was-macht-eigentlich Alberto Tomba


Ohne ihn auf der Piste scheint der alpine Rennsport kühler und der Schnee grauer. Furore machte der Sohn eines reichen italienischen Tuchfabrikanten aber auch durch private Eskapaden, Affären und Launen

Ohne ihn auf der Piste scheint der alpine Rennsport kühler und der Schnee grauer. Furore machte der Sohn eines reichen italienischen Tuchfabrikanten aber auch durch private Eskapaden, Affären und LaunenZur Person :

Alberto Tomba, 33, der »Günstling der Götter« - so »Die Woche« -, lebt unverheiratet in Bologna.

stern: Weltcup in der Post-Tomba-Ära. Kullern da vor dem Bildschirm noch manchmal Tränen wie nach Ihrem Abschiedslauf im vergangenen Winter?

Tomba: Klar ist da noch viel Nostalgie im Spiel. Aber auch das Gefühl von wohlverdienter Ruhe nach 15 hektischen Sportler-Jahren. Ich war müde am Ende, die dauernde Reiserei hat mich richtig angekotzt.

stern: Und jetzt, mit 33, polieren Sie zu Hause wehmütig Ihre Pokale?

Tomba: Das sind zu viele: fast 600. Sie stehen bei meinen Eltern in Bologna.

stern: Gibt es Ersatz für die Momente des Ruhms?

Tomba: Ich habe mich sofort in neue Aktivitäten gestürzt: Etwa die Dreharbeiten für den TV-Zweiteiler »Alex, L'Ariete« (Alex, der Widder), wo ich den Polizeiagenten einer Spezialeinheit spiele. Dann war ich neun Monate für BenefizAktionen wie die »Tomba-Tour« unterwegs...

stern: ...wo für ordentlich Bares reiche Privatiers im 20-Sekunden-Slalom gegen Sie anwedeln durften.

Tomba: Und Kinder waren dabei, gratis. Schließlich bin ich Unicef-Botschafter.

stern: »Ski-Weltcup ohne Tomba - das ist wie Italien ohne Frauen« wurde vor Ihrem Abschied prophezeit. Zu Recht?

Tomba: Natürlich fehlt der Entertainer, der seine Siege überschäumend feiert: Ich habe immer gut 30 000 bis 40000 Fans angezogen. Ohne mich sinken die Zuschauerzahlen dramatisch.

stern: Keine neuen Stars?

Tomba: Ein Tomba wird nur alle 50 Jahre geboren.

stern: Erinnern Sie sich noch an das Transparent: »Erst schuf Gott Meer und Berge,...

Tomba: ...dann ließ er Schnee fallen, schuf Tomba und sagte: Gehe hinaus und gewinne für uns!» Klar! Was glauben Sie, wie einen solche Erwartungen in den Sekunden vor dem Start unter Druck setzen!

stern: Für Ihre Handgreiflichkeiten gegen aufdringliche Presseleute waren Sie fast so berühmt wie der Prügel-Prinz von Hannover. Jetzt sind Sie von den Titeln verschwunden. Ist das nicht Strafe für jemand wie Sie?

Tomba: Besonders die italienische Presse mit ihren fingierten Geschichten über mich war eine Plage. Als ich dann nicht mehr dauernd Bestleistung brachte, fielen sie regelrecht über mich her: »We won - he lost«. So geht das hier.

stern: Ganz schön undankbar, was?

Tomba: Es ging ja nicht nur um mich. Oft hat meine Mutter Tränen über solche Berichte verloren. Jetzt regelt meine Schwester die Pressekontakte, mein Vater das Geschäftliche.

stern: Da wird er ein gutes Händchen brauchen: Italienische Steuerfahnder werfen Ihnen Hinterziehung in Höhe von 23 Millionen Mark vor. Ende März sollen Sie dafür vor Gericht.

Tomba: Daran sind meine früheren Berater schuld, die schamlos abgezockt haben. Dafür muss ich jetzt geradestehen. 7,5 Millionen Mark zahle ich dem Finanzamt bereits freiwillig zurück. Aber mein Ruf hat gelitten.

stern: Demnach flattern Ihnen nicht mehr so viele Angebote ins Haus...

Tomba: Es könnte besser gehen. Wichtige Sponsoren haben wegen der Steuersache kalte Füße gekriegt.

stern: Womit verdienen Sie heute Ihr Geld?

Tomba: Ein paar der alten Sponsoren sind geblieben, Rossignol etwa. Und Werbeaufträge...

stern: ...für die Region Abruzzen, für einen Muskelstimulator und ein Parfüm mit dem Namen »indecente by Alberto Tomba«. Klingt nicht nach großem Wurf.

Tomba: Dio mio, der ganze Markt ist in der Krise!

stern: Früher haben Sie gern in Versace posiert. Keine Angebote aus der Modebranche?

Tomba: Ach, von denen ist doch keiner auf die Idee gekommen, dass unter meinen Skiklamotten ein bemerkenswerter Körper ist.

stern: Verbittert, so wenig gefragt zu sein?

Tomba: Ich muss mich wohl erst dran gewöhnen, dass Sponsoren und Werbeträger auf die Jungen setzen. Nur wenigte Ex-Sportler bleiben im Geschäft.

stern: Dann ist Boris Becker ein Genie?

Tomba: Während ich einsam oben in den Bergen kämpfte, spielte Boris in Ballweite der feinen Salons. Wem fiel es wohl leichter, Kontakte zu knüpfen?

Interview: Daniela Horvath


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