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CDU-Politiker: Obdachloser fand Friedrich Merz' Notebook und gab es zurück. Der Finderlohn? "Total unverschämt"

Enrico J. fand vor 14 Jahren Friedrich Merz' Notebook am Berliner Ostbahnhof. Statt es zu verkaufen, gab er es zurück. In einem Interview verrät er, wie Merz sich bei ihm bedankt hat - und was er von dessen Kandidatur hält.

Friedrich Merz

Als Enrico J. im Jahr 2004 an einem Taxistand am Berliner Ostbahnhof ein Notebook fand, war er obdachlos, verdiente sein Geld mit dem Verkauf des "Straßenfegers", einer Berliner Straßenzeitung, die im Juni dieses Jahres eingestellt wurde. Was er damals nicht sofort wusste: Das Notebook gehörte dem damaligen stellvertretenden CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz

Obdachloser fand Friedrich Merz' Notebook

Er habe darin "ein bisschen rumgestöbert", verrät J. jetzt in einem Interview mit der "taz". "Plötzlich hatte ich die Handynummern von wichtigen Politikern vor mir: Gerhard Schröder, der damals Bundeskanzler war, Angela Merkel, Edmund Stoiber, Theo Waigel und viele andere. Da dachte ich mir: Oh, das Ding ist heikel", erinnert er sich. Nach der Erkenntnis gab der heute 53-Jährige das Notebook beim Bundesgrenzschutz ab, der damals am Ostbahnhof saß. "Ich hätte das Ding auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen können, da waren sämtliche Daten der Bundesregierung drauf. Als Adresse habe ich beim Bundesgrenzschutz die der damaligen Obdachlosenhilfe angegeben", erzählt er. 

Reaktion war "unverschämt"

Gut einen Monat später habe sich der Politiker und Anwalt bei dem ehrlichen Finder bedankt. Doch die Art des Dankes stieß bei J. auf Unverständnis. Merz ließ ihm sein neues Buch mit dem Titel "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion - Kursbestimmung für unsere Zukunft" zukommen. Mit der Widmung: "Vielen Dank an den ehrlichen Finder". "Das fand ich echt total unverschämt", verrät Enrico J. heute. "Ich habe das Buch sofort in die Spree geschmissen. Er wusste ja von der angegebenen Adresse genau, dass ich obdachlos war, doch ihm war das nicht mal einen Cent wert. Richtig scheiße."

Er finde nicht, dass Merz ihm hätte Geld geben sollen, sagt J. "Aber er hätte einfach Kontakt suchen können. Er hätte einfach mal vorbeikommen und sich ordentlich bedanken können. Immerhin habe ich verhindert, dass geheime Infos über wichtige Politiker in die falschen Hände geraten."

"Abzock-Aktion"

Als er von Merz' Plänen erfuhr, für den Bundesvorsitz der CDU zu kandidieren, habe er sich an "diese Abzock-Aktion" erinnert. "Mir und meinem Kumpel kann er nichts gönnen und jetzt macht er wieder auf dicke Hose. So reich ist er geworden und zählt sich ernsthaft zur Mittelschicht", erzählt J. 

Heute lebt Enrico J. nicht mehr auf der Straße. Er hat ein regelmäßiges Einkommen und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Berlin

Quelle: "taz"

ls