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Was macht eigentlich...: Theo Waigel

Der Jurist ging bereits als 18-Jähriger in die Politik. Später führte er zehn Jahre als Parteivorsitzender die CSU und war von 1989 bis 1998 Bundesfinanzminister.

Zur Person

Theo Waigel, 64, ist mit der früheren Ski-Rennläuferin Irene Epple, 46, verheiratet. Irene Epple, die als Ärztin arbeitet, sitzt für die CSU im Ostallgäuer Kreistag. Das Paar hat einen achtjährigen Sohn, Konstantin.
Der Jurist ging bereits als 18-Jähriger in die Politik. Später führte er zehn Jahre als Parteivorsitzender die CSU und war von 1989 bis 1998 Bundesfinanzminister.

Das Interview mit Theo Waigel führte Tilman Gerwien

Herr Waigel, wir dachten, Sie sind Pensionär. Aber bei Ihnen klingelt ständig das Telefon.

Das war gerade wieder Sabine Christiansen. Die will mich in ihre Sendung holen.

Und, was haben Sie gesagt?

Liebe Frau Christiansen, seien Sie mir nicht böse. Aber Sonntagabend sitze ich lieber daheim auf dem Sofa und trink ein Weizenbier. Ich habe mich aber doch breitschlagen lassen und habe zugesagt.

Sitzen Sie sonst die ganze Zeit auf Ihrem Sofa?

Wo denken Sie hin? Ich arbeite in einer Münchner Kanzlei, ich berate internationale Unternehmen. Aber ich mache nur noch, wozu ich Lust habe. Mein Büro ist in der Ludwigstraße. Von da sind es fünf Minuten zur Theatinerkirche und zehn zum "Franziskaner"-Bräu. Ich kann an einem Vormittag arbeiten, gut bayerisch essen und wieder beichten. Das ist ideal.

Helfen Sie auch im Haushalt? Dafür hätten Sie jetzt Zeit.

Ich will da nicht angeben. Wenn meine Frau nicht da ist, sieht Kochen so aus, dass ich meinen Sohn nehme und wir beide gepflegt in die Wirtschaft gehen.

Sie sind sehr spät noch mal Vater geworden. Würden Sie das empfehlen?

Für mich war das ein großes Erlebnis. Ich erlebe alles intensiver. Ich war mit Konstantin und Irene vor ein paar Tagen Ski laufen. Es lag Schnee im Allgäu, also hieß es: jetzt oder nie. Aber als Politiker ist man dauernd weg. Freitag kommt man heim und ist nur noch kaputt, fertig. Das ist eigentlich ganz schön traurig.

Fehlt Ihnen die Politik gar nicht?

Überhaupt nicht. Manchmal, wenn ich in Berlin bin, fahre ich durchs Regierungsviertel. Dann denke ich: In diesen Häusern hast du mal gesessen? Hinter diesen Fassaden hast du mal gekämpft? Unglaublich! Das ist mir heute so fremd.

Wie ist das, wenn man so lange Minister war - und dann fährt man das erste Mal nach Hause, ohne Amt?

Man lernt eine neue Welt kennen, eine reizvolle Welt. Als Minister hat man Macht, aber man ist fremdbestimmt. Es gibt die Knechtschaft des Terminkalenders, es gibt Personenschutz, alles wird einem abgenommen. Ich musste wieder Einkaufen lernen. In den Supermärkten hatten sie Waagen, da musste man Gemüse selber abwiegen und dann eintippen...

Die Waagen gibt es schon ewig!

Ja, aber ich hatte ewig nicht Obst und Gemüse eingekauft. Ich kannte auch die Ticketautomaten bei der Bahn nicht. Erste oder zweite Klasse? Mit Bahncard oder ohne? Beim ersten Mal stand zum Glück ein junges Mädchen neben mir und sagte: "Du, warte mal, ich zeig dir das jetzt!"

Jahrelang galten Sie als "Herr der Löcher". Freuen Sie sich, dass es Hans Eichel jetzt genauso geht?

Schadenfreude steht einem Christen nicht zu. Aber Eichel hat die Nase sehr hoch gehalten. Keine Rede ohne die "Rekordschulden", die ich hinterlassen hätte. Die Reden kann er jetzt alle umschreiben, den Rekord hat er gebrochen. Neulich habe ich ihn getroffen. Da war er so klein mit Hut!

Wird Angela Merkel 2006 Kanzler?

Ich bin sicher, dass ab 2006 die Union regieren wird. Die Regierung Schröder ist eine lahme Truppe.

Sollte Stoiber noch mal antreten?

Die Union sollte die Kanzlerkandidatur ein Jahr vor der Wahl entscheiden. Aber es ist sehr schwer, als CSU-Chef Kanzler zu werden. Man muss immer sagen: Bayern ist ein tolles Land, wir sind Spitze. Das hört man anderswo nicht gern.

Es gibt Parteifreunde, die sagen: Theo Waigel wäre auch ein guter Bundespräsident.

Um Gottes willen! Nein! Ich sitze hier gemütlich und warm an meinem Kachelofen. Hinter diesem Ofen holt mich keiner mehr hervor.

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