was-macht-eigentlich Eduard Zimmerman


Nach 300 Sendungen von »Aktenzeichen XY . . . ungelöst«, 1100 geklärten Kriminalfällen und 850 geschnappten Tätern gab »Ganoven-Ede« 1997 die Sendung ab

Nach 300 Sendungen von »Aktenzeichen XY . . . ungelöst«, 1100 geklärten Kriminalfällen und 850 geschnappten Tätern gab »Ganoven-Ede« 1997 die Sendung abZur Person :

Eduard Zimmermann, 70, lebt heute im schweizerischen Leukerbad. »Aktenzeichen XY«, das er gründete und 30 Jahre lang leitete, berät er noch immer mit »sachdienlichen Hinweisen«

stern: Zwei Jahre im Ruhestand, vermissen Sie die Verbrecher?

Zimmermann: Von wegen Ruhestand. Ich bin in die Redaktion als Berater noch fest eingebunden, die Drehbücher gehen bei mir alle über den Tisch. Ich arbeite von meinem neuen Wohnsitz aus. Mit meiner Frau Rosmarie bin ich in den Schweizer Kurort Leukerbad gezogen.

stern: Kurort - da könnten Sie doch endlich entspannen?

Zimmermann: Mache ich. Ich gehe viel zum Wandern, Skilaufen oder gelegentlich zum Schwimmen ins Thermalbad.

stern: Sie haben Ihr Privatleben stets aus den Medien herausgehalten. Dabei könnten Sie doch stolz darauf sein, Sie sind seit fast 40 Jahren verheiratet.

Zimmermann: Ich bin kein Film- und Fernsehstar. Meine Frau und ich haben kein Interesse an Öffentlichkeit.

stern: Aus Angst vor Racheakten? Sie standen immerhin auf der Todesliste der RAF.

Zimmermann: Ich war für die Terroristen eine Reizfigur, daher hatte ich damals Polizeischutz. Ansonsten verschicken Ganoven keine Drohbriefe. Die kommen mit ihrem Anwalt.

stern: Haben Sie auch mal Post aus dem Knast bekommen?

Zimmermann: Kaum. Höchstens Beschwerden. Wir hatten mal von einem Kaserneneinbruch berichtet und behauptet, der Täter hätte auch die Weihnachtspakete der Soldaten geöffnet und vom Christstollen probiert. Nach seiner Festnahme bekamen wir einen Brief von ihm. Er fühlte sich in seiner Ganovenehre gekränkt und schrieb: »Der Einbruch geht zwar auf mein Konto, aber vom Stollen habe ich nicht genascht.«

stern: Ist Ihnen bei über 2700 Fällen einer besonders in Erinnerung geblieben?

Zimmermann: Ein ganz abscheulicher. Der Fall Ursula Hermann. Die elfjährige Schülerin vom Ammersee, die entführt wurde. Die Täter hatten eine Kiste mit Lüftungsschlitzen in die Erde gebaut und das Kind dort eingesperrt. Die Belüftung funktionierte nicht, das Mädchen ist qualvoll erstickt. Die Fotos aus der Ermittlungsakte werde ich nie vergessen. Leider wurde der Fall nie gelöst.

stern: Und haben Sie mal Mitleid mit Tätern bekommen?

Zimmermann: Zu meiner Kundschaft hatte ich keine persönliche Beziehung. Die Fälle habe ich professionell abgehandelt. Manchmal entwickelte sich lediglich ein sportlicher Wettkampf - wie im Fall »Dagobert«. Der hat uns sehr strapaziert.

stern: Als Erfinder des Reality-TV - Was sagen Sie zu Ihren Nachahmern?

Zimmermann: Über Konkurrenzprogramme möchte ich mich gar nicht äußern.

stern: Sie sind nie zum Privatfernsehen gegangen, obwohl Sie dort sicherlich mehr verdient hätten.

Zimmermann: Beständigkeit und Treue entsprechen meinem Naturell. Auf meine Partner konnte ich mich beim ZDF immer verlassen. Über meine Einnahmen kann ich mich auch nicht beschweren. Ich habe nie verschwenderisch gelebt. Am Ende kann eh keiner was mitnehmen.

stern: Ernsthaft, trocken, spießig - so werden Sie oft beschrieben. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Zimmermann: Über zwei Eigenschaften bin ich sehr glücklich: Einerseits bin ich pedantisch, andererseits sehr kreativ. Eigenschaften, die sich eigentlich ausschließen und in der Kombination sehr selten sind.

stern: Sie haben sich mal als »Krimi-Pastor« bezeichnet ...

Zimmermann: ... ich hatte so ein bisschen was vom Fernsehpfarrer Sommerauer. Wir beide haben uns auch blendend verstanden.

stern: Sind Sie in der Kirche?

Zimmermann: Ich war katholisch, habe aber die Kirche verlassen, weil ich mich einige Male über sie ärgern musste.

stern: Mit 70 könnten Sie jetzt eigentlich Ihre Memoiren schreiben.

Zimmermann: Im Moment ausgeschlossen, ich habe noch so viele Dinge abzuarbeiten. Und als Rentner habe ich einfach zu wenig Zeit.

Interview: Susanne Schormann


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