was-macht-eigentlich Alessandro Nannini


Der Spross einer millionenschweren Zuckerbäckerfamilie aus Siena fuhr mit großem Erfolg Autorennen, zuletzt Formel 1 - bis ihm 1990 bei einem Hubschrauberabsturz der rechte Arm abgerissen wurde

Der Spross einer millionenschweren Zuckerbäckerfamilie aus Siena fuhr mit großem Erfolg Autorennen, zuletzt Formel 1 - bis ihm 1990 bei einem Hubschrauberabsturz der rechte Arm abgerissen wurde STERN: Im Oktober 1990 sind Sie vor Ihrem Elternhaus mit dem Helikopter verunglückt. Dabei schnitt Ihnen der Rotor den rechten Unterarm ab, den Ihr Vater im Wrack fand und in Eis packte. In einer neunstündigen Operation wurde er wieder angenäht. Wie geht es Ihrer Hand heute?

NANNINI: Danke, sehr gut. Sie ist nicht wieder abgefallen.

STERN: Und ist sie wieder voll funktionstüchtig?

NANNINI: Ja, fast. Ich habe natürlich nicht mehr das gleiche Gefühl wie früher. Es ist eher so, als würde ich einen Handschuh tragen. Aber ich kann damit schreiben und auch sonst fast alles machen. Nur eines nicht: Sie wissen schon. Dafür ist jetzt meine Freundin zuständig.

STERN: Quälen Sie noch Albträume von dem Unfall?

NANNINI: Nein. Ich hatte lange welche, aber inzwischen schlafe ich wieder sehr gut - wenn ich nicht gerade mit meiner Freundin beschäftigt bin.

STERN: Steigen Sie heute noch in einen Hubschrauber?

NANNINI: Nein.

STERN: Aber ein Jahr nach dem Unfall haben Sie wieder in einem Rennwagen gesessen. Was hat Sie dazu gebracht, nachdem Sie so knapp dem Tod entkommen waren?

NANNINI: Die Leidenschaft! Meine Lust am Rennsport, ich wollte sehen, ob ich es noch kann.

STERN: Und?

NANNINI: Zumindest habe ich noch ein paar Rennen in der Tourenwagenmeisterschaft gewonnen.

STERN: Haben Sie noch Interesse an der Formel 1?

NANNINI: Sicher. Das Finale der Weltmeisterschaft habe ich mir zu Hause bei meinen Eltern in Siena angeguckt, ich saß mit meiner kleinen Tochter Isabella vor dem Fernseher

STERN: Ihre Tochter ist gerade ein Jahr alt und guckt schon Autorennen?

NANNINI: Klar. Schließlich soll mal eine große Rennfahrerin aus ihr werden.

STERN: Waren Sie denn mit dem Ergebnis zufrieden - oder hätten Sie lieber Eddie Irvine im Ferrari als Weltmeister gesehen?

NANNINI: Natürlich! Aber ich denke, der Titel als Konstrukteursweltmeister für Ferrari geht in Ordnung.

STERN: Schauen Sie sich noch manchmal Formel-1-Rennen live an der Strecke an?

NANNINI: Ja, zwei-, dreimal im Jahr. Ich gehe nach Monza und Imola und sehe mir natürlich den Großen Preis von Monaco an, weil ich in Monte Carlo lebe.

STERN: Haben Sie noch Kontakt zu Fahrern aus Ihrer aktiven Zeit?

NANNINI: Ja. Riccardo Patrese, Nicola Larini und Andrea de Cesaris sind gute Freunde von mir.

STERN: Heute besitzen Sie eine Kaffeerösterei und mehrere Konditoreien in Siena. Backen Sie auch selber?

NANNINI: Nein, besser nicht. Aber ich kann unser Gebäck sehr empfehlen. Ich kümmere mich hauptsächlich darum, dass sich meine Kette weiter ausbreitet. Es gibt inzwischen Alessandro-Nannini-CoffeeShops in Lissabon, Djakarta und in Singapur.

STERN: Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Schwester Gianna?

NANNINI: Ausgezeichnet. Wir sehen uns, wann immer es die Zeit zulässt. Sie ist ganz vernarrt in meine kleine Tochter.

STERN: Bis Isabella Nannini Rennen fährt, müssen wir uns noch etwas gedulden. Wagt ihr Vater eine Prognose für die kommende Saison: Wird Ferrari endlich Weltmeister?

NANNINI: Auf jeden Fall! Michael Schumacher ist ohne Zweifel der beste Rennfahrer der Gegenwart. Er wird's schon richten. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Mit Alessandro Nannini sprach STERN-Mitarbeiterin Svenja Meyer.


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