HOME

Was macht eigentlich...: Thomas Allofs

Der Rheinländer - Stürmer wie sein älterer Bruder Klaus - gewann 1979 und 80 mit Fortuna Düsseldorf den DFB-Pokal. Wegen einer Verletzung beendete er 1992 seine Karriere

Zur Person:

Der Rheinländer Thomas Allofs lebt mit Ehefrau Conny und den Töchtern Jennifer, 19, und Pia, 14, in Erkrath. Er ist im Vorstand von Fortuna Düsseldorf tätig. Der Verein - gerade aufgestiegen in die Regionalliga Nord - feierte seine größten Erfolge Ende der 70er, als Thomas Allofs und sein drei Jahre älterer Bruder Klaus für die Fortuna stürmten. Wegen einer Verletzung beendete er 1992 seine Karriere. Er führt mit seinem Schwiegervater die Firma Lück & Allofs, eine Recycling-Firma mit 35 Mitarbeitern in Düsseldorf.

Das Interview mit Thomas Allofs führte Ulrike von Bülow

Herr Allofs, wie viele Biere haben Sie mit Ihrem Bruder Klaus auf den Meistertitel von Werder Bremen gekippt?

Noch gar keins. Am Tag der Meisterfeier hatte ich ein Tennisspiel, Bezirksliga Niederrhein. Aber wir haben natürlich die ganze Zeit mitgefiebert. Meine beiden Töchter sind Werder-Fans, bedingt durch ihren Onkel, ich musste für sie gerade Trikots bestellen: eines von Ailton, eines von Micoud. Wir werden das mit dem Feiern in Ruhe nachholen.

Hatten Sie nach Ihrer aktiven Zeit keine Lust auf eine zweite Karriere im Fußball wie Ihr Bruder?

Nein. Ich habe am Ende wieder in Düsseldorf gespielt, und meine letzte Saison war nicht so erfolgreich. Ein paar Spieltage vor Schluss zog ich mir den zweiten Kreuzbandriss zu und wurde Sportinvalide. Die Fortuna stieg ab, und wie das immer so ist: Wenn der Erfolg nicht da ist, gibt es Theater im Verein, und das hat mich eher frustriert. Außerdem gab es für mich die Möglichkeit, in das Entsorgungsunternehmen meines Schwiegervaters einzusteigen.

Sie beschäftigen sich mit Müll?

Mit Recycling - Altglas, Altpapier und so. Aber ich bin seit eineinhalb Jahren auch wieder im Fußball dabei - ehrenamtlich im Vorstand von Fortuna Düsseldorf.

Ihr Bruder und Sie haben als Kinder immer und überall Fußball gespielt - auch in der Wohnung Ihrer Eltern. Musste der Glaser häufig kommen?

Nein, es gab eine Auflage: kein echter Ball! Wir nahmen dann Socken, rollten die zusammen, umklebten sie mit Tape-Band und kickten mit dieser Kugel in der Diele; da waren die Türen gegenüber, wir konnten prima eins gegen eins spielen und das Mobiliar halbwegs schonen. Unsere Eltern hatten Verständnis, mein Vater spielte Fußball, meine Mutter Handball.

1979 und 80 holten Sie beide mit der Fortuna den DFB-Pokal. Anfang der Achtziger gingen Sie dann nach Kaiserlautern, Ihr Bruder nach Köln. Wie war das, plötzlich Gegner zu sein?

Das war ein komisches Gefühl. Wir haben uns immer ein bisschen geschont, muss ich im Nachhinein sagen. Ich hätte Klaus beim besten Willen nicht umgrätschen können. Wir waren zum Glück beide Stürmer und sind uns auf dem Platz nicht so häufig in die Quere gekommen.

Ihr Bruder sagte zu Beginn Ihrer Karriere: "Der Thomas spielt noch besser Fußball als ich." Warum wurde er Europameister und Vize-Weltmeister und Sie nicht?

Klaus war schon der bessere Fußballer. Er war der Stratege, der plötzlich explodierte und geniale Sachen machte, das war nicht so meine Stärke. Ich hab mich mehr bewegt, bedingt durch meine Statur: Als ich anfing, wog ich 62 Kilo bei 1,70 Meter - ich war ja ein Floh! Das konnte ich kompensieren, indem ich viel geackert habe. Aber ich hatte gute Konkurrenz, Rudi Völler zum Beispiel, mit dem ich in der U21 gespielt habe, und ich hatte viel Pech mit Verletzungen, aber letztlich hab ich zweimal in der A-Nationalmannschaft gespielt und bin zufrieden damit.

Hat es Sie genervt, immer nur "der kleine Allofs" zu sein?

Nein. Natürlich gab es Tage, wo ich dachte: Ich kann's nicht mehr hören. Weil das so ein Klischee ist - fragen Sie mal Ralf Schumacher. Aber das war schon okay. Und die Karriere meines Bruders war außergewöhnlich - ich war immer stolz auf ihn und bin das heute noch.

Am Samstag spielt Werder Bremen im DFB-Pokalfinale gegen Aachen. Ihr Tipp?

Ich hoffe, die Aachener nehmen es mir nicht übel, aber ich sage 3 : 1 für Bremen. Wenn die nicht zu viel gefeiert haben.

print