heute hätte ich mich nicht der Familie meines Mannes untergeordnet, die sehr katholisch ist. Ich glaubte, die Heirat würde besser akzeptiert, wenn ich auf vieles verzichte: auf die Karriere, auf die Reisen. Aber das ist Quatsch: Es ist viel wichtiger, sich selbst treu zu bleiben. Das versuche ich jedenfalls meinen Töchtern weiterzugeben.

Interview: Luisa Brandl

Themen in diesem Artikel